FCW

Alle Tagesziele erreicht

Erstmals seit Wochen zeigte der FCW wieder sein Vorrundengesicht. Das Ergebnis: eine gute Leistung und ein 2:0-Heimsieg gegen den FC Wil. Danach ist Platz 4 wohl definitiv abgesichert.

Luka Sliskovic (rechts) erzielte das 2:0 für den FCW und ist der Skorer Nummer 1 im Team.

Luka Sliskovic (rechts) erzielte das 2:0 für den FCW und ist der Skorer Nummer 1 im Team. Bild: Heinz Diener

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Das Thema Barrage war seit einer Woche definitiv abgehakt, also waren dem FCW fürs Heimspiel gegen den Nachbarn aus Wil diese realistischen Ziele zu setzen: Wieder mal ein Tor schiessen gegen die Wiler. Dies nach Möglichkeit verbinden mit einem Sieg. Und nicht zuletzt dem geduldigen Publikum wieder mal die ungetrübte Freude einer überzeugenden und erfolgreichen Leistung zu machen.

Nach den 90 regnerisch-kalten Minuten ist zu sagen: Den Winterthurern ist alles gelungen, sie haben alle drei Tagesziele erreicht. Sie haben schon nach 26 Minuten das ersehnte Tor geschossen, fünf ganze Spiele und eine knappe halbe Stunde nach dem letzten, das am 18. November 2017 das 2:0 gegen die Wiler gewesen war. Es war der letzte Erfolg unter Trainer Umberto Romano, es war damals in der 92. Minute ein Treffer Luka Sliskovics, der diesmal einen Eckball schlug, den Innenverteidiger Sead Hajrovic zum Torschuss nutzte. Er setzte sich gegen Fuad Rahimi durch und verfehlte aus vier Metern das Tor nicht.

Dieses 1:0, Hajrovics zweites Tor seit seiner Rückkehr auf die Schützenwiese, war der erste bedeutende Schritt auf dem Weg zum angestrebten Sieg. Das beruhigende 2:0 fiel dann erst in der 83. Minute, durch Sliskovic, der einen schnellen Zug durchs Mittelfeld nach einem feinen Doppelpass mit Taulant Seferi mit einem Schuss abschloss, den Verteidiger Nikki Havenaar noch ablenkte. Zu Ende war damit eine Negativserie von zehn Spielen mit nur einem Sieg, jenem in Schaffhausen.

Wie einst im Herbst Vor allem aber waren diese beiden Tore die Ausbeute einer Leistung, welche die Zuschauer absolut zufriedenstellte – die immerhin 2500, die trotz des garstigen Wetters und der nach der Niederlage in Lausanne definitiv verminderten sportlichen Brisanz gekommen waren. Die FCW-Gemeinde erhielt eine Vorstellung geboten, die von der ersten bis zur letzten Minute an jene erinnerte, die im Herbst eine gewisse Euphorie erzeugt hatten. Und die der FCW in der Rückrunde auf eigenem Platz nur noch bei den ähnlich dominanten Leistungen gegen Vaduz (3:0) und Rapperswil-Jona (2:0) geboten hatte.

Lebensfreudig und leistungswillig wirkte die Mannschaft, mit überzeugender Körpersprache von der ersten bis zur letzten Minute. Dazu passte eigentlich nur das Resultat nicht, denn für einen Match dieses Verlaufs wäre dieses Ergebnis angemessen gewesen: 5:0, Halbzeit 3:0. Das anerkannten hinterher auch die Wiler wie Ciri Sforza, ihr neuer Trainer, der auch nach sechsmal 90 Minuten auf der Wiler Bank auf einen ersten Sieg wartet. «Spielfreudig und bissig» sei Winterthur gewesen, sagte er, «und wir konnten nicht dagegenhalten». Sein Winterthurer Gegenspieler Ralf Loose sprach von einem «guten Auftritt». Auch er hob hervor, wie «bissig» seine Spieler gewesen seien. «Wir erspielten uns viele Torchancen und hätten den Match eigentlich früher entscheiden müssen.»

Weil das 2:0 erst in der 83. Minute fiel, setzten sich die Winterthurer viel zu lange einem Gegentreffer aus, der auf einen Schlag ihre Bemühungen hätte zunichtemachen können. «Früher entscheiden» hiess genau genommen: schon vor der Pause. Allerdings ist der Korrektheit halber schon auch zu sagen, es habe eigentlich nur eine Szene gegeben, die als Wiler Torchance zu werten war. Die begab sich in der 67. Minute, als Andelko Savic eine flache Hereingabe erwischte, den Ball aber, von Hajrovic gestört, am Pfosten vorbeischob.

«Nur» zu wenige Tore

Der FCW bot also eine gute Kollektivleistung eben im Stil der Tage, an denen er für seine Geschlossenheit, seine Laufbereitschaft zu rühmen war. Torhüter Raphael Spiegel zeigte zwar bei zwei Flankenbällen ungewohnte Schwächen, man hätte ihn auch nicht so oft anspielen müssen. Immerhin, es war alles folgenlos. Gut waren die Innenverteidiger, diesmal Hajrovic und Gabriel Isik. Hajrovic war prägender als zuletzt, Isik machte seinen besten Match seit längerer Zeit. Die «Doppelsechs» bildeten, in Absenz Doumbias, erst zum zweiten Mal Remo Arnold und Eris Abedini. Beim ersten Mal hatte es nicht gut geklappt, war ihr mangelhaftes Zusammenwirken ein Grund für die Niederlage in Kriens zum Rückrundenstart gewesen. Diesmal wars eindeutig besser. Arnolds Wert ist unbestritten, Abedini fand nach zwei frühen Fehlpässen zu einer sehr ordentlichen Leistung. Aber klar ist auch: «Besitzer» FC Lugano ruft ihn zurück. Wie klug dieser Entscheid ist, wird sich Abedini erst später erschliessen.

