Winterthur

Zellen-Türe war laut Kantonspolizei «nicht korrekt verschlossen»

Der Mann, der im Juni in Winterthur aus einer Polizei-Zelle floh, wurde nun verurteilt.

Zellentüre war kein grosses Hindernis: Blick ins Innere des Verkehrsstützpunktes am Rosenberg. Foto: Madeleine Schoder

Zellentüre war kein grosses Hindernis: Blick ins Innere des Verkehrsstützpunktes am Rosenberg. Foto: Madeleine Schoder

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Es gibt Ausbrecher-Könige, die ihre Gefängniszelle spektakulär und nach langer Vorbereitungszeit verlassen. Und dann gibt es Flüchtige, die schlicht eine Gelegenheit zu nutzen wissen. Zu letzteren gehört auch jener Mann, der am Mittwochmorgen vor dem Winterthurer Bezirksgericht stand.

Er wurde im Juni im Stützpunkt der Kantonspolizei am Rosenberg in eine sogenannte Abstandszelle gesteckt. Zuvor hatten ihn die Beamten mitten in der Nacht in seinem Auto gestoppt, es bestand der Verdacht auf Drogenmissbrauch. In die Zelle kam er, nachdem er den Beamten bei der Blutabnahme im Kantonsspital ein erstes Mal davonrennen wollte.

Nach der Tür durchs Fenster

Doch auch die Polizei-Mauern nützten nichts. Morgens um 7 Uhr floh der Mann aus seiner Zelle, tarnte sich mit oranger Strassenarbeiterkleidung und verliess das Areal am Rosenberg, noch bevor ihn die Polizei befragen konnte. Vor Gericht sagte der Mann nun: «Ich hatte nicht den fixen Plan abzuhauen, ich war einfach mit der ganzen Situation überfordert.»

Der Mann behauptete, er habe damals irgendwann bemerkt, dass die Tür seiner Zelle gar nicht abgeschlossen war. «Die Tür war offen und ich bin gegangen. Ich wollte aber nie jemandem schaden.» Die orange Kleidung habe er in einem weiteren Raum im Gebäude gefunden. «Dort öffnete ich dann das Fenster und stieg raus, das alles war eine Sache von einer Minute.»

Kapo: «Nichts mit Umbau zu tun»

Auf Anfrage des «Landboten» hält die Kantonspolizei fest: «Die Türe stand nicht einfach offen, sie war allerdings tatsächlich technisch nicht korrekt verschlossen.» So konnte die Zellentüre offenbar mit geringer Manipulation geöffnet werden.

Der Verkehrsstützpunkt nahe der A1 wurde erst kürzlich modernisiert und letzten März neu in Betrieb genommen. Mit dem Umbau des Gebäudes habe der Vorfall aber nichts zu tun, heisst es bei der Kapo weiter, sondern eher mit einer in diesem Fall nicht ganz funktionierenden Kontrolle durch die Beamten. «Die Flucht wurde dann aber innert weniger Minuten bemerkt.»

7000 Franken Geldstrafe

Der Mann hatte sich nach seiner Flucht nach wenigen Tagen selber der Polizei gestellt. Die Einzelrichterin verurteilte ihn nun wegen mehrere Delikte zu einer bedingten Geldstrafe von 7000 Franken (140 Tagessätze à 50 Franken) und einer geringen Busse.

Er kommt damit glimpflich davon. Die Winterthurer Staatsanwaltschaft hatte neben einer Geldstrafe auch eine bedingte Freiheitsstrafe von sieben Monaten gefordert.

Laut der Richterin habe sich der Beschuldigte den Polizeibeamten zwar zweimal durch Flucht entzogen, sich am Ende aber selber gestellt und auch alles gestanden – das habe eine strafmindernde Wirkung. Zudem lebe der Mann beruflich und privat in stabilen Verhältnissen.

100'000 Franken Schulden

Beurteilt wurden nicht nur die bei der Flucht begangenen «Hinderungen von Amtshandlungen». Im Rahmen der Ermittlungen gegen den Mann stiessen die Polizisten nämlich auch auf eine Hanfanlage, die er in der Region betrieben hatte. Laut eigenen Aussagen hatte er die Anlage zuerst für legalen CBD-Hanf genutzt. Dieses Geschäft lief aber nicht, deshalb habe er nun 100'000 Franken Schulden bei seinen Eltern. Um doch noch etwas Geld zu verdienen, begann er dann illegal Hanf mit einem deutlich höheren THC-Gehalt anzupflanzen und versuchte, dieses auch zu verkaufen.

Weiter ist der Mann, der laut eigenen Aussagen in «gutbürgerlichen Verhältnissen» aufgewachsen ist und alles bereut, unter anderem schuldig wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz und Fahren in fahrunfähigem Zustand.

Das Urteil kann ans Obergericht weitergezogen werden.

Erstellt: 15.01.2020, 12:20 Uhr

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