Andelfingen

AfD-Spendenaffäre mit Spuren ins Weinland

Der SVP-Werber Alexander Segert bestreitet, dass seine Agentur Goal für die deutsche Rechtspartei AfD arbeitet. In Andelfingen hat er allerdings noch eine zweite Werbeagentur – das wirft Fragen auf. Doch auch diese Agentur arbeite nicht für die AfD, teilte Segert am Freitagabend mit.

Alexander Segert mit einem seiner Plakate für die SVP. Arbeitet er auch für die AfD?

Alexander Segert mit einem seiner Plakate für die SVP. Arbeitet er auch für die AfD? Bild: Foto: Archiv/Dominique Meienberg

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Schon seit 2016 berichten Zeitungen immer wieder, dass der aus Deutschland stammende und in Andelfingen wohnende Alexander Segert mit seiner Werbeagentur Goal AG für die deutsche Rechtspartei «Alternative für Deutschland» (AfD) arbeite.

Vorgestern nun hat Segerts Agentur mit Sitz in Andelfingen eine Medienmitteilung verschickt mit der Überschrift «Goal AG und das AfD-Sommerloch». Darin heisst es, dass Goal «noch nie für die AfD gearbeitet oder einen Auftrag von der AfD» erhalten habe. Das sei weiterhin Tatsache.

Anfang Juli habe die AfD selber darauf hingewiesen, dass es zwischen ihr und Goal keine Zusammenarbeit gebe.

Anklage wegen Verhetzung

Ob Ratten, Stiefel, schwarze Schafe, Minarett-Raketen oder Messerschlitzer: Segert ist der Schöpfer umstrittener SVP-Plakate. Seine Lebenspartnerin ist die Bundesrichterin Alexia Heine (SVP). Im Sommer 2011 zündeten Linksextreme das Auto des Polit-Werbers vor seinem Haus in Andelfingen an, im Internet wurde er als Nazi beschimpft.

Im Herbst 2011 stand Segert in Österreich wegen Volksverhetzung vor Gericht, wurde dann aber freigesprochen. Die Rechtspartei FPÖ hatte sein Computergame «Moschee baba» im Wahlkampf eingesetzt. In dem Spiel konnte man Muezzine mit einem Mausklick abschiessen.

Unbekannte Geldgeber

Laut dem deutschen Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» prüft die Bundestagsverwaltung momentan, ob die AfD wegen anonymer Spenden in Millionenhöhe gegen das Parteiengesetz verstossen hat.

«Aus Angst vor Millionenstrafen untersagte die AfD dem Verein jede weitere Wahlwerbung. Auch Seger soll eine Aufforderung erhalten haben»aus "Der Spiegel"

Diese Parteienspenden sollen von einer Organisation namens «Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten» stammen, der seit Anfang 2016 für die AfD Wahlwerbung finanzieren soll. Doch wer die Geldgeber des Vereins sind, ist bis heute nicht bekannt.

Hinter dem AfD-Förderverein soll laut «Spiegel» auch Segert mit seiner Andelfinger Werbeagentur Goal stehen. Der AfD-Chef Jörg Meuthen wiederum beteuerte letzten Sonntag in der ARD, dass seine Partei nie mit diesem Verein zusammengearbeitet habe.

«Offenbar aus Angst vor drohenden Millionenstrafen untersagte die Partei dem Verein per Unterlassungsaufforderung jede weitere – vorgeblich ungebetene – Wahlwerbung», folgert der «Spiegel». Auch Segert soll eine Aufforderung erhalten haben.

«Wir arbeiten im Auftragsverhältnis»

Die AfD sagt, der Verein habe von sich aus Wahlkämpfe der Partei unterstützt. So lancierte dieser zuerst ein «Extrablatt», gestaltet von Alexander Segert. Später kam die Wochenzeitschrift «Deutschland-Kurier» hinzu. Vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg Anfang 2016 gab der jetzige AfD-Chef Meuthen dem «Extrablatt» ein Interview.

Noch letzten Sonntag behauptete Meuthen gegenüber der ARD, «zu keinem Zeitpunkt je Kontakt» zu diesem Verein gehabt zu haben, der die beiden Zeitungen herausgibt.

«AfD-Chef Meuthen ist ein persönlicher Freund von mir»

Alexander Segert

Der «Landbote» hat Segert mit mehreren Aussagen im «Spiegel» konfrontiert. Dieser bestätigt, dass seine Goal AG im Januar 2016 die Webseite des – angeblichen – AfD-Unterstützervereins registriert hat.

