Buch am Irchel

Schon wieder Misswirtschaft

Die Gäste des Restaurants Sonne in Buch am Irchel haben Pech: Bereits zum zweiten Mal muss das Gasthaus in kurzer Zeit geschlossen werden. Doch diesmal ist es noch schlimmer.

Auf der Schiefertafel beim Eingang des Restaurants Sonne verabschiedet sich der konkursite Wirt von seinen Gästen. Das Restaurant wurde vom Notariat des Bezirks Andelfingen versiegelt.

Auf der Schiefertafel beim Eingang des Restaurants Sonne verabschiedet sich der konkursite Wirt von seinen Gästen. Das Restaurant wurde vom Notariat des Bezirks Andelfingen versiegelt. Bild: Marc Dahinden

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«Am Anfang lief es richtig gut», erinnert sich Marco Meier. Der Besitzer des Restaurants Sonne in Buch am Irchel meint damit die Episode der beiden Wirte Erwin Berchtold (58) und Joël Perreten (31), die Mitte März begann und vor zwei Tagen ihr tragisches Ende fand: Seit Montag ist die Sonne geschlossen – und versiegelt.

Am 9. November hat der Konkursrichter des Bezirks Andelfingen den Konkurs gegen Erwin Berchtold eröffnet. Gestern wurde die vorläufige Konkursanzeige im Schweizerischen Handelsamtsblatt publiziert. Was ist geschehen? Die beiden zahlungsunfähigen Wirte waren gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

«In acht Monaten hat sich ein immenser Schuldenberg angesammelt.»

Hauptpächter Hansjakob Zurbuchen, der ihnen das Restaurant aus gesundheitlichen Gründen untervermietet hat, sagt: «In den acht Monaten, seit die beiden das Restaurant von mir gepachtet haben, hat sich ein immenser Schuldenberg angesammelt.» Dieser bewege sich im sechsstelligen Bereich. Etwa ein Drittel der Schulden beträfen ihn selbst, in Form nicht bezahlter Mieten sowie von Strom- und Telefonrechnungen.

Zurbuchen, der heute als Verkäufer tätig ist, muss als Inhaber eines mehrjährigen Pachtvertrages für die ausstehenden Rechnungen seiner Untermieter aufkommen.

Die Misswirtschaft betrifft aber längst nicht nur ihn: Viele lokale Betriebe sind ebenfalls betroffen. Laut einem dem «Landboten» vorliegenden Auszug aus dem Betreibungsregister des Bezirks Andelfingen von Anfang Oktober fordern unter anderem Metzger, Bäcker, Gemüsehändler, Getränke- und Weinhändler sowie eine Garage vier- und fünfstellige Beträge ein.

Auch eine Hilfsköchin, die von Mai bis September im Restaurant Sonne gearbeitet hat, muss ihren ohnehin tiefen Lohn, wie sie sagt, via Betreibung einfordern.

Die Wut der geprellten Gläubiger, die ihr Geld wohl abschreiben müssen, ist gross. Von «unglaublichen Betrügern» und «Gaunern» ist die Rede.

Steuerschulden

Dass es sich bei den beiden zahlungsunfähigen Wirten nicht um die ersten Zahlungsversäumnisse in ihrem Leben handelt, lässt ein weiterer Blick auf den Betreibungsauszug vermuten. Demnach verfügt der konkursite Wirt auch über Steuerschulden. Auch eine Krankenkasse fordert via Betreibung einen ausstehenden Betrag ein.

«Schön wäre einfach, wenn einmal jemand käme, der kochen kann»

Besitzer Marco Meier will das Restaurant trotz des Wirte-Pechs, dass die Sonne in letzter Zeit heimsuchte, aber aufrechterhalten. «Das Dorf hat dem Restaurant auch dieses Mal die Stange gehalten», sagt er. Weitere offizielle Aussagen will er mit Hinweis auf die aktuelle Situation nicht machen.

Die beiden zahlungsunfähigen Untermieter müssen nun bis Ende November die Wohnung oberhalb des Restaurants räumen. «Schön wäre einfach, wenn einmal jemand käme, der kochen kann», sagt Meier.

Zwei mal Pech gehabt

Zurbuchen, der die Sonne zusammen mit Gattin Therese von Dezember 2015 bis Juli 2017 führte, musste das Restaurant damals wegen starker Bandscheibenprobleme vor Ablauf seines Pachtvertrags (Ende 2020) Hals über Kopf aufgeben. Bei der Untervermietung des Restaurants samt Wohnung hat er nun schon zum zweiten Mal Pech gehabt.

Damals, per 1. August 2017, hatte er zwei Männer aus Mazedonien und dem Kosovo als Wirte engagiert. Sie wollten der Sonne einen mediterranen Touch verleihen. Nach einem gelungenen Start ging es mit dem Restaurant dann aber schnell bergab.

Mitte Januar diesen Jahres warfen Orce Vasilev und Georg Tushi schliesslich das Handtuch und machten sich samt einem Teil des Inventars aus dem Staub. Dafür habe er bis heute keinen Rappen erhalten, sagt Zurbuchen. (Der Landbote)

Erstellt: 13.11.2018, 22:57 Uhr

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