Seuzach

Wo nicht mehr Gebrauchtes ein zweites Leben findet

Es wurde zwar mehr gebracht als geholt. Dennoch setzt der Hol- und Bringtag in Seuzach ein Zeichen gegen die Kultur des Wegwerfens.

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Portemonnaies braucht es am Hol- und Bringtag nicht. Man kann mit leeren Händen kommen und mit voller Tasche wieder nach Hause gehen. Umgekehrtes ist auch möglich: Man bringt etwas mit, sucht aber nichts und geht gleich zum kulinarischen Teil der Veranstaltung über, für den der Grill des Feuerwehrvereins sorgt.

Die Gemeinde ruft, und die Seuzacherinnen und Seuzacher kommen. Kurz vor Eröffnung der Tauschbörse bildet sich eine Schlange auf dem Vorplatz des Schwimmbades Weiher. Es ist der fünfte Anlass dieser Art in fünf Jahren. Veranstaltet wird der Hol- und Bringtag von der Gemeinde, genauer gesagt von der Arbeitsgruppe Energie und Umwelt unter Gemeinderat Hans-Peter Häderli (EVP). «Wir folgen damit einer Empfehlung des Energiestadt-Labels», sagt er.

Nähmaschine ist schnell weg

Da kommt ein Senior mit einer gepflegten Nähmaschine und einer Schachtel voller Fadenspulen und Zubehör an. Er schafft es damit aber nicht bis zum Ausstellungstisch. Eine Frau wirbt ihm das Gerät schon vorher ab. Sie nehme es für eine Freundin, die nicht so viel Geld habe, sagt sie mit einem Lächeln auf den Lippen. Die Nähmaschine habe seiner verstorbenen Frau gehört, erzählt der Mann. Hinter ihm konstatiert eine Besucherin: «Meine 12 Feldschlössli-Gläser sind alle schon weg, das ging aber schnell.» Sie trinke eben kaum Bier.

«Meine zwölf Feldschlössli-Gläser sind alle schon weg, das ging aber schnell.»eine Besucherin

Begehrt sind die Velos. Vier Stück hat es an diesem Samstag im Angebot. «Kaum sind sie da, sind sie auch schon wieder weg», sagt Rahel Küpfer, die seitens der Gemeindeverwaltung für diesen Anlass zuständig ist. Weiter vorne begutachtet ein Asylsuchender sein neues Zweirad.

Gut erhalten muss es sein

Seuzach hat Erfahrung mit dem Hol- und Bringtag. Jedes «Mitbringsel» wird an der Annahmestelle geprüft. Kaputtes wird nicht angenommen. Eine Frau bringt eine gut erhaltene Hunde-Reisetasche mit Fress- und Trinknapf. Nach sorgfältiger Begutachtung erhält sie grünes Licht für den Ausstellungstisch. Für gut befunden wird auch das Badezimmerschränkli, das ein Mann mitbringt.

Händler sind am Hol- und Bringtag nicht zugelassen. Die Tauschbörse richtet sich ausschliesslich an Privatpersonen und Bewohner von Seuzach. Ramsch und Verschmutztes wird nicht angenommen. Auch Autoteile, defekte Geräte, Kleider und Schuhe oder Sonderabfälle sind nicht zugelassen. Darüber wurde die Bevölkerung vorgängig in einem Flugblatt informiert.

Es bleibt viel übrig

«Der Hol- und Bringtag ist keine Entsorgungsaktion», sagt Gemeindepräsidentin Katharina Weibel (FDP), die an diesem Samstagvormittag mit von der Partie ist. Auch wenn mehr gebracht als mitgenommen werde. «Am Ende müssen wir dennoch vieles wegschmeissen», bedauert Bausekretärin Jacqueline Ringer. Die Brockenhäuser, die sie angeschrieben habe, hätten leider kein Interesse gezeigt.

«Am Ende müssen wir dennoch vieles wegschmeissen.»Jacqueline Ringer?
Bausekretärin der Gemeinde Seuzach

Gegen zwölf Uhr lichten sich die Reihen auf dem Tauschplatz, wo noch jede Menge Geschirr, Übertöpfe und Vasen, CDs und Bücher auf neue Besitzerinnen und Besitzer warten. Sie werden wohl auch am Ende der Veranstaltung um 14 Uhr noch dort stehen. Deshalb ist das Areal aber noch lange nicht entvölkert. Inzwischen sind viele Besucherinnen und Besucher zum geselligen Teil übergegangen. Bei Bratwurst, Bier oder anderen Getränken lässt man die Veranstaltung in der Festwirtschaft des Feuerwehrvereins ausklingen.

Ob die Gäste wohl bemerkt haben, dass auf dem Dach des Schwimmbadgebäudes der Energiestadt Seuzach seit kurzem brandneue Sonnenkollektoren thronen? (Der Landbote)

Erstellt: 14.04.2019, 16:29 Uhr

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