Dägerlen

Abgespeckte Buslinie weckt Widerstand

Auf Dägerlen hat das Fahrplanverfahren unterschiedliche Auswirkungen: Während die Dörfer Berg, Dägerlen, Oberwil und Rutschwil Einbussen erleiden, wird Bänk aufgewertet.

An der Bushaltestelle Föhrenstrasse in Hettlingen werden künftig die Postautolinien 671 und 676 verkehren.

An der Bushaltestelle Föhrenstrasse in Hettlingen werden künftig die Postautolinien 671 und 676 verkehren. Bild: Marc Dahinden

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Gute und schlechte Nachrichten für Dägerlen. Die schlechte zuerst: Heute noch im Halbstundentakt mit dem Postauto nach Henggart verbunden, soll die Linie 676 laut aufliegendem Fahrplanverfahren im Abschnitt zwischen Hettlingen, Föhrenstrasse, und Bahnhof Henggart ab Dezember 2018 grösstenteils nur noch im Stundentakt verkehren. Für die Haltestellen in Rutschwil, Berg, Oberwil und Dägerlen Lindenhof heisst das, sie würden etwa nur noch halb so oft bedient. «Die Fahrplanlage wird auf die Anschlüsse an die S11 in Winterthur von und nach Zürich ausgerichtet», heisst es dazu auf der Webseite des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) im Rahmen der Auflage, zu der sich die Bevölkerung noch bis Ende März äussern kann.

Die gute Nachricht lautet: Eine klare Aufwertung ergibt sich für das Dorf Bänk. Die Linie 612 verkehrt fortan laut Fahrplanauflage von Montag bis Sonntag stündlich zwischen Dinhard und Seuzach.

45 Minuten Pause

Doch während die Bänkemer eine Deluxe-Variante erhalten, fühlen sich die Rutschwiler abgesägt. Da hilft es auch nicht, dass die Linie 676 im besagten Streckenabschnitt zwischen Hettlingen und Henggart künftig in den Stosszeiten noch zweimal pro Stunde im Abstand von 15 Minuten von und nach Henggart fährt. «Danach läuft zwischen der Föhren­strasse und dem Bahnhof Henggart 45 Minuten lang nichts mehr», klagt etwa Patrick Jola. «Da werden viele Leute künftig wieder aufs Auto umsteigen.»

Mit drei weiteren Einwohnern spitzte er deshalb die Feder und thematisierte den Missstand in einem Flugblatt. Dieses wird heute an alle Haushalte der fünf Dörfer, die zur Politischen Gemeinde Dägerlen gehören, verteilt. «Leider ist eine massive Angebotsverschlechterung für unsere Gemeinde geplant», wird darin kritisiert.

Grosse Wendeschlaufe

Ein Musterbrief lädt die Bevöl­kerung dazu ein, sich am Fahrplanverfahren zu beteiligen. Dieser fordert, vereinfacht gesagt, den Verzicht auf die zusätzlichen Kurse in den Stosszeiten und dass die vorgeschlagenen stündlichen Verbindungen beibehalten werden. Den Halbstundentakt will man erhalten, indem die neue ­Linie 671 von Hettlingen nach Henggart verlängert wird, also eine grosse Wendeschlaufe zieht, statt zu warten. Dazu meint man beim ZVV: Die Gemeinde Dägerlen habe im Rahmen des Fahrplanverfahrens die Möglichkeit, das Begehren für ein langes Wendemanöver via Rutschwil und Oberwil zu stellen. «Das Begeh­ren wird dann nochmals geprüft.»

22 Prozent der Fahrgäste

Auch Gemeindepräsident Markus Kyburz bedauert den abgespeckten Fahrplan. «Wir sind dazu schon im Januar beim ZVV vorstellig geworden.» Dies ohne Erfolg. Bitter findet er, dass die Verbindungen in den umliegenden Gemeinden verbessert werden sollen, «während unsere Dörfer Oberwil, Berg und Rutschwil künftig zum Teil weniger als die Hälfte der heutigen Busverbindungen erhalten». So würden die Passagierzahlen weiter abnehmen. «Es beschäftigt uns sehr, dass man uns so hängen lässt.» Die Fahrgastzahlen seien aber eben sehr tief. Laut Postauto ist der besagte Abschnitt bisher von 22 Prozent aller Fahrgäste auf der Linie 676 genutzt worden.

«Ausgleichszeit zu knapp»

Die Idee der grossen Buswendeschlaufe der Linie 671 via Rutsch­wil, Berg und Oberwil hat der Gemein­derat den Verantwort­lichen bereits im Januar nahegelegt, wie Kyburz sagt. Postauto stellt sich auf den Standpunkt, dass für eine lange Wende via Rutsch­wil und Oberwil die Ausgleichszeit zu knapp wäre, was die Stabilität des Fahrplans gefährden würde. Als Alternative wäre ein zusätzliches Fahrzeug nötig, was dann wiederum höhere Kosten zur Folge hätte, schreibt das Transportunternehmen auf Anfrage. Aus diesem Grund strebe man eine Lösung mit einer Wende in Hettlingen an der Föhren­strasse an. Die neue 671 werde an der Föhrenstrasse zur Linie 676. Damit Verspätungen auf einer der beiden Linien auf­gefangen werden könnten, sei eine Fahrzeitreserve eingeplant.

Auch die Gemeinde hat die Bevölke­rung mit einem Flugblatt auf das Fahrplanverfahren auf www.zvv.ch hingewiesen, wie Gemeindeschreiberin Brigitta Leutenegger sagt. «Viele wissen nicht, dass man sich dort nach den geplan­ten Kursen erkundigen muss und bei der Gemeinde bis Ende Monat Änderungswünsche einreichen kann.»

Die Gemeinde Dägerlen ­erhielt den Halbstundentakt im Zuge der Neueröffnung des Einkaufszentrums Rosenberg (2011), das daran auch einen Beitrag leistete. (Landbote)

Erstellt: 25.03.2017, 09:27 Uhr

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