Winterthur

Aber bitte mit Smartphone – wie sich das Publikum des Altersnachmittags verändert hat

Nicht wie früher die Frischpensionierten gehen an den Altersnachmittag der Hülfsgesellschaft Winterthur. Die Besucher sind älter. Dafür aber viele mit Smartphone.

Der Saal ist voll, die Geselligkeit gross. Gegen 300 Seniorinnen und Senioren kamen zum 90. Altersnachmittag der Hülfsgesellschaft Winterthur.

Der Saal ist voll, die Geselligkeit gross. Gegen 300 Seniorinnen und Senioren kamen zum 90. Altersnachmittag der Hülfsgesellschaft Winterthur. Bild: Heinz Diener

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Im Quartier rund ums Kirchgemeindehaus Liebestrasse sind am Sonntagnachmittag die Parkplätze rar. Es kommt einer kleinen Völkerwanderung gleich, wie die Menschen von allen Seiten her zum Haupteingang des Kongresszentrums strömen. Einige werden von ihren Kindern gebracht, viele kommen aber auch im Taxi.

Der Altersnachmittag der Hülfsgesellschaft Winterthur ist angesagt, mit Darbietungen, Laugenbrötli, Kaffee und Kuchen. Manche steigen rüstig, wie es so schön heisst, die Treppe hinauf, zum Saal im ersten Stock. Andere gehen am Stock und wieder andere nehmen mit ihrem Rollator den Lift. «Ich geh schon mal vor», ruft eine Dame ihrer Begleitmannschaft zu.

Ab wann ist man alt?

Wann ist man im richtigen Alter, um am Altersnachmittag der Hülfsgesellschaft teilzunehmen? Oder anders gefragt: Ab wann ist man erklärtermassen alt? Ein Blick über die Tische im Kirchgemeindehaus Liebestrasse hinweg zeigt, dass es sich hier sicher nicht um eine Klientel Frischpensionierter handelt. Das Publikum ist eher 80 Jahre aufwärts, im Einzelfall vielleicht jünger.

Ab wann ist man erklärtermassen alt?

Die Probe aufs Exempel bestätigt es. «Ich bin 92 und wir sind wohl schon zum achten Mal hier», antwortet ein Mann, der gerade so gut zehn Jahre jünger sein könnte, auf Nachfrage. Neben ihm sitzt seine Gattin. Sie ist 88 Jahre alt. Emil und Silvia Ilg haben sich ganz vorne bei der Bühne platziert, wo in wenigen Minuten die Alte Garde ihr Spiel beginnt.

Keine Spur von altem Eisen

Der ehemalige Töpfer aus Dättnau, der auch Informatiker ist, lebt mit seiner Frau in der Altersresidenz Eichgut in einer Zweizimmerwohnung. Er lese jeden Tag den «Landboten», den «Tagi» und die «Zürizeitung», sagt er. Die drei Blätter habe er alle abonniert. «Zeitungsvielfalt ist mir wichtig.» Ein Smartphone besitze er auch. Auch die meisten anderen am Tisch ­besitzen Smartphones, wie eine Besucherin (68) sagt. «Damit rufe ich dann meine Tochter an, wenn es fertig ist.» Sie ist eine der Seniorinnen, die sich an diesem Tisch eingefunden haben. Man kenne sich vom Seniorenmittagstisch in Töss.

1927 zum ersten Mal

Es ist der 90. Altersnachmittag. Der Saal ist voll. Es sind rund 300 Seniorinnen und Senioren hier. »Angemeldet waren 340», sagt eine der freiwilligen Servicefrauen. «1927, als der Altersnachmittag zum ersten Mal durchgeführt wurde, hat es 50 Serviertöchter gebraucht», erzählt Markus Casanova, Präsident des Stiftungsrats. Heute könnten dies dank Technik und Fortschritt ein paar wenige Frauen erledigen.

«1927 hat es 50 Serviertöchter gebraucht.»Markus Casanova, Präsident des Stiftungsrats

Aber auch das Publikum habe sich verändert. Heute sei eine andere Art älterer Menschen als früher im Saal. Dann kündigt er den Bildvortrag der Island-Kennerin Kerstin Frank «von Feen, Trollen und schnellen Pferden» an. Kurz nach 15 Uhr servieren die Servicefrauen dann – innerhalb von zehn Minuten – den Gratiszvieri: eine Tasse Filterkaffee, Laugensandwiches und Schwarzwäldertortenstücke von Lienhard.

Hoffen auf Fortbestand

Doch bevor Casanova das Mikrofon abgibt, betont der Stiftungsratspräsident in Anspielung darauf, dass die Kirchgemeinde um den Fortbestand ihres Kongress- und Kirchgemeindehauses an der Liebestrasse kämpft: «Wir hoffen sehr, dass wir uns auch nächstes Jahr wieder hier treffen können.» Er erntet Applaus. Und der Altersnachmittag nimmt seinen Lauf. Er steht seit 1995 unter der Gesamtleitung des Tössemer Pfarrers und Mitglied des Stiftungsrats der Hülfsgesellschaft, Helge Fiebig.

(Der Landbote)

Erstellt: 19.11.2017, 18:09 Uhr

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