Adlikon

Adlikon entstand aus der Not heraus

Vor 200 Jahren sagte sich Adlikon von Andelfingen los. Im Juni will die Gemeinde deshalb gross feiern – bevor man über einen erneuten Zusammenschluss entscheidet.

Die Gemeinde Adlikon wurde vor 200 Jahren gegründet. Am 2. Juni soll das Jubiläum gross gefeiert werden.

Die Gemeinde Adlikon wurde vor 200 Jahren gegründet. Am 2. Juni soll das Jubiläum gross gefeiert werden. Bild: Johanna Bossart

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Weshalb existiert die Gemeinde Adlikon eigentlich?, fragte sich Gemeindepräsident Peter Läderach. Am Samstag, 2. Juni, feiert Adlikon sein 200-jähriges Bestehen und im Heftlein samt Anmeldung zum Fest findet sich einiges zur Entstehungsgeschichte. Gegründet wurde die Gemeinde am 22. Januar 1818.

Zuvor hatte sie zur Gemeinde Andelfingen gehört, die nach der Auflösung der helvetischen Republik 1803 gebildet worden war. Im Dezember 1817 beantragten die vier Aussengemeinden Adlikon, Niederwil, Dätwil und Humlikon beim Regierungsrat Zürich die Trennung von Andelfingen. Dieser entsprach dem Gesuch einen Monat später.

Brot mit Holzmehl gestreckt

Läderach schreibt weiter, dass zur Zeit der Abspaltung, von 1816 bis 1818, die letzte grosse Hungersnot in der Schweiz geherrscht hatte. Ursache war vermutlich der Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora 1815, auf den eine Klimaveränderung und 1816 das «Jahr ohne Sommer» folgte. Im Zürcher Gebiet zählte man 57 Sonnentage weniger und dafür 28 Tage mit Niederschlag mehr. Nach einem kalten Winter führte ein Wärmeeinbruch 1817 zu Überschwemmungen. Gemüse, Früchte und Kartoffeln entwickelten sich entweder gar nicht erst oder verfaulten auf den Feldern.

Die Bevölkerung litt Hunger, streckte das Brot mit Holzmehl oder Baumrinde, Wucher und hemmungslose Geschäftsmacherei hielten Einzug. Auf den ersten Blick hätte es keinen schlechteren Zeitpunkt für eine Abspaltung von Andelfingen gegeben, schreibt Läderach weiter. Auf den zweiten Blick aber findet sich eine wahrscheinliche Erklärung: So kaufte der Kanton Zürich Getreide ein, um der Hungersnot entgegenzuwirken, und stellte Regeln zur Verteilung auf. Selbstständige Gemeinden konnten das Korn beim Kanton beziehen und an ihre Einwohner verteilen, so auch Andelfingen.

Das sei wohl der Grund gewesen, weshalb sich die Adliker, Dätwiler, Niederwiler und Humliker lossagen wollten, heisst es im Heftlein. Es sei nicht um politische Ideologie gegangen, sondern darum, die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger in die eigene Hand zu nehmen.

Zurück zu den Expartnern

Läderach wünscht sich im Brief weiter, dass die Bevölkerung Adlikons auch in Zukunft Verantwortung übernehme, auch wenn dies beudete, dass man sich in einem neuen politischen Gebilde organisieren müsse. In zwei Jahren steht eine Fusionsabstimmung im Weinland an, nach der Adlikon sich nicht nur mit Kleinandelfingen, Henggart und Thalheim an der Thur, sondern auch wieder mit Andelfingen und Humlikon zusammenschliessen könnte. (Der Landbote)

Erstellt: 23.04.2018, 18:42 Uhr

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