Erfreulich war grundsätzlich, was die vier Offensivspieler boten. Aber eben mit der eindeutigen Einschränkung, dass in der Aufstellung nicht nur hinter dem Namen Sliskovics die Zahl 1 (für 1 Tor) stehen müsste, sondern auch hinter jenem Seferis, Luca Radices und Roberto Alves‘. Seferi hatte seine beste Szene, als er für Sliskovic das 2:0 auflegte. Aber er hätte, beispielsweise, in der 25. Minute ganz alleine vor Zivko Kostadinovic das 1:0 schiessen müssen. Das fiel dann immerhin nach dem anschliessenden Corner. Seferi muss aber auch aufmerksamer sein, wenns darum geht, nicht überflüssigerweise ins Abseits zu laufen. Radice hatte verschiedene attraktive Szenen mit Balleroberungen und dem Umschaltmoment danach, aber im Abschluss war er zu unbedeutend. Auch Robert Alves schoss nicht gut, zumindest für einen mit seinen Qualitäten als Linksfuss. Dennoch bleibts dabei: Er hat in dieser Saison einen bedeutenden Schritt nach vorne gemacht. Auch seine Einstellung zum Fussball als Arbeit war an diesem Tag vorteilhaft.

Das Fragezeichen Sliskovic

Bleibt Sliskovic, der ein Tor vorbereitete, eines schoss. Hat der FCW einen Mann der Stunde, ist es der Surseer mit österreichischem Pass. Mit zehn Toren und sechs Assists ist er mittlerweile Skorer Nummer 1 im Team. Die Tendenz im Frühjahr ist stark positiv, denn in den letzten sechs Spielen trug er nicht weniger als viermal ein Tor und einen Assist bei. Mittlerweile wird er auch regelmässig über 90 Minuten eingesetzt. In den letzten fünf Runden war dies viermal der Fall. Von den 92 Pflichtspielen vorher, vom Sommer 2016 bis Anfang April 2019, hatte er nur drei (in Zahlen: 3!) über die volle Zeit gespielt, zwei in der Liga, eines im Cup in Gambarogno.

Mit 97 Pflichtspielen für den FCW ist der 24-jährige «Slisko» die Nummer 3 im Kader, hinter Radice (weit über 300) und Hajrovic (kürzlich 100). Selbst wenn Sliskovic in einem der letzten vier Spiele noch die vierte Gelbe Karte sieht, kann es in dieser Saison noch zum Jubiläum des 100. Spiels reichen. Die grosse Frage aber ist, ob es danach weitergeht oder Sliskovic weiterzieht. Sein Vertrag läuft aus, ein neues Angebot liegt ihm vor. Man kann von einem kleinen Poker reden, man kann eine Tendenz sehen, er gehe. Klar ist: im Moment ist er eine der wichtigsten Stützen im Team, ja der Mann in Form.

So hat der FCW gegen den Nachbarn einen Test bestanden, der nach dem Ende der Barrage-Hoffnungen auch der zum Thema Charakter war. Was auch festzustellen war: Zuletzt hatten die Spiele gegen die Top 3 gezeigt, dass der FCW schwächer ist als sie. Nur darf man nach dem klaren Sieg gegen den Fünften sagen, die andern in der Liga seien in der Tat schwächer. Wird das in den letzten vier Runden gegen Klubs aus der unteren Tabellenhälfte bestätigt, sind alle zufrieden.

Erstellt: 05.05.2019, 20:19 Uhr

Challenge League

FC Winterthur – FC Wil 2:0 (1:0)

Schützenwiese. – 2500 Zuschauer. – SR Wolfensberger. – Tore: 26. Hajrovic 1:0. 83. Sliskovic 2:0. – FCW: Spiegel; Markaj (88. Hamdiu), Isik, Hajrovic, Schättin (88. Wild); Abedini, Arnold; Roberto Alves (88. Stettler), Sliskovic, Radice; Seferi (87. Saliji). – Wil: Kostadinovic; von Niederhäusern, Havenaar, Rahimi, Schäppi (46. Schällibaum); Scholz, Zé Eduardo; Lombardi (65. Savic), Breitenmoser (46. Hefti), Audino; Cortelezzi. – Bemerkungen: FCW ohne Doumbia (gesperrt), Lekaj, Callà, Roth, Schmid, Lepik (verletzt), Sutter und Mulaj (nicht im Aufgebot). – Wil ohne Silvio, Latifi (verletzt), Gasser, Herter und Herrmann (nicht im Aufgebot); Hefti nach seiner Einwechslung Linksverteidiger, Schällibaum links in der Offensive. – Verwarnungen: 50. Hefti (Foul). 62. Zé Eduardo (Foul). 63. Lombardi (Reklamieren; fürs nächste Spiel gesperrt). 65. Markaj (Foul).

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