TV-Kritik

Was Sie bei «Mini Schwiiz, dini Schwiiz» vielleicht verpasst haben

Ob man sie mochte oder nicht, die SRF-Sendung «Mini Schwiiz, dini Schwiiz» über Winterthur hat ein paar denkwürdige Momente hervorgebracht. Unser Highlight aus jeder der fünf Sendungen.

Wie das Logo gleicht auch die Sendung «Mini Schwiiz, dini Schwiiz» einer spontan zusammengebastelten Collage.

Wie das Logo gleicht auch die Sendung «Mini Schwiiz, dini Schwiiz» einer spontan zusammengebastelten Collage. Bild: Screenshot

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So viele Reaktionen erhalten wir selten. Nach der am Montag erschienenen Vorschau – um nicht zu sagen Kritik – zur SRF-Sendung «Mini Schwiiz, dini Schwiiz» gingen die ganze Woche über Briefe, E-Mails und Anrufe auf der Redaktion ein.

Die Meinungen hätten nicht unterschiedlicher sein können. Vom Verdacht, wir würden das Schweizer Fernsehen abgrundtief hassen, über Lob für den Mut, endlich die Wahrheit über diese dröge Sendung zu sagen, bis hin zur Aufforderung, wir möchten uns doch bitte Wesentlicherem zuwenden, gab es alle möglichen Rückmeldungen.

Wir haben die Debatte, die sich damit auftut, zum Anlass genommen, um uns die Sendung, die von der deutschen Firma ITV für SRF produziert wird, ganz genau anzuschauen. Wie erwartet, haben wir dabei wenig Neues über Winterthur erfahren und stiessen auch auf einiges, das die Geduld des gemeinen TV-Zuschauers arg strapaziert, wie sinnloses Herumstehen und Herumlaufen, Winken auf Kurzdistanz, endlose Begrüssungen, gegenseitiges Bewerten, wo es nichts zu bewerten gibt, und natürlich den schauerlich väterlichen Kommentar aus dem Off. Aber es gab auch einige freiwillige und unfreiwillige Glanzmomente. Hier unsere subjektiven Highlights nach Folgen.

1. Volltreffer

In der ersten Folge besuchte die Gruppe um Basil, Walter, Angela und Nicola angeführt von Tagesgastgeberin Zora die Schützenwiese und durfte auf dem heiligen Rasen mit FCW-Captain Davide Callà ein paar Bälle treten, wobei sich Nicola besonders hervortat. Sie schoss mit ihrem ersten Ballkontakt den Kameramann ab. Dann ereignete sich mutmasslich nichts mehr von Bedeutung auf dem Rasen.

2. Pflegeleicht

Die Sendung ist ein Fundus für weit hergeholte und oft nicht nachvollziehbare Anmoderationen. So blieb in der zweiten Folge ziemlich schleierhaft, was die Pfadizeit des Oberwinterthurer Tagesgastgebers Basil denn nun mit Erwin Schatzmann zu tun hat, den er mit der Truppe im Schlepptau besuchte. Hingegen bot der Winterthurer Holzbildhauer und selbst ernannte «Generator» eine denkbar raffinierte Überleitung. Er hielt eine Brandrede für die Bedeutung der Pflege, die gesamtgesellschaftlich unterschätzt werde, und drückte dann allen Besen und Rechen in die Hand, auf dass sie ihm die Werkstatt putzten. Die Runde lachte, Schatzmann lachte, und dank dem Generator hatte die eher statische Sendung ein paar Bewegtbilder mehr.

3. Märlistunde

Etwas boshaft könnte man sagen, «Mini Schwiiz, dini Schwiiz» sei auch eine Plattform für Leute, die sich gerne produzieren. Nachdem der Oberwinterthurer Basil tags zuvor im Schloss Hegi Theater gespielt hatte, setzte Angela als Gastgeberin der dritten Folge im Schloss Wülflingen zur Märchenstunde an. Hier hatte die Sendung für einen Moment jene Direktheit, die gute Reality-Formate auszeichnet. Als Angela, ganz in Grimm-Märchen-Trance, mit zum Megafon geformten Händen zum Ruf des Fischers ansetzte – «Manntje, Manntje, Timpe Te, Buttje, Buttje inne See» –, lohnte sich jedenfalls der Blick in die Gesichter der Besucher.

4. «Mark-äh-Mike»

Der kostenbewusste Ansatz der Produktionsfirma, die scheinbar kaum eine Szene zweimal dreht, ist fraglos eine Stolperfalle für die Mitwirkenden. So aber fällt fürs Publikum wenigstens ab und zu ein Happen «Entertainment» unter den Tisch. Wunderbar etwa, wie der Veltemer Walter seine Gäste in Folge vier im Dorfkern begrüsste und auf das Haus deutete, in dem er aufgewachsen ist. «Dann bist du ein richtiger Ur-Vältemer?», fragt Besucherin Zora und ergänzt, ganz auf die Fernsehzuschauer bedacht. «Sagt man Vältemer?» – Walter: «Nein, man sagt Välte.»

Gerade so die Kurve kriegte Walter ein paar Stunden später: Nachdem er den Veltemer Hausbesitzer Mike fälschlich als Mark begrüsst hatte, korrigiert er sich in seinem Vorstellungsvotum: «Das ist Mark-äh-Mike.» Dabei kam ihm zupass, dass Mike bereits begonnen hatte, sich selbst laut und deutlich vorzustellen, in einer der vielen Begrüssungsrunden dieser Sendung. Und klar, nach der Mark-Mike-Konfusion sagten alle umso schöner und deutlicher: «Hoi, Mike», «Hoi, Mike», «Sali, Mike».

5. Gutelauneschritt

Die letzte Folge förderte eine unerwartet selektive Phobie zutage: Walter, der auf der Kartbahn in Töss seine Runden im Stile und Tempo einer Märklin-Bahn drehte, räumte ein, er vertrage keine hohen Geschwindigkeiten, ausser als Beifahrer. So habe er keine Mühe gehabt, hinter seiner Frau auf dem Motorrad zu sitzen. Begonnen hatte der Tag in Töss mit einer Unterweisung im Gutelauneschritt. Ob die gute Laune bei der deutschen Gastgeberin und Wahltössemerin Nicola auch nach dem Voting anhielt, hätte man gerne noch gesehen.

Alle «Mini Schwiiz, dini Schwiiz»-Folgen über Winterthur finden Sie auf der Seite srf.ch/play/tv.

Erstellt: 15.02.2020, 00:30 Uhr

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