Persönlich

«Schoggi verleidet mir nie»

Vanessa Schnyder aus Wiesendangen hat schon viele Berufswettbewerbe bestritten. Im August bewertet die 28-Jährige an den Berufsweltmeisterschaften in Russland Confiseure aus aller Welt.

Vanessa Schnyder wurde an den Berufsweltmeisterschaften 2014 in Taiwan Vize-Weltmeisterin.

Vanessa Schnyder wurde an den Berufsweltmeisterschaften 2014 in Taiwan Vize-Weltmeisterin. Bild: Madeleine Schoder

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Vanessa Schnyder wollte immer Confiseurin werden. «Bis ich 15 Jahre alt war und vor der Berufswahl stand», sagt sie und lacht. Da entschied sie sich anders und wählte eine Lehre zur Hochbauzeichnerin. Weil sie gut in Mathematik und Geometrie war, und weil sie Freude an der Arbeit mit dem Computer hatte.

Doch der Berufswunsch ihrer Kindheit holte sie wieder ein. Nach einem Jahr brach die Tochter eines Confiseur-Paares ihre Zeichnerlehre ab und begann 2008 im elterlichen Betrieb, der Confiserie Roggwiler in St. Gallen die Lehre zur Konditorin mit Fachrichtung Confiserie. «Ich wollte etwas mit meinen Händen erschaffen, das fehlte mir in der Zeichnerlehre», sagt Vanessa Schnyder, die im Wiesendanger Weiler Buch lebt. «Wenn man 15 Jahre alt ist, ist es schwierig zu entscheiden, was man den Rest des Lebens machen will.»

Produkt mit «Wow-Effekt»

Heute ist Vanessa Schnyder 28 Jahre alt und weiss genau, dass sie noch lange Confiseurin sein will. «Ich liebe es, etwas zu kreieren, etwas, das bei den Gästen einen Wow-Effekt auslöst.» Als Confiseurin könne sie kreativ sein, etwas Schönes erschaffen und dieses mit einem besonderen Geschmack verbinden. Süssigkeiten isst sie auch nach Jahren im Beruf noch gerne. «Vor allem Schoggi verleidet mir nie.»

Ihre Lehre schloss sie mit der Bestnote der Berufssektion Ost ab: 5,6. Und damit qualifizierte sie sich für die Schweizer Berufsmeisterschaft, ihren ersten Wettbewerb. Sie erreichte den dritten Rang.

Seither hat sie mehrere Meisterschaften bestritten und wurde 2013 Vize-Weltmeisterin in Taiwan. «Das war echt ein Highlight.» Ende Januar legte sie noch die Berufsprüfung zur Produktionsleiterin ab und im August steht der Rollentausch an. Dann wird Schnyder an den World Skills 2019, die vom 22. bis 27. August im russischen Kazan stattfinden, als Expertin amten. Das ist das erste Mal, dass sie international bewertet. An den Swiss Skills, den Schweizer Meisterschaften, stand sie schon als Expertin im Einsatz. «Ich bin gespannt, wie andere Nationen die Zutaten einsetzen.» Und Geschmack sei auf der ganzen Welt sehr unterschiedlich.

«Wenn man 15 Jahre alt ist, ist es schwierig zu entscheiden, was man den Rest des Lebens machen will.»

Angefragt für die Weltmeisterschaftsexpertise wurde sie von demjenigen Experten, der sie einst an die World Skills begleitete. «Ich habe aus dem Bauch heraus, ohne nachzudenken zugesagt.» Erst danach habe sie gemerkt, dass das Amt ziemlich viel Arbeit mit sich bringt, sagt sie und lacht. Doch ihre Eltern, in deren Betrieb sie arbeitet, haben Verständnis. «Sie sind selbst Fan von Wettbewerben und werden auch als Zuschauer nach Russland kommen.»

Mentale Stärke ist wichtig

Vor dem Wettkampf betreut Vanessa Schnyder eine Schweizer Confiseurin auf ihrem Weg zur Meisterschaft. Sie organisiert das komplette Training der Teilnehmerin, die tagelang übt – Torten, Praliné, Marzipanfiguren oder Zuckerschaustück. «Ich sorge dafür, dass sie sich optimal vorbereiten kann», sagt Schnyder.

«Ich bin gespannt, wie andere Nationen die Zutaten einsetzen.»

In Russland dann der Rollenwechsel: Die Expertin darf während der Wettkampfzeit keinen Kontakt mehr zur Teilnehmerin pflegen - auch wenn sie keinesfalls das Schweizer Team bewerten wird. «Das wird sicher etwas seltsam», sagt Schnyder. Derzeit würden sie sich fast täglich austauschen. «Ich will wissen, wie es ihr geht. Physisch, aber auch psychisch.» Mental muss man an so einem Wettbewerb stark sein, weiss Vanessa Schnyder aus eigener Erfahrung: «Es bringt nichts, wenn du fachlich super bist, das Können aber vor lauter Stress nicht abrufen kannst.» Darum hat sie selbst schon ein Mentaltraining absolviert.

An Wettbewerben anzutreten, hat sie derzeit nicht mehr im Sinn. «Das ist etwas für die Jungen mit viel Energie», sagt sie mit dem unbeschwerten Lachen, das fast nur junge Leute haben. Nach den World Skills gönnt sich Schnyder erst mal ein paar Monate Pause – bei einer Reise nach Neuseeland. Aber auch dort will sie sich die eine oder andere Confiserie ansehen. «Es interessiert mich immer, wie der Beruf in anderen Ländern ausgeübt wird.»

Erstellt: 07.07.2019, 18:06 Uhr

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