FCW

Sliskovics Doublette zur Wende

Der FCW überzeugte gegen Aufsteiger Stade Lausanne-Ouchy nicht. Aber er hatte genug Kampfkraft und Charakter, in der zweiten Halbzeit aus einem frühen 0:1 ein 2:1 zu machen.

Der Matchwinner für den FCW war Luka Sliskovic mit zwei Toren.

Der Matchwinner für den FCW war Luka Sliskovic mit zwei Toren. Bild: Keystone

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Der FCW geht am Samstag mit vier Punkten ins Heimspiel gegen den Aufstiegsfavoriten Lausanne-Sport. Und weil der ebenso viele Punkte mitbringt, ist von einem ersten Spitzenmatch in dieser Saison zu reden. Der Auftritt des FCW gegen SLO war allerdings eine ziemlich zähe Sache.

Man kann danach sagen, es seien die umgekehrten Schlüsse zum Startspiel gegen den FC Aarau zu ziehen. Damals zeigten die Winterthurer einen vor allem spielerisch starken Auftritt; sie besassen so viele klare Chancen, dass die Aarauer mit dem 1:1 gut bedient waren. Dem FCW fehlte es an Qualität im Abschluss, aber auch an etwas Spielglück.

Die Rolle des Assistenten

Gestern wars, gegen einen hartnäckigen, zäh kämpfenden und gut eingestellten Aufsteiger so: Der FCW begann nicht gut. Er geriet, wie schon gegen Aarau in Rückstand. Es gab sehr wohl zwei, drei Szenen, in denen SLO gar das 2:0 hätte schiessen können.

Aber es fiel nicht, stattdessen pfiff der Schiedsrichter nach einer Stunde einen Elfmeter, der nach einer Aktion Ferid Matris an Nuno Da Silva gepfiffen wurde – von einem Schiedsrichter Stefan Horisberger, der offenbar auf einen Wink seines einen Assistenten einging.

Aber man konnte auch den Eindruck erhalten, Horisberger habe auch deshalb so entschieden, weil er zwei Minuten vorher einen besonders kapitalen Bock geschossen hatte: Der bereits verwarnte Spanier Juan-Manuel Parapar, Nyons Torschütze, hatte sich ein dermassen klares zweites Verwarnungsfoul geleistet, dass Rot zwingend gewesen wäre. Noch ehe nach dem Ausgleich wieder angestossen wurde, hatte Stade Lausannes Trainer Andrea Binotto Parapar vom Platz genommen …

«Diese Mannschaft hat eben Charakter»Ousmane Doumbia

1:1 stand es also, denn Sliskovic verwertete den Elfmeter souverän. Vorbei sind die Zeiten, als Taulant Seferi vom Punkt nicht traf. Das 1:1 war trotz der zwei, drei sehr gefährlichen Aktionen der Lausanner gerecht. Nicht wirklich zwingend, aber auch nicht gestohlen war dann, dass der FCW eine Viertelstunde vor Schluss gar in Führung ging. Nach guter Vorarbeit Gabriel Isiks nahm Sliskovic den Ball direkt ab.

Der Torhüter hatte keine Chance, ein Verteidiger schien gerettet zu haben – doch dann erkannte das Adlerauge des Schiedsrichterassistenten Jan Köbeli, der Ball habe die Linie überschritten.

Diesen Vorsprung brachten die Winterhurer dann über die Zeit, nicht wirklich souverän, aber auch nicht so zittrig, dass von mehr als einer nennenswerten Torchance der Waadtländer zu reden gewesen wäre. Einmal im Rückstand, waren deren spielerischen Defizite doch zu erkennen. Und so ist zusammenzufassen: Hätte der FCW gegen Aarau gewonnen und gestern unentschieden gespielt, hätte man die Ergebnisse als gerechter empfunden. Irgendwie bekamen die Winterthurer gestern das zurück, was ihnen gegen die Aargauer vorenthalten worden war.

Jeder hatte seine Schwächen

Er wäre, hatte FCW-Trainer Ralf Loose in Anbetracht der verletzungsbedingten Ausfälle bis hin zum Abwehrchef Sead Hajrovic gesagt, «mit einem Punkt zufrieden.» Als es nun gar drei waren, meinte er: «Ich denke doch, dass das verdient ist.» Verdient ist auf jeden Fall, dass der FCW nun vier Punkte hatte – ob nun aus einer Addition von 3 plus 1 oder 1 plus 3, spielt da keine Rolle.

Klar war, dass der FCW die spielerisch schwächste Leistung dieser jungen Saison bot, die sechs Testmatches einbezogen. Es liess sich eben doch nicht verdecken, dass mit Hajrovic und Callà zwei absolute Stützen fehlten; dass einer wie Enrique Wild von einer Verletzung zurückkam und die Abwehr ein weiteres Mal in neuer Besetzung spielte. Es war also jedem klar, «dass wir heute nicht wirklich gut gespielt haben», wie es Mittelfeld-König Ousmane Doumbia formulierte.

«Aber diese Mannschaft hat eben Charakter», fügte er bei. So darf man nach Siegen dieser Art durchaus sagen. Torschütze Sliskovic wies darauf hin, «dass wir anfangs schwere Beine hatten. Und der Gegner war auch ein typischer Aufsteiger, der nichts zu verlieren hatte und unbeschwert aufspielte.»

