Hettlingen

Viele Kinder warten auf einen Platz

Schon seit Jahren besteht in Hettlingen ein Mangel an Kinderbetreuungsplätzen. Der Gemeinderat will ein Gesamtkonzept. Eine kurzfristige Lösung ist aber nicht in Sicht.

Martina Vogt, Leiterin der Kita Lundy in Hettlingen, meldet schon seit Jahren Bedarf für eine zweite Kita-Gruppe an.

Martina Vogt, Leiterin der Kita Lundy in Hettlingen, meldet schon seit Jahren Bedarf für eine zweite Kita-Gruppe an. Bild: Marc Dahinden

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«Wir führen schon seit ungefähr sechs Jahren eine Warteliste», sagt Martina Vogt von der Kindertagesstätte Kita Lundy in Hettlingen. Vor allem dienstags und donnerstags sowie manchmal auch montags herrscht Platzmangel. Vogt leitet die Kita Lundy, seit sie vor elf Jahren ins Leben gerufen wurde. Sie weiss über Nachfrage und Angebot in Sachen Betreuungsplätzen Bescheid. «Wir sagen schon lange, dass wir eine zweite Gruppe eröffnen möchten.» Der Gemeinderat zeige sich sehr wohlwollend, doch bis heute habe er der Kita auf der Suche nach mehr Platz nicht helfen können.

«Familien zügeln entweder weg oder sie suchen einen Kita-Platz in der Umgebung.»Martina Vogt

Die Kita Lundy verfügt über 13 bewilligte Plätze pro Tag. 42 Kinder nehmen diese über die Woche verteilt in Anspruch. Manche für einen Tag, andere während mehreren Tagen.

Manche zügeln deshalb weg

Im Schnitt zehn Familien pro Jahr finden laut Vogt keinen Betreuungsplatz. Die Konsequenz: «Sie zügeln dann entweder weg oder sie suchen einen Kita-Platz in der Umgebung.» Die Kita sei auch Auskunftsstelle für Familien, die nach Hettlingen ziehen möchten, dies aber von einem Krippenplatz abhängig machen.

«Am Spitzentag Donnerstag weisen Hort und Mittagstisch zusammen eine Warteliste von acht Kindern auf.»Martina Vogt

Platzmangel herrscht auch bei den Tagesstrukturen der Schule, wie Schulpräsident Markus Nef sagt: «Am Spitzentag Donnerstag weisen Hort und Mittagstisch zusammen eine Warteliste von acht Kindern auf.» Am schwächsten Tag, dem Mittwoch, gebe es noch Platz für 41 Kinder. Mittagstisch inklusive Hort bieten zusammen 55 Plätze an.

Ein erster Anlauf, für die schulergänzende Betreuung mehr Platz zu schaffen, war wieder abgeblasen worden. Den dafür eingestellten Budgetposten von rund einer Viertelmillion Franken strich die Behörde wieder, da die Erweiterung auf Kosten des Raumes in der Primarschule gegangen wäre, die auch nur begrenzt Platz hat.

Kritik per Leserbrief

Als sich weiterhin keine Lösung abzeichnete, erschien im März ein Leserbrief in der Hettlinger Zytig. Er war von 53 Personen unterzeichnet, darunter auch Martina Vogt. In ein neues Gemeindezentrum, eine Buswendeschlaufe und ins Weinlandfest werde investiert, nicht aber in die Infrastruktur für Kinder, kritisierten die 53 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, darunter viele Ehepaare. Der Gemeinderat solle sich endlich zu einer kinderfreundlichen Politik bekennen. Der Ausbau der Tagesstrukturen und der vorschulischen Kinderbetreuung sei überfällig. Aus der Autorenschaft des Leserbriefes hat sich inzwischen die Interessengemeinschaft ProHettlingen gebildet.

Der Gemeinderat schreibt im aktuellen Verhandlungsbericht, die Gemeinde sei sich bewusst, dass sie ein bedarfsgerechtes Angebot an familienergänzender Betreuung zur Verfügung stellen müsse. Man strebe «eine allgemeinverträgliche, tragbare und verhältnismässige Lösung» an. Konkret hat die Exekutive der Einheitsgemeinde 57 000 Franken für die Erarbeitung eines Gesamtkonzeptes für Kita und Tagesstrukturen bewilligt.

Eine Steuergruppe mit Personen aus Behörde, Primarschule, Tagesstrukturen, Kita, Verwaltung und der IG ProHettlingen soll nun in Begleitung des Zürcher Planungsunternehmens Basler & Hofmann kurz- und langfristige Lösungen erarbeiten. Der Schlussbericht wird im Herbst erwartet. (Landbote)

Erstellt: 17.05.2019, 17:58 Uhr

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