Weiter treffe es zu, dass AfD-Chef Meuthen ein «persönlicher Freund» von ihm sei, wie «Spiegel» diese Woche schrieb. Die Frage, ob Goal oder er persönlich den «Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten» finanziell unterstütze, verneint Segert. «Wir arbeiten im Auftragsverhältnis.»

Neuer Zweck seit 2015

Die Andelfinger Werbeagentur Goal erledigt also Aufträge des Vereins, der seinerseits die AfD unterstützt, was diese aber insoweit verneint, als die Partei diese Unterstützung nicht angefordert oder bestellt habe. Goal wiederum verneint, je für die AfD gearbeitet zu haben.

Im Dreieck AfD—Unterstützerverein—Goal/Segert gibt es allerdings noch einen vierten Player, auf den «Spiegel» und andere Zeitungen bislang nicht eingegangen sind: die Werbeagentur Neuber AG. Die Firma hat die gleiche Andelfinger Adresse wie die Goal AG. Inzwischen alleiniger Verwaltungsrat und Zeichnungsberechtigter bei Neuber ist – Alexander Segert.

Im Dreieck AfD—Unterstützerverein—Goal/Segert gibt es noch einen vierten Player

Im Juni 2015 verlegte er den Sitz von Goal und von Neuber von Dübendorf nach Andelfingen. Und dabei änderte er auch den Zweck der Firma Neuber. Früher eine eher klassische Werbeagentur für Konsumgüter oder Dienstleistungen, heisst es im Handelsregister seit 2015 unter «Zweck neu» zum Beispiel: «Betrieb eines Unternehmens für internationale Unternehmensberatung» in diversen Bereichen, so etwa der «Durchführung von Analysen und Verfassen von Publikationen».

Im Besonderen widme sich die Gesellschaft «den Belangen der internationalen Kommunikation, Imagebildung, Öffentlichkeitsarbeit, Verkaufsförderung und Promotion».

Die Gesellschaft könne auch Niederlassungen oder Gesellschaften im Ausland errichten oder sich dort an anderen Unternehmen beteiligen. Auch könne sie Finanzierungen für fremde Rechnung vornehmen sowie Garantien und Bürgschaften für Dritte eingehen.

Letztes Jahr fand in Berlin eine Konferenz im Bereich Public Affairs statt, worunter auch Wahlkampfkampagnen fallen. Auf der Teilnehmerliste 2017 waren unter anderem die AfD-Fraktion, die Goal AG – und Segerts zweite Andelfinger Agentur Neuber aufgeführt.

«Eine andere» Agentur

Im Herbst 2016 sagte ein AfD-Politiker im «Spiegel», dass man sich einer Schweizer Werbeagentur bediene – aber nicht Goal, sondern «einer anderen». Welcher, sagte er nicht. War es Neuber, Segerts zweite Werbeagentur? Hat Neuber je für die AfD gearbeitet?

"Solch blödsinnigen Unterstellungen nerven mich manchmal doch."Alexander Segert

Diese zusätzlichen Fragen hat Segert am Freitagabend schriftlich beantwortet. Auch die Neuber AG habe noch nie für die AfD gearbeitet, schrieb er. Im Herbst 2016 sagte Segert gegenüber dem "Spiegel", dass er über Aktivitäten oder Kunden, die seiner Werbeagentur Goal unterstellt würden, keine Auskunft gebe. Mit der Medienmitteilung vom Mittwoch hat er es nun doch getan – warum? "Weil mich solch blödsinnigen Unterstellungen manchmal doch nerven."

(Der Landbote)

Erstellt: 27.07.2018, 23:09 Uhr

Zur Person

Alexander Segert ist 1963 in Hamburg geboren und lebt seit 1985 in der Schweiz. Er studierte Germanistik und Geschichte an den Universitäten Konstanz und Zürich. Zuerst arbeitete er als Lehrer, dann als Journalist, dabei auch für die nationalkonservative «Schweizerzeit» des ehemaligen Flaacher SVP-Nationalrates Ulrich Schlüer. 2015 stand Schlüer in Andelfingen wegen Rassismusvorwürfen vor Bezirksgericht, das ihn dann freisprach. Segert ist Vizepräsident der Andelfinger SVP. mab

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