Bassersdorf

Wachstumswehen bremsen Bassersdorfer Bauplanung

Das Verdikt gegen Hochhäuser und riesige Einzonungen im Bahnhofgebiet ist überdeutlich: Mehr als zwei Drittel von über 450 Bassersdorfern haben an der Gemeinde- versammlung einer entsprechenden Initiative zugestimmt.

Initiant Fabian Moser verleiht der Forderung vieler Bassersdorfer nach einer Umfahrung Nachdruck. Er zeigt im Gebiet, das nun eben nicht eingezont wird, wo eine Dorfumfahrung seit 40 Jahren unter dem Bahnviadukt vorgespurt wäre.

Initiant Fabian Moser verleiht der Forderung vieler Bassersdorfer nach einer Umfahrung Nachdruck. Er zeigt im Gebiet, das nun eben nicht eingezont wird, wo eine Dorfumfahrung seit 40 Jahren unter dem Bahnviadukt vorgespurt wäre. Bild: Leo Wyden

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So viele Leute wie am Donnerstagabend hat eine Bassersdorfer Gemeindeversammlung schon lange nicht mehr angelockt. Und es war allen klar, dass nicht das Budget Grund für das Erscheinen von 457 Stimmberechtigten (6,4 Prozent) war. Gemeindepräsidentin Doris Meier (FDP) liess zur Begrüssung daher einen gewissen Schalk durchblicken. «Ich habe wirklich Freude, dass sich so viele Leute um unser Budget Sorgen machen», meinte sie und erntete prompt einige Lacher.

Das grosse Interesse der Versammlungsteilnehmer galt dem Thema Wachstum und bauliche Entwicklung. Im Fokus stand nämlich eine private Initiative, die neue Hochhäuser sowie eine grosse Baulandeinzonung am Bahnhof verhindern sollte.

Nach eineinhalb Stunden lebhaften Debattierens sorgte ein Ordnungsantrag aus dem Plenum für ein vorzeitiges Ende der Diskussion. Die Auszählung der Stimmen brachte zum Ausdruck, was sich anhand der Voten abgezeichnet hatte. Mit 289 zu 136 Stimmen wurde der Forderung nach einem Verzicht auf Hochhäuser zugestimmt. Und sogar mit 294 zu 127 sprachen sich die Bassersdorfer gegen die Einzonung von rund 14 Hektaren Landwirtschaftsland in Bauland aus.

Initiant will Dorf mit einem «Marschhalt» schützen

Der 39-jährige Initiant Fabian Moser hatte zuvor an das zwischenzeitlich rasante Bevölkerungswachstum in der Gemeinde erinnert. In den sogenannten Nullerjahren nach der Jahrtausendwende erreichte Basserdorf gar die prozentual höchsten Zuwachsraten im ganzen Kanton und übertraf 2007 auch die 10 000-Einwohner-Marke. Innert 20 Jahren sei die Gemeinde so um 70 Prozent angewachsen, gab Moser zu bedenken. «Ich will einen Marschhalt, wir müssen mal bremsen», befand er und warnte vor neuen Lasten und Kosten durch Infrastrukturbauten. Wenn im Gebiet ennet der Gleise direkt am Bahnhof je nach- dem 3000 bis zu 4000 Einwohner neu angesiedelt würden, brauche es wohl ein weiteres Schulhaus. Ein solches haben die Bassersdorfer jedoch eben erst für rund 30 Millionen eingeweiht im Neubauquartier Chrüzacher.

Der 39-Jährige, der Mitglied der lokalen SVP ist, räumte aber auch ein: «Ich will nicht die ganze bauliche Entwicklung komplett blockieren. Wir können das auch jederzeit wieder umkehren.» Und ein Ja zu seiner Initiative bedeute ja nicht, dass man in der Gemeinde nichts mehr bauen könne.

Gemeindepräsidentin spricht von einem «Denkverbot»

Eine Annahme der Initiative komme einem «Denkverbot» gleich, warnte Gemeindepräsidentin Doris Meier, unterstützt von FDP, SP und der örtlichen GLP, die sich im Gründungsprozess befindet. Aber sie drang nicht durch. Zu stark scheinen die Wachstumswehen der letzten Jahre nachzuwirken, welche sich unter weiten Teilen der Bevölkerung bemerkbar machen.

«Das Verdikt ist klar, ich bin froh um die deutliche Entscheidung», meinte die studierte Architektin Meier nach der Versammlung gefasst. Ist sie nicht enttäuscht? «Ja, schon», meinte sie, «es ist anders herausgekommen als erhofft. Nun starten wir mit der Planungskommission mit den Arbeiten.» Denn eines sei klar: «Die Revision der Bau- und Zonenordnung müssen wir ohnehin vornehmen.» Der Bau von Hochhäusern über 25 Metern ist aber definitiv vom Tisch und auch mittels eines Gestaltungsplans nicht umsetzbar in Bassersdorf. «Vielleicht wird das in 15 Jahren wieder anders sein und es kann dann wieder darüber nachgedacht werden.» Sie habe schon gespürt, dass «grosse Angst» da sei vor dem weiteren Wachstum. «Das kann ich teilweise auch begreifen», sagt die Gemeindepräsidentin.