Lattenschuss von Buess

Es musste jedem klar sein, dass Auftritte dieses spielerischen Zuschnitts keineswegs immer zu einem Sieg reichen. Über die ganzen 96 Minuten gesehen, bekam der FCW nie die Sicherheit und Ruhe in seinen Vortrag. Es kämpfte jeder, aber ebenso hatte jeder einzelne Unsicherheiten bis gefährliche Ballverluste – bis hin zu Doumbia, der doch wieder so wichtig war.

Am meisten Schwierigkeiten hatte, vor allem in der Anfangsphase, Wild. Er stand auch am Ursprung des Gegentores, das Parapar dann mit einem – zugegeben – brillanten 20-m-Schuss in die weitere hohe Ecke erzielte. Von den Verteidigern erreichte Isik den besten Durchschnitt, sein Partner Mario Bühler wurde mit seiner Kopfballstärke wichtig, als es in der Schlussphase darum ging, die vielen hohen Bälle wegzubringen. Die Doppelsechs war nicht so gut wie zuletzt, aber immer noch ordentlich.

Allerdings eher dank Doumbia, denn Gjelbrim Taipi zeigte nicht immer die in seiner Rolle nötige Ballsicherheit. Mal gut, dann wieder weniger – das galt auch für die Flügelmänner Nuno und Radice; das galt für Roman Buess, der als Sturmspitze relativ wenig im Spiel war. Seine stärkste Szene: Nach einer halben Stunde streifte sein ausgezeichneter 24-m-Schuss die Torlatte.

Spiegels wichtige Parade

Eine diskussionslos bedeutsame Rolle spielte der hinterste Winterthurer. Sehr viel hatte Raphael Spiegel nicht zu halten, aber wie er kurz nach der Pause einen Ball Mohammed Amdounis aus wenigen Meter abwehrte – das war Klasse. Er verhinderte so das 2:0, er hielt seine Mannschaft im Spiel.

Die Waadtländer hatten insofern ein bisschen Pech, als ihr wirkungsvollster, vor allem aber unangenehmster Offensivspieler, Andrea Mutombo, schon nach einer halben Stunde verletzt vom Platz musste. Sein Stellvertreter war dann, in ungewohnt offensiver Rolle, nicht ganz so gut. Es war Karim Gazzetta, der immerhin seine alten Kameraden vom FCW wieder mal sah.

Dass die Waadtländer hinterher etwas mehr über den Schiedsrichter sprachen als die Winterthurer, lag in der Natur der Sache: Sie hatten verloren. In Tat und Wahrheit war es so, dass Horisberger eine miserable Vorstellung ablieferte. Mal gegen die einen, mal gegen die andern.

Und FCW-Sportchef Oliver Kaiser brachte auf den Punkt, was in solchen Fällen zu sagen ist: «Das Wichtigste ist der Sieg – und dass wir das Spiel noch gekehrt haben.» Dieser FCW kann also nicht nur – an guten Tagen – gut spielen. Er kann – an schwächeren – auch kämpfen.

Erstellt: 30.07.2019, 22:40 Uhr

Cavars Abgang definitiv

Der 20-jährige Zürcher Innenverteidiger Marin Cavar ist definitiv kein FCW-Spieler mehr. Gestern wurden die letzten Details seines Transfers von Winterthur zum italienischen Serie-A-Absteiger Chievo Verona geregelt. Cavar ging mit den Italienern einen längerfristigen Vertrag ein, der FCW wird mit einer Ablösesumme entschädigt. Bevor Cavar in Italien spielen kann, muss er allerdings erst einen Kreuzbandriss ausheilen, den er im zweitletzten Vorbereitungsspiel gegen den VfB Stuttgart erlitt. Er war im Frühjahr zu seinen ersten acht Einsätzen in der Challenge League gekommen, gegen den FC Aarau schoss er gar ein Tor. (hjs)

Challenge League

Stade Lausanne-Ouchy – FC Winterthur 1:2 (1:0)

Colovray, Nyon. – 450 Zuschauer. – SR Horisberger. – Tore: 9. Parapat 1:0. 61. Sliskovic (Foulpenalty) 1:1. 77. Sliskovic 1:2. – SLO: Guedes; Danner, Manière, Matri, Tavares; Parapat (63. Eleouet), Perrier (54. Laugeois), Gaillard, Amdouni (56. Ngondo); Mutombo (30. Gazzetta); Lahiouel. – FCW: Spiegel; von Niederhäusern, Isik, Bühler, Wild; Doumbia, Taipi (88. Schmid); Radice (72. Saliji), Sliskovic, Nuno Da Silva (70. Bdarney); Buess. – Bemerkungen: Nyon ohne Delley (nicht im Aufgebot); Mutombo verletzt ausgeschieden. – FCW ohne Lekaj, Schättin, Hmdiu, Roth. Callà (verletzt) und Hajrovic (gesundheitlich indisponiert); Bdarney nach seiner Einwechslung zentral, Sliskovic rechts im offensiven Mittelfeld; nach Radices Auswechslung Doumbia Captain. – 43. Kopfball Amdounis an den Innenpfosten. – Verwarnungen: 25. Parapat (Foul). 66. Radice («Foul»). 77. Manière (Reklamieren).

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