Andelfingen

Alles «blödsinnige Unterstellungen»

Der Politwerber Alexander Segert verneint vehement, dass seine weniger bekannte Agentur Neuber etwas mit der deutschen Rechtspartei AfD zu tun haben könnte.

Alexander Segert hat zwei Werbeagenturen - beide, sagt er, hätten nie für die AfD gearbeitet.

Alexander Segert hat zwei Werbeagenturen - beide, sagt er, hätten nie für die AfD gearbeitet. Bild: Archivfoto: Dominique Meienberg

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«Nein!!!» lautet die schriftliche Antwort des Andelfinger Werbers Alexander Segert auf die Frage, ob denn seine zweite Werbeagentur namens Neuber je für die deutsche Rechtspartei Alternative für Deutschland (AfD) gearbeitet habe. Wegen Segerts ­Ferien war diese Frage in der Freitagsausgabe des «Landboten» unbeantwortet geblieben.

Schon seit 2016 berichten diverse Medien, dass Segerts erste Werbeagentur Goal für die AfD arbeite. Letzten Mittwoch verneinte Goal dies erneut («Landbote» vom Freitag).

Ausschluss aus Gesellschaft

Die deutsche Bundestagsverwaltung prüft derzeit, ob sich die AfD illegal hat finanzieren lassen. ­Wäre dem so, drohen der Partei laut dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» Strafzahlungen in Millionenhöhe. Nebst Alexander Segert und seiner Agentur Goal wird in dem Zusammenhang immer wieder der deutsche Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten genannt. Dessen finanzielle Unterstützer sind bis heute nicht bekannt. Tatsache und von Segert auch nicht bestritten ist, dass seine Goal AG für den Verein arbeitet und dass er ein persönlicher Freund des AfD-Chefs Jörg Meuthen ist.

«Das Prüfverfahren in dem vorliegenden Fall ist noch nicht abgeschlossen.»deutsche Bundestagsverwaltung

Der aus Deutschland stammende Segert ist Vizepräsident der Andelfinger SVP. Vor rund zwei Jahren kündigte die Schweizerische Public-Affairs-Gesellschaft (SPAG) ihm die Mitgliedschaft, weil er nicht alle Mandate offenlegte und damit gegen die SPAG-Transparenzregeln verstiess.

Distanz schaffen als Gebot?

Der Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten wirbt seit über zwei Jahren mit kostspieligen Kampagnen für die AfD. Vorletzte Woche berichtete «Der Spiegel», dass die Partei dem Verein kürzlich untersagt habe, «unter Nennung des Parteinamens zur Wahl der AfD aufzurufen». Sowohl der Verein als auch Segerts Goal AG hätten dazu von der Partei eine Unterlassungsaufforderung erhalten. Die Bundestagsverwaltung untersucht mehrere PR-Aktionen der Goal AG und prüft, ob es Anzeichen für illegale Parteienfinanzierung gibt. Ob Goal oder Neuber: Laut Handelsregister könnten beide Andelfinger Agenturen auch im Ausland Zweigniederlassungen und Tochtergesellschaften errichten sowie Finanzierungen für fremde Rechnung vornehmen.

«Es bleibt der ungute Eindruck zurück, dass eine politische Wahlkampagne möglich ist, deren Hintermänner und Finanziers gänzlich unbekannt sind.»aus einem Bericht des Deutschen Bundestages, Dezember 2016

«Der Spiegel» vermutet, dass das Prüfverfahren der Bundestagsverwaltung der Grund ist für die Distanzierungsversuche der AfD. «Der Verein muss von der AfD unabhängig sein, damit seine Gelder nicht wie Parteispenden veröffentlicht werden müssen», schrieb die «Wochenzeitung» (WOZ) bereits im Mai 2017. Gut zwei Monate später sagte Segert gegenüber der «NZZ am Sonntag»: Dass es sich bei diesem Verein «um einen AfD-Unterstützerverein handelt, würden die Vereinsverantwortlichen wohl vehement dementieren».

Verfahren läuft nach wie vor

Die deutsche Bundestagsverwaltung teilt dem «Landboten» auf Anfrage mit, dass das Prüfverfahren im vorliegenden Fall noch nicht abgeschlossen sei. Daher äussere man sich nicht dazu.

Die Verwaltung verweist jedoch auf einen Bericht des Deutschen Bundestages vom Dezember 2016 zur Parteienfinanzierung, in dem das Defizit an Transparenz Thema ist. Auch werden die AfD und der Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten in diesem Bericht genannt. Die Wahlkampfmassnahmen des Vereins für die AfD hätten zwar einen Gegenwert, den sich die Partei aber nicht als Spende zurechnen lassen müsse. Denn die AfD sage, dass Spitzenvertreter der Partei zu keinem Zeitpunkt Einfluss auf das Ob und Wie der Kampagne des Vereins gehabt hätten. Es bleibe aber «der ungute Eindruck zurück», heisst es im Bericht weiter, «dass eine politische Wahlkampagne möglich ist, deren Hintermänner und Finanziers gänzlich unbekannt sind». Um hier mehr Transparenz zu schaffen, müsste der Gesetzgeber die Regeln anpassen.

Verein wirbt weiter für AfD

Der Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten wirbt übrigens trotz Unterlassungsaufforderung nach wie vor für die AfD. So etwa im Zusammenhang mit der bayerischen Landtagswahl, die am 14. Oktober stattfindet. Der Verein postete letzten Freitag auf ­seiner Facebook-Seite den Slogan «Franz Josef Strauss würde AfD wählen!». Den Spruch verwendete er schon 2017. Damit ruft der Verein selber nicht direkt zur