Untertor

Stapi versus Stapi: Matchbericht aus dem Untertor

Die Stadtpräsidenten von Winterthur und Frauenfeld lieferten sich am Samstag im Untertor ein ausgeglichenes Rededuell, das der Thurgauer in der Nachspielzeit für sich entscheiden konnte.

Lockerer Schlagabtausch: Anders Stokholm und Michael Künzle nahmen sich am Thurgauer Herbstmarkt trotz offener Sympathie aufs Korn.

Lockerer Schlagabtausch: Anders Stokholm und Michael Künzle nahmen sich am Thurgauer Herbstmarkt trotz offener Sympathie aufs Korn. Bild: Marc Dahinden

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Die erste Pointe konnte Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) verbuchen, allerdings unfreiwillig: «Guten Morgen», begrüsste er die rund 50 Schaulustigen, die sich am Samstag am Thurgauer Herbstmarkt am Untertor versammelt hatten, um ihm beim verbalen Schlagabtausch mit seinem Frauenfelder Amtskollegen Anders Stokholm zuzuschauen.

Es war ein präsidiales, ein einladendes «Guten Morgen» von Künzle, nichts falsch mit der Geste. Ausser, dass die Uhr bald zwei schlagen würde. Die Menge lachte und einer witzelte halblaut unter dem Regenschirm hervor: «Der hat doch noch einen Jetlag.»

Miteinander warm geworden

Tatsächlich war Künzle erst am Tag zuvor aus San Francisco zurückgekehrt. Dort, erzählte er am Untertor, habe er eigentlich dasselbe gemacht wie hier mit dem Kanton Thurgau im kleinen Rahmen: «Wir haben uns ausgetauscht, uns gegenseitig unsere Bedürfnisse geschildert und geschaut, was wir voneinander lernen können.» Der freundschaft­liche Ton blieb nicht unerwidert. «Wir sind sehr eng», bestätigte Stokholm. Ausgerechnet die Affäre um den Frauenfelder Wärmering habe die Spitzen der beiden Städte einander nähergebracht.

Trotz offenkundiger Sympathie liessen sich die beiden auch auf die Spielanlage ein. Im Sport sei Frauenfeld Winterthur eine Nasenlänge voraus, eröffnete Stokholm das Duell, redete von der Turnfabrik für Turner und dem Beachhouse für Beachvolleyballer und vom alljährlichen Waffenlauf. «Es wäre schön, Mike, wenn wir den einmal miteinander machen könnten.»

Stapis vergleichen ihre Städte

Künzle entgegnete, mit dem Sportzentrum Win4 habe Winterthur nichts weniger als ein zweites Magglingen zu bieten, er zählte die Winterthurer Sportklubs auf und sagte: «Anders, du trägst ja selber einen FCW-Schal.» Ausserdem solle man ihn in Sachen Waffenläufe nicht unterschätzen. «Ich habe auch schon so manchen Waffenlauf gemacht.»

«Ich bin nicht breiter, ich bin schwerer, ich bin der politisch Schwergewichtigere.»Michael Künzle

Der Unterhaltungswert variierte freilich. Einige der Fragen, die der humorig auftretende Moderator Hugo E. Götz stellte, mündeten in langen Aufzählungen, bei denen sich das nasskalte Wetter beim Publikum in Erinnerung rief. Einen guten Moment hatten alle, als es um den politischen Stellenwert der Städte ging. Frauenfeld ist Kantonshauptstadt, Winterthur nicht, lautete die banale Feststellung. Und Götz witzelte: «Bei Kantonshauptstadt ist Künzle zusammengezuckt.» Das stimme schon, entgegnete dieser. «Wir sind nicht Kantonshauptstadt und trotzdem 4,5-mal so gross wie Frauenfeld.» Ja, sogar grösser als einige Kleinkantone sei Winterthur, habe in Bern leider aber viel weniger Gewicht.

Zusammen die Zehn

Was denn von der Idee eines gemeinsamen Kantons mit Winterthur und Frauenfeld zu halten sei, fragte Götz. «Da wüsste ich jetzt nicht, was Anders machen würde», meinte Künzle. «Davon wäre ich ja der Stadtpräsident.» Einen rasanten Wortwechsel ergab auch die Frage, wer von den beiden mehr Format habe. «Stokholm ist länger, Sie sind breiter», so Götz zu Künzle. Dieser gab zurück: «Ich bin nicht breiter, ich bin schwerer, ich bin der politisch Schwergewichtigere.» Stokholm darauf subtil: «Ich hätte gesagt, zusammen sind wir eine Zehn.»

Nach 30 Minuten endete die Begegnung unentschieden und mit dem Eindruck, dass der Winterthurer und der Frauenfelder Stadtpräsident einen guten Draht zueinander haben. Urs Schoch, der das Duell namens der Untertor-Vereinigung für den Thurgauer Herbstmarkt organisiert hatte, bedankte sich bei den Mitwirkenden und den Jodlergruppen, die den Anlass musikalisch umrahmten. Dann brach die Nachspielzeit an und Stokholm entschied das Duell doch noch für sich. Während Künzle sein Saxofon daheim gelassen hatte, hatte der Frauen­felder sein Alphorn dabei und stimmte ein Ständchen an.

(Der Landbote)

Erstellt: 28.10.2018, 16:47 Uhr

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