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Adieu Altstadt, grüezi Sulzer-Areal

Die Redaktion des «Landboten» hat am Freitag zum letzten Mal am Garnmarkt eine Zeitung produziert. Am Samstag ist sie mit den Verlagsmitarbeitern und Anzeigenverkäufern auf das Sulzer-Areal gezogen. Ein Augenschein am grossen Zügeltag.

Nach 183 Jahren ist der Landbote am Samstag von der Altstadt weggezogen.
Nach 183 Jahren ist der Landbote am Samstag von der Altstadt weggezogen.
Madeleine Schoder
Nur noch Kabel zeigen, wo einmal der Newsdesk stand.
Nur noch Kabel zeigen, wo einmal der Newsdesk stand.
Madeleine Schoder
Die neuen Arbeitsplätze werden eingerichtet.
Die neuen Arbeitsplätze werden eingerichtet.
Madeleine Schoder
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Schon von der Oberen Kirchgasse her ist am Samstagmorgen das Geräusch von Rädern zu hören, die über das Kopfsteinpflaster rattern. Je näher man zum Garnmarkt kommt, desto lauter wird es. Ein grosser gelber Lastwagen steht vor dem Hintereingang des «Landbote»-Gebäudes. Mitarbeiter der Umzugsfirma Welti-Furrer AG schieben Bürotische und Bücherregale auf Rollis zur Hebebühne und laden sie ein. Der «Landbote» zieht um. Damit geht eine 183-jährige Geschichte in der Altstadt zu Ende (siehe Box).

Seit 7.15 Uhr sind zwei Teams mit insgesamt elf Männern der Umzugsfirma im Einsatz. Das Newsdesk im dritten Stock, wo die eigentliche Zeitung jeweils geplant, produziert und bei aktuellen Meldungen im letzten Moment noch geändert wurde, ist um 8 Uhr praktisch leer geräumt. Auf dem Boden stehen noch ausgediente Bildschirme, daneben liegen Kabel und Tastaturen.

Gespenstische Stille

In den Redaktionsräumen, wo bis vor kurzem werktags und sonntags das Klappern von Tastaturen, Klingelgeräusche, laute und weniger laute Stimmen sowie das Summen von Kaffeemaschinen zu hören war, ist es gespenstisch still. Vollgepackte graue Zügelkisten stehen bereit, markiert mit gelben, blauen oder roten Etiketten. Je nachdem, für welche Büroecke sie am neuen Standort an der Technoparkstrasse 5 bestimmt sind.

Jakob Bächtold, stv. Chefredaktor, führt Sie durch die neuen Räume. Video: Fabian Röthlisberger

Regale, Tische und Schubladen sind leer. Oder fast. In einem Büro hängen Register, in einem anderen stehen Ordner im Gestell. Ein Zettel «Das bleibt hier» weist die Zügelmänner an. In den Wochen vor dem Umzugstermin haben die «Landbote»-Mitarbeiter gründlich ausgemistet. Jahrealte Dossiers sind ins Altpapier gewandert, nicht mehr benötigte Broschüren, Bücher, Ablagefächer. 24 grosse und 72 kleine Container haben sie gefüllt. Das sind mehrere Tonnen Material.

Redaktionsassistentin Heidrun Pschorn ist seit vergangenem November intensiv mit der Umzugsplanung beschäftigt. Am Samstag behält sie am Garnmarkt die Übersicht. Prompt haben die Zügelmänner Stühle eingeladen, die sie hätten stehen lassen müssen. «Dafür wäre fast die Glasplatte eines Korpus liegen geblieben», sagt sie. Insgesamt 7,4 Kilometer wird sie bis am Abend zurückgelegt haben.

Ballast abgeworfen

Schon kurz nach 8 Uhr fährt der erste Umzugswagen Richtung Sulzer-Areal. Dort erwartet Jakob Bächtold, stellvertretender Chefredaktor des «Landboten», die Männer. Es sei schon viel Wehmut da, sagt er. Schliesslich habe er 19 Jahre am Garnmarkt gearbeitet. «Ich werde die Altstadt vermissen.» Doch er sehe den neuen Standort auch als Aufbruch. «Viel Altes ist weg, nun können wir mit weniger Ballast starten.»

«Es ist schon viel Wehmut da, ich werde die Altstadt vermissen.»

Jakob Bächtold,stv. Chefredaktor

Die neuen Redaktionsräume befinden sich im ersten Stock. Alle Mitarbeiter werden im gleichen Raum untergebracht. Es gibt keine fixen Arbeitsplätze mehr. Tische, Regale und Bildschirme sind schon da. Sie sind neu oder stammen aus dem Tamedia-Lager.

Wenige Tage vor dem Einzug haben Bodenleger und Elektriker die letzten Arbeiten verrichtet. Es riecht wie in einem Teppichladen. Eine Wand ist mit echten Pflanzen begrünt. Wasser tropft auf den Boden. «Hier müssen wir noch etwas ändern», sagt Petra Wagner. Sie ist die Projektleiterin des neuen Standortes und Ansprechperson bei Problemen und Pannen.

Am Mittwoch vor dem Umzugstermin habe es plötzlich grässlich gestunken, erzählt sie. Erst dachten sie, es liege ein totes Tier herum. Als Ursache stellte sich schliesslich ein Siphon heraus, der neu abgedichtet werden muss. Auch sonst gibt es noch einiges, das korrigiert werden muss. So ist etwa die Beleuchtung im Pausenbereich zu grell. Oder die Hocker für die Stehpulte sind noch nicht eingetroffen. Die Redaktorinnen und Redaktoren halten ihre Sitzungen am Montag also stehend ab.

Bevor die Zügelmänner die Bürotische vom Newsdesk an ihren Bestimmungsort rollen, legen sie Folien aus, um den neuen Teppich zu schonen. Auf einem Plan sind die genauen Standorte markiert, ausgerichtet auf die Strombuchsen. Und in einem Regal stehen Ordner. Sie stammen aus der Finanzbuchhaltung von Tamedia und sind dort wohl vergessen gegangen. Um 14.30 Uhr haben die Zügelteams ihre Arbeit getan.

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