Energieprojekt

Stadtwerk-Fonds kommt auch Coca-Cola zu Gute

Der Klimafonds von Stadtwerk unterstützte die Firma Climeworks, welche CO2 aus der Luft säubern will. Mittlerweile erhält die Zürcher Firma internationale Aufmerksamkeit.

Die Filteranlage von «Climeworks» in Hinwil gewinnt Kohlendioxid aus der Umgebungsluft, das industriell genutzt werden kann. Foto: pd

Die Filteranlage von «Climeworks» in Hinwil gewinnt Kohlendioxid aus der Umgebungsluft, das industriell genutzt werden kann. Foto: pd

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Das Zürcher ETH-Spin-Off «Climeworks» hat ein ambitiöses Ziel: den Klimawandel stoppen. Wie das gehen soll? Die Forscher wollen CO2 aus der Luft filtern. In Hinwil, auf dem Dach der Kehrichtverwertung, steht bereits seit längerem ein Testapparat. Unterstützung erhielt Climeworks letzten Sommer unter anderem aus Winterthur. Der Klimafonds von Stadtwerk unterstützte die Forschenden mit 100'000 Franken. Der Fonds speist sich aus freiwilligen Gönnerbeiträgen der Winterthurer Stromkunden.

Mit dem Geld trieb Climeworks den praktischen Aspekt seiner Forschung voran: Wie das aus der Luft gewonnene CO2 sinnvoll genutzt werden kann. Der Plan war schon damals, unter anderem Getränkehersteller mit gereinigtem CO2 beliefern zu können. Das schädliche CO2 verschwindet in einem solchen Fall also nicht einfach aus der Welt, es wird aber in eine Art Kreislauf gebracht und es soll im besten Fall kein neues Treibhausgas entstehen müssen. Der Klimafonds unterstützte finanziell die dafür nötigen Gasanalysen.

Und mit dem Geld ist man nun offenbar weiter gekommen. Unter geringer medialer Beachtung gab Coca-Cola Schweiz im Dezember bekannt, mit Climeworks zusammenzuarbeiten. Das eingefangene CO2 soll als erstes im von Coca-Cola aufgekauften Valser-Mineralwasser sprudeln. Auf Anfrage heisst es beim Climeworks, kaufbare Valser-Produkte seien noch im laufenden Quartal in den Läden zu erwarten. Nun komme die dank Stadtwerk mögliche Forschung zu ihrer praktischen Anwendung.

Widerspruch zu Stadtwerk-Kriterien?

Laut Climeworks war die Zusammenarbeit mit Coca-Cola schon geplant, bevor man das Klimageld aus Winterthur erhalten hat. Was sagt Stadtwerk dazu, dass Gelder seiner Gebührenzahler nun dem Grosskonzern Coca-Cola zu Gute kommen? Sprecher Tobias Nussbaum begrüsst die Zusammenarbeit: «Für den Klimafonds ist es immer ein Erfolg, wenn für ein unterstütztes Projekt auch eine praktische Anwendung gefunden werden kann.» Von einem geschlossenen CO2-Kreislauf bei den Getränkeherstellern profitiere «die Gesellschaft als ganzes.» Und der Klimafonds verfolge unter anderem das Ziel, Projekte zur CO2-Reduktion zu fördern.

Nussbaum hält aber auch fest, dass die Geldvergabe vom letzten Sommer nichts mit dem Valser-Deal zu tun habe. Der Klimafonds habe einzig den Wissensaufbau für die Gasanalyse unterstützt. Deshalb widerspreche die Unterstützung auch nicht dem von Stadtwerk selber formulierten Eignungskriterium, das besagt: «Ohne den Klimafonds könnte das Projekt nicht umgesetzt werden.» Zudem sei kein weiteres Klimafonds-Geld für Climeworks eingeplant.

Nach Artikel «überflutet»

Das Geld dürfte das Unternehmen, welches mittlerweile 65 Personen beschäftigt, nun auch nicht mehr nötig haben. Denn erstens weist Climeworks mittlerweile ein Investitionskapital von rund 50 Millionen Franken auf. Und zweitens nimmt die internationale Aufmerksamkeit derzeit, nicht nur wegen dem Coca-Cola-Deal, zu.

Diesen Dienstag berichtete das renommierte «New York Times Magazine» in einem ausführlichen Artikel über die beiden Firmengründer Christoph Gebald und Jan Wurzbacher und ihre CO2-Saugapparate in Hinwil. Der Titel: «The Tiny Swiss Company That Thinks It Can Help Stop Climate Change». Der Artikel blieb nicht ohne Wirkung, laut der Presseabteilung wird Climeworks dieser Tage «von Medienanfragen überflutet». (Der Landbote)

Erstellt: 14.02.2019, 09:08 Uhr

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