Flughafen

Wem gehört der Flughafen Zürich?

Der Flughafen Zürich wurde 2001 privatisiert. Nach einigen schwierigen Jahren zu Beginn kletterte der Wert der Aktien vor allem in den letzten fünf Jahren in die Höhe. Toll für die Aktionäre. Doch wer sind diese überhaupt?

Der Kanton und die Stadt Zürich besitzen zusammen fast 40 Prozent des Flughafens. Der Rest ist verteilt auf Tausende von Aktionären.

Der Kanton und die Stadt Zürich besitzen zusammen fast 40 Prozent des Flughafens. Der Rest ist verteilt auf Tausende von Aktionären. Bild: Florian Schaer

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Um sagenhafte 300 Prozent ist der Kurs der Flughafenaktie von 2011 bis 2016 gestiegen. Dies berechnete der «Tages Anzeiger» in einem Artikel von letzter Woche. Für die Stadt Zürich bedeutet das ein willkommener Geldsegen. Ohne Sparbemühungen konnte sie dadurch ihre Rechnung um fast 190 Millionen Franken verbessern. Denn die Stadt hält 5 Prozent des Aktienkapitals des Flughafens Zürich.

Sie hat von diesen 5 Prozent in den vergangenen Jahren gut profitiert. Die Dividenden spülten 2010 rund 2,3 Millionen Franken in die Stadtkasse, in den Jahren darauf waren es jährlich etwa 3 Millionen Franken. 2015 begann die Aktie einen rasanten Aufstieg, was dazu führte, dass die Dividendenausschüttung für das Jahr 2016 9,5 Millionen Franken betrug. Dieses Jahr werden es fast 10 Millionen Franken sein.

Der Kanton besitzt einen Drittel des Flughafens

Die Stadt Zürich dürfte sich also über ihre kostbaren Aktien auch dieses Jahr freuen. Dabei ist die Stadt Zürich allerdings längst nicht der grösste Aktionär. Am meisten Flughafenaktien besitzt nämlich der Kanton Zürich. Er hält – so ist es gesetzlich vorgeschrieben – ein Drittel plus eine aller Flughafenaktien. Und wird deshalb dieses Jahr rund 60 Millionen Franken an Dividenden einnehmen, wie der «Tages Anzeiger» weiter vorrechnet.

Angesichts dieser Zahlen stellt sich die Frage, wem der Flughafen überhaupt gehört. Und wer nur schon aufgrund seines Aktienbesitzes ein Interesse daran hat, dass der Kurs auch in Zukunft weiter bergauf geht.

«Die restlichen Aktien verteilen sich aktuell auf insgesamt 9500 eingetragene und zahlreiche nicht eingetragene Aktionäre», sagt Flughafenmediensprecherin Sonja Zöchling Stucki. Was einer etwa 100-seitigen Liste entspricht. Diese Liste ist allerdings nicht öffentlich. Und ist auch nicht vollständig. «Diese rund 9500 Aktionäre halten nur rund 50 Prozent des übrigen Aktienkapitals, während die andere Hälfte von Aktionären gehalten wird, die sich nicht im Aktienregister eingetragen haben», erklärt Zöchling Stucki.

Hinter dem Kanton Zürich, der einen Drittel des Flughafens besitzt, und der Stadt Zürich, die fünf Prozent besitzt, folgt also ein Sammelsurium an kleineren Aktionären. Gemäss der Website der Schweizer Börse besitzt davon aber keiner auch nur annähernd so viel wie die Stadt Zürich, die nächst grösseren besitzen Aktienpakete um die 3 Prozent. «3 Prozent Aktienanteil ist einer der Schwellenwerte für die börsenrechtliche Meldepflicht.

Es gibt immer wieder Aktionäre, deren Beteiliung um diesen Wert herum schwankt und somit mal über, mal unter 3 Prozent liegt», führt Zöchling Stucki aus. Doch auch diese Information vermag kein abschliessendes Bild zu vermitteln: Viele _ auch grössere – Aktionäre lassen sich nämlich nur auf die Generalversammlung hin ins Aktienregister eintragen – und auch nur wenn sie an den Abstimmungen teilnehmen wollen. Dort würden sie aber nie mit mehr als 5 Prozent ins Gewicht fallen. Denn die Statuten legen bei dieser Grenze die Limite der Stimmrechtsausübung fest – auch für Aktionäre, die theoretisch mehr als 5 Prozent der Aktien besitzen.

Menge der Aktien ist nur bedingt entscheidend

Deshalb existiert auch kein Gesetz, welches verhindern würde, dass jemand anderes als der Kanton oder die Stadt Zürich mehr als 5 Prozent der Aktien auf sich vereint. Denn bei der Stimmrechtsausübung würde er lediglich mit 5 Prozent zugelassen, auch wenn er mehr besässe.

Geht es um die tatsächliche Macht, welche ein Aktionär in Entscheidungen hinsichtlich des Flughafens ausüben kann, kommen aber noch ganz andere Fakoren ins Spiel. Sie bewirken dabei vor allem, dass der Kanton Zürich nebst dem Bund das Heft in der Hand hält. «So räumt die Flughafen Zürich AG dem Kanton Zürich in ihren Statuten das Recht ein, mehr als ein Drittel aller Mitglieder des Verwaltungsrates zu ernennen», erläutert Erich Wenzinger von der Volkswirtschaftsdirektion Zürich.

Und das Flughafengesetz gibt noch eine weitere wichtige Rahmenbedingung vor: Ohne Zustimmung des Vertreters des Staates im Verwaltungsrat – aktuell ist dies Regierungsrätin Carmen Walker Späh – kann der Flughafen keine Gesuche um Änderungen der Lage und Länge der Piste an den Bund überreichen. Und er kann auch keine Änderungen im Betriebsreglement weiterreichen, die eine wesentliche Fluglärmbelastung bewirken würden.

Die Frage, wem der Flughafen gehört, ist also im Detail schwer zu beantworten. Zöchling Stucki erklärt es so: «Der Flughafen Zürich gehört seinen breit gestreuten, tausenden von Aktionären.» Tatsächlich sind die Besitzverhältnisse allerdings auch nur beschränkt relevant. Wichtiger ist viel mehr die Frage: «Wer bestimmt über den Flughafen Zürich?» Denn dabei fallen weniger die Besitzverhältnisse ins Gewicht als vielmehr das Flughafengesetz, der Kantonsrat, der Regierungsrat – und vor allem der Bund, der in den letzten Jahren seinen Einfluss stärker als früher zur Geltung bringt. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 21.12.2017, 17:53 Uhr

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