TV-Sendung

Sieben Gründe, warum Sie sich die SRF-Sendung über Winterthur schenken können

Eine Woche lang dreht sich in der SRF-Sendung «Mini Schwiiz, Dini Schwiiz» alles um Winterthur. Wir haben die erste Folge vorab gesehen und fanden sieben Gründe, heute Abend nicht einzuschalten. Sowie einen, es eventuell doch zu tun.

Die Protagonisten trifft keine Schuld, aber die SRF-Sendung «Mini Schwiiz, Dini Schwiiz» über Winterthur ist furchtbar.

Die Protagonisten trifft keine Schuld, aber die SRF-Sendung «Mini Schwiiz, Dini Schwiiz» über Winterthur ist furchtbar. Bild: PD

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Zuerst eine Warnung: Wenn Sie zu den glühenden Fans der Sendung «Mini Schwiiz, Dini Schwiiz» zählen, sollten Sie ab hier nicht mehr weiterlesen. Zu schmerzhaft wird wohl, was im Folgenden kommt. Mit dem Format hat das Schweizer Fernsehen vieles zusammengemischt, was den «Service public» und das zeitgenössische Fernsehen ausmacht: Volksnähe, Spielshow- und Reality-Elemente, eine Prise Folklore. Ab heute Abend laufen die fünf Folgen über Winterthur, und sie sind wie Fertigfondu: Etwas fade und schwer zu verdauen. Wir haben uns die erste Folge vorab angeschaut und fanden sieben Gründe, warum man aufs Zuschauen besser verzichtet, und einen, um trotzdem einzuschalten.

Die Winterthurerinnen und Winterthurer treffen sich auf dem Dach des Sulzer-Hochhauses.

1. Es fehlt etwas

Was dem Schweizer Publikum hier als Porträt der Stadt Winterthur serviert wird, ist unvollständig. Das hat mit dem Game-Show-Charakter zu tun. Fünf Stadtbewohner zeigen jeweils ihren Stadtkreis, am Ende bewerten sie sich gegenseitig wie in einer Kochshow. Dass es fünf sind hat natürlich mit den Wochentagen zu tun, also der Sendezeit, nun hat Winterthur aber sieben Stadtkreise. Dumm gelaufen! Seen und Mattenbach werden kurzerhand unterschlagen.

2. Reine Scharade

Winterthur ist ein grosses Dorf. Das ist eine der Botschaften, die schon ganz früh abgesetzt werden in der Sendung, auch von Zora, die als Gastgeberin der ersten Folge auftritt. Diese Überschaubarkeit bringt es nun aber mit, dass eigentlich jeder Winterthurer von jedem Stadtkreis eine Ahnung hat. Zora zeigt ihren Gästen den FC Winterthur. «Der FCW gehört einfach zu Winterthur», sagt sie in die Runde und alle nicken die Scharade artig ab. Ihnen ist klar, dass sie nur Kulisse sind. Zora redet eigentlich zum TV-Publikum.

3. Fernsehen geht anders

Die Mittel des modernen TV-Schaffens, werden in dieser Sendung überhaupt sehr beliebig eingesetzt. Zum Beispiel das Interview in der Box, in dem die Protagonisten im Nachhinein auf eine Szene Bezug nehmen. Populär wurde es einst mit «Big Brother». Kein Wunder, lebt es doch von der Distanz. Haben sich zwei gestritten, können Sie hinterher Grösse zeigen oder nachtreten, je nach Persönlichkeitstyp. In «Mini Schwiiz, Dini Schwiiz» gibt es nur Harmonie, und so kommentieren die Kandidaten Dinge wie die Begrüssung: «Ich wusste erst gar nicht, wer die Gastgeberin ist, und fand sie dann mega sympathisch.»

4. Längen, Lääängen!

Überhaupt, diese Begrüssung, die sich auf dem Dach des Sulzer-Hochhauses abspielt, einem typischen Winterthurer Treffpunkt also: «Ich bin der Basil.» «Hoi Basil, ich bin die Zora.» – «Hoi, Zorra» – «Zora mit R.» Geschlagene zwei Minuten lang werden Namen getauscht, Hände geschüttelt. Eine absurde, uferlose Mechanik tritt zu Tage, wie sie die Komödie «Spione wie wir» in den Achtzigern wunderbar persiflierte (sehen Sie hier das Video dazu).

5. Redundanzen

Zu den Längen gesellen sich Wiederholungen. «Mini Schwiiz, Dini Schwiiz ist in dieser Woche unterwegs in Winterthur», beginnt der Sprecher aus dem Off die Sendung. Fünfzig Sekunden später sagt er: «Mini Schwiiz Dini Schwiiz ist heute zu Gast in Winterthur.» Man kennt das aus dem Privatfernsehen. Dort allerdings hat das exzessive Wiederholen einen Zweck, nämlich nach der Werbung den Faden wieder aufzunehmen. Was das SRF damit will, bleibt schleierhaft.

6. Das Grauen aus dem Off

Der Kommentar aus dem Off ist eigentlich die Kür jedes Reality-Formates. So war das Trash-Format Dschungel-Camp 2013 für seine bissigen Kommentare sogar für den Grimme-Preis nominiert. Bei «Mini Schwiiz, Dini Schwiiz» wird hingegen Belangloses in einem selbstgefälligen Patron-Tonfall mit Gemeinplätzen zugepflastert. Als die Fünfertruppe die Schützenwiesen-Katakomben besucht, meint der Sprecher: «Auch in der Spielergarderobe sieht es nicht gerade aus, wie in einem Luxustempel. Doch dafür kommt bei einigen das Fussballfieber auf.»

7. Keine Spannung, nie

Unschlagbar ist das Format zumindest in einer Hinsicht: In seiner Ereignislosigkeit. 23 Minuten reichen gerade so, um den FCW zu besuchen und in der Altstadt ein Glas Wein zu trinken. Der Rest geht für Vor- und Rückblick, Kommentare in der Box und eine Benotungsrunde drauf. Weil in dem überhaupt nicht kompetitiven Setting fast nur Höchstnoten verteilt werden, ist das Fehlen jeglicher Spannung förmlich mit Händen zu greifen.

Aber ja, da ist auch ein Grund, warum sich das Einschalten eventuell doch lohnt. FCW-Geschäftsführer Andreas Mösli lässt bei der Begehung der Tribüne nämlich tief blicken und öffnet etwa den Schrank, in dem die Kühltechnik der Libero-Bar steckt. So sieht man dann auch als Winterthurer noch etwas Neues.

FCW-Geschäftsführer Mösli führt durch die Haupttribüne.

«Mini Schwiiz, Dini Schwiiz» läuft ab Montag jeweils von 18.15 bis 18.40 Uhr auf SRF1, mit nächttlichen Wiederholungen.

Erstellt: 09.02.2020, 13:44 Uhr

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