Challenge League

Und wieder glückt dem FCW die Reaktion

Zum dritten Mal in dieser Saison siegte der FCW nach einer schwachen Leistung und einer Niederlage mit einem Sieg. Dem Heim-0:3 gegen Wil liess er ein 2:0 in Chiasso folgen.

Ousmane Doumbia (Mitte) attackiert Chiassos Siyar Doldur.

Ousmane Doumbia (Mitte) attackiert Chiassos Siyar Doldur. Bild: Chiara Zocchetti

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Es war ein Sieg gegen den Tabellenletzten aus Chiasso, was man als Pflicht für eine Mannschaft wie den FCW sehen muss. Allein, wer drei Tage vorher so enttäuschend aufgetreten ist wie die Winterthurer, wer sich gar mangelnde Einstellung vorwerfen lassen musste, der ist selbst nach einem Sieg wie diesem eben gegen den Letzten speziell erleichtert. Und er sieht die Welt wieder wesentlich optimistischer. Das ist dem FCW und seinem Trainer auch zu gönnen. Aber keiner darf nach diesem Dreier im Schweizer Süden vergessen, dass er noch kein Nachweis für Konstanz war. Den zu liefern ist der FCW am Freitag im Heimspiel gegen den FC Schaffhausen gefordert. Klar ist, dass der Sieg verdient war. Nach einer zähen ersten Halbzeit, die kaum ein spielerisches Moment hatte, kamen die Winterthurer besser ins Spiel. Vor der Pause war der FCW zwar nie in Gefahr geraten, offensiv aber auch nicht über zwei, drei gute Ansätze hinausgekommen. Mal war es Luca Radice, mal Granit Lekaj, der aus guter Position zu keinem guten Abschluss fähig war. Die Tessiner waren nicht mal zu Aktionen dieser Art fähig, das 0:0 nach 45 Minuten war logisch.

Eigentor und Radice

Später allerdings war dann besser zu erkennen, dass der FCW die bessere Mannschaft ist als dieser FC Chiasso, dessen bekanntester Spieler ja noch immer auf seinen ersten Einsatz im Tessin wartet. Philippe Senderos sass nämlich auf der Tribüne. 45 Minuten lang musste man noch feststellen, dass die Winterthurer verunsichert wirkten – was sie sich mit der Vorstellung gegen Wil aber auch selbst eingebrockt hatten. Danach wurden sie zupackender und auch bald belohnt.

Beim 0:1 in der 56. Minute half auch der Gegner mit. Nach einem zu kurz abgewehrten Freistoss flankte Luca Sliskovic von der linken Seite, und vor dem Tor stand keiner seiner Kollegen, sondern der Tessiner Innenverteidiger Ivan Lurati, um etwas aus dem Ball zu machen. Er lenkte ihn nämlich ins eigene Tor. Das war eigentlich schon die Entscheidung, denn die Winterthurer wurden nun selbstsicherer, und die Tessiner haben offensichtlich nicht die Qualität, ein Abwehr wirklich unter Druck zu setzen – wenn sie so konzentriert und diszipliniert spielt wie jene des FCW an diesem Abend. In 90 Minuten brachte es Chiasso nur auf eine nennenswerte Offensivszene. In der 65. Minute musste Winterthurers Torhüter Raphael Spiegel einen Kopfball halten. Der flog zwar aus wenigen Metern auf ihn zu, aber er war unplatziert. Dem 0:2 entgingen die Tessiner noch, als ein Schuss Radices die Latte streifte und, gleich danach, ein 20-m-Freistoss Sliskovics vom Torhüter brillant aus dem Lattenkreuz geholt wurde. Die 77. Minute brachte dem FCW dann das zweite Tor, das ihn endgültig beruhigte. Nuno Da Silva setzte sich gegen Lurati so energisch ein, dass er den Ball erwischte, obwohl ihn der Gegner ziemlich brutal traf. Nuno musste danach mit einer «Tomate» im Oberschenkel raus, aber da hatte Remo Buess den Ball zu Radice weitergeleitet und der die Chance kühl zum erfolgreichen Abschluss genutzt.

«Dieser Sieg ist sehr wichtig»

Anas Mahamid hätte später noch das dritte Tor machen müssen. Den Sieg gefährdet hat dieses Defizit auch nicht. Und Trainer Loose konnte hinterher, auffallend gut gelaunt, sagen: «Wir haben gut gekämpft, haben uns in die Zweikämpfe gebissen, und wir haben eine grossartige Moral gezeigt.» So redet halt einer, den eine Niederlage wie diese gegen Wil natürlich auch angegriffen hatte. Schliesslich lobte der Trainer auch «die Ordnung, die zu 90 Prozent passte».

Loose hatte die Mannschaft im Vergleich zum Fehltritt gegen Wil etwa so umgestellt, wie zu erwarten gewesen war. Den Linksverteidiger gab Tobias Schättin und nicht Enrique Wild, in der Dreierreihe hinter Buess standen Radice, Sliskovic und Nuno Da Silva. Sliskovic stand wieder in der Mitte, anstelle Gjelbrim Taipis. Auf den Flügeln standen Radice und Da Silva, seinen Startplatz verloren hat, wie Taipi, also auch Mahamid.

Nuno brachte Schnelligkeit

Von den «Neuen» machte Schättin einen vor allem defensiv guten Match. Radice hatte mit dem Tor endlich mal wieder einen bedeutenden Moment in dieser Saison – allerdings nach einem betont zähen Anlauf. Und Nuno war ein Gewinn, er bringt mehr Schnelligkeit ins Winterthurer spielt. In der zweiten Halbzeit erschien auch ein anderer wieder, der seinen ursprünglichen Stammplatz zuletzt verloren hatte. Nils von Niederhäusern kam als Rechtsverteidiger für Gabriel Isik, der erneut einen mageren Match machte und sich auch noch verwarnen liess. Von Niederhäusern spielte dann 45 Minuten defensiv diszipliniert.

Über 90 Minuten gut waren die beiden Innenverteidiger, die damit wesentlich dazu beitrugen, dass kaum je etwas passieren konnte. Im Zentrum arbeitete Lekaj gut, aber wieder nicht frei vom einen oder andern Fehlpass. Ousmane Doumbia war zwar noch nicht wieder der Doumbia der besten Tage und doch einer der stärksten Spieler auf dem Platz.

Am Freitag gegen Schaffhausen

«In der ersten Halbzeit wars mühsam, danach aber kamen wir gut ins Spiel, und der Sieg ist verdient,» so lieferte von den Spielern Sliskovic die Sicht der Dinge, die doch als allgemeingültig sehen kann. Der Trainer, «der ohnehin immer zuerst in der Tabelle nach hinten schaut», wie er sagte, kann jetzt wieder etwas beruhigter dorthin blicken. Die Reserve auf den Letzten beträgt nun wieder sieben Punkte, die Anzeichen, der FCW sei doch keine schlechte Mannschaft, sind wieder deutlicher. Aber noch fehlt der Nachweis, die Mannschaft sei zu der Konstanz fähig, die von ihr zu erwarten sein muss.

Immerhin, auf das Debakel gegen Will hat sie nun mit einem Auswärtssieg reagiert. Sie hat fürs Erste den Kopf aus der Schlinge gezogen wie schon mit dem 1:0 in Vaduz nach dem 0:6 gegen Lausanne und dem Cupsieg gegen St. Gallen nach dem 2:3 in Kriens. Sie hat also weiterhin nie zweimal in Folge verloren. Aber war sie auch noch nicht hat: in der Liga zweimal hintereinander gewonnen. Das also wäre dann der Auftrag am Freitag gegen den Nachbarn aus Schaffhausen.

Erstellt: 24.09.2019, 22:42 Uhr

Challenge League

FC Chiasso – FC Winterthur 0:2 (0:0)

Riva IV. – 600 Zuschauer. – SR Turkes. – Tor: 56. Lurati (Eigentor) 0:1. 77. Radice 0:2. – Chiasso: Guarnone; Epitaux, Lurati, Martignoni (75. Huser), Gamarra (86. Hadzi); Pugliese; Bahloul (65. Padula), Hajrizi, Doldur; Kryeziu (57. Rossi), Bnou Marzouk. – FCW: Spiegel; Isik (46. von Niederhäusern), Bühler, Hajrovic, Schättin; Doumbia, Lekaj (89. Hamdiu); Radice, Sliskovic (87. Bdarney), Nuno Da Silva (78. Mahamid); Buess. – Bemerkungen: Chiasso ohne Torhüter Bellante, Dixon, Pollero (verletzt), Senderos, Conus, Wolf, Blasucci und Faccin (nicht im Aufgebot); nach Martignonis verletzungsbedingtem Ausscheiden Hajrizi in der Abwehr, Huser im Mittelfeld. – FCW ohne Callà (im Aufbau), Saliji, Liechti und Saliji (verletzt); Nuno Da Silva verletzt ausgeschieden. – 73. Lattenschuss Radices. – Verwarnungen: 29. Epitaux (Foul). 38. Isik (Foul). 51. Lekaj (Foul). 72. Gamarra (Foul). 78. Lurati (grobes Foul). 93. Hajziri (Foul).

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