Öffentlicher Verkehr

Warnende Schwarzfahrer sind für Stadtbus kein Problem

Auf Facebook warnen sich Gruppen vor Billettkontrollen, auch mit Handyfotos – ohne juristische Folgen.

Stadtbus ist seit einigen Jahren bekannt, dass sich Schwarzfahrer über Kontrollen austauschen und so versuchen, Bussen zu vermeiden.

Stadtbus ist seit einigen Jahren bekannt, dass sich Schwarzfahrer über Kontrollen austauschen und so versuchen, Bussen zu vermeiden. Bild: Marc Dahinden

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Es tönte stets ähnlich in der Facebook-Gruppe «Kontrollradar Winti-Bus», die schon vor mehreren Jahren gegründet wurde. «Zivis 5er Richtung HBF!», beispielsweise. Oder auch: «3 männr im 7nr richtig wü.»

In der auf öffentlich geschalteten Gruppe tauschten sich bis vor kurzem über 100 Personen über aktuelle Billettkontrollen im Winterthurer Stadtbus-Netz aus. Einen Eintrag gabs circa alle paar Tage. Aber sind diese Warnungen auch legal? Als der «Landbote» diese Woche die Seitenbetreiber kontaktieren wollte, kam keine Antwort zurück. Stattdessen wurde die Gruppe geschlossen, sie ist derzeit nicht mehr auffindbar.

Stadtbus bezweifelt Wirkung

Dabei zeigt eine Anfrage bei Stadtbus, dass das ÖV-Unternehmen die Seite schon seit Jahren kennt und nie juristische Schritte in Betracht gezogen hat. «Stadtbus erachtet den Austausch innerhalb der Gruppe als legal, da sich die Nutzer lediglich gegenseitig informieren», sagt Sprecherin Marlen Schellmann. Stadtbus kenne auch noch andere solcher Gruppen und das Phänomen sei seit einigen Jahren bekannt. Stadtbus bezweifelt auch, ob eine solche Warn-Gruppe tatsächlich Wirkung zeitigen kann: «Da die Kontrollteams sehr mobil und flexibel sind, ist ein Ausweichen aufgrund einer Warnung in einer Facebook-Gruppe nur schwer möglich», sagt Schellmann. Dennoch weist Stadtbus auf den volkswirtschaftlichen Schaden durch Schwarzfahren hin: Dem Zürcher Verkehrsverbund entgingen dadurch jährlich zwischen 30 und 40 Millionen Franken.

Die Aussagen decken sich mit jenen der nationalen Tariforganisation CH-direct. Juristische Schritte habe man bisher noch nie erwägt, es gebe im öffentlichen Verkehr auch kein Gesetz, welches solche Warnungen verbieten würde, heisst es bei der Zentrale in Bern. Dies im Gegensatz zum Strassenverkehr: Seit den Gesetzesänderungen im Rahmen von Via sicura steht im Strassenverkehrsgesetz: «Mit Busse wird bestraft, wer öffentlich vor Kontrollen im Strassenverkehr warnt.»

Fotos «nicht angenehm»

Allenfalls problematisch ist aber ein Teilaspekt der geschlossenen Facebook-Gruppe. Neben den Warnungen wurden immer wieder Bilder von Kontrolleuren gepostet, teils unscharf, teils aber auch gut aufgelöst und mit blumigen Beschreibungen der Frauen und Männer. Zu diesem Aspekt äussert sich die Postauto AG, denn von dort, und nicht von Stadtbus selber, kommen die Kontrolleure, die auf dem Winterthurer Netz aktiv sind.

«Das ist nicht angenehm für unsere Kolleginnen und Kollegen», heisst es bei der Medienstelle. «Wir sprechen diese Personen meist direkt an und bitten sie, das Filmen oder Fotografieren zu unterlassen.» Rechtliche Schritte habe man aber noch nie unternommen, es seien bisher auch keine negativen Folgen bekannt geworden.

Erstellt: 30.06.2019, 17:49 Uhr

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