Immer wieder wurde die Forderung laut, der Kanton solle doch bitte eine Umfahrung bauen, bevor er den Bassersdorfern weitere Lasten aufbürde mit neuem Wachstum. Dazu Meier: «Wir hätten gute Karten gehabt in Verhandlungen über eine Umfahrung, wenn wir dem Kanton auch etwas hätten bieten können, so wird es nun sicher schwierig werden.» Doch genau das – eine Umfahrung des Dorfes – erwarten Initiant Moser und viele seiner Unterstützer, darunter auch drei ehemalige Gemeinderäte. Einer davon, Bruno Muff (parteilos), der im Sommer zurücktrat, meinte: «Wir haben genug. Zuerst soll der Kanton uns etwas geben, bevor wir weiter einzonen.»

Das Bassersdorfer Budget 2019 steht. Darüber darf sich insbesondere der Finanzvorsteher Christoph Füllemann (parteilos) nach mehr als eineinhalbstündiger Debatte und etlichen Anträgen (Rückweisung, Kürzung, Streichung, Zusatzinfo in Steuerrechnung) freuen. Letztlich folgten die 457 Stimmberechtigten aber dem Antrag des Gemeinderats und bewilligten ein unverändertes Budget mit einem

Ertragsüberschuss von 372 000 Franken mit überwältigendem Mehr. Ein Antrag auf eine Senkung des Steuerfusses (109%) um 4 Prozentpunkte blieb nach deutlicher Warnung des Finanzvorstehers chancenlos. Das war nicht unbedingt absehbar. Füllemann musste nämlich Unschärfen und Fehler im aktuellen Voranschlag einräumen. Aber er konnte die Schwächen vor dem Hintergrund einer komplexen Systemumstellung auf HRM2, was auch in anderen Gemeinden zu Schwierigkeiten bei der Budgetierung führte, glaubhaft rechtfertigen. Die Rechnungsprüfungskommission (RPK) hatte in ihrem Bericht, der zuvor allerdings nur im Internet einsehbar war, auf die Fehler hingewiesen. RPK-Präsident Bernhard Dettwiler (EVP) gab sich dennoch versöhnlich, warnte aber vor der ansteigenden Verschuldung und dem Zinsrisiko angesichts des benötigten Fremdkapitals wegen der grossen Investitionen von 25 Millionen Franken im nächsten Jahr. Interessant: Obwohl Ausgabendisziplin und Beschränkung aufs Wesentliche propagiert wurde, beliess man 200 000 Franken für einen Ersatz der offenkundig ziemlich unbeliebten Weihnachtsbeleuchtung im Budget.

Erstellt: 15.12.2018, 09:57 Uhr

Steuerfusssenkung hat keine Chance

Das Bassersdorfer Budget 2019 steht. Darüber darf sich insbesondere der Finanzvorsteher Christoph Füllemann (parteilos) nach mehr als eineinhalbstündiger Debatte und etlichen Anträgen (Rückweisung, Kürzung, Streichung, Zusatzinfo in Steuerrechnung) freuen. Letztlich folgten die 457 Stimmberechtigten aber dem Antrag des Gemeinderats und bewilligten ein unverändertes Budget mit einem Ertragsüberschuss von 372 000 Franken mit überwältigendem Mehr.

Ein Antrag auf eine Senkung des Steuerfusses (109%) um 4 Prozentpunkte blieb nach deutlicher Warnung des Finanzvorstehers chancenlos. Das war nicht unbedingt absehbar. Füllemann musste nämlich Unschärfen und Fehler im aktuellen Voranschlag einräumen. Aber er konnte die Schwächen vor dem Hintergrund einer komplexen Systemumstellung auf HRM2, was auch in anderen Gemeinden zu Schwierigkeiten bei der Budgetierung führte, glaubhaft rechtfertigen. Die Rechnungsprüfungskommission (RPK) hatte in ihrem Bericht, der zuvor allerdings nur im Internet einsehbar war, auf die Fehler hingewiesen.

RPK-Präsident Bernhard Dettwiler (EVP) gab sich dennoch versöhnlich, warnte aber vor der ansteigenden Verschuldung und dem Zinsrisiko angesichts des benötigten Fremdkapitals wegen der grossen Investitionen von 25 Millionen Franken im nächsten Jahr. Interessant: Obwohl Ausgabendisziplin und Beschränkung aufs Wesentliche propagiert wurde, beliess man 200 000 Franken für einen Ersatz der offenkundig ziemlich unbeliebten Weihnachtsbeleuchtung im Budget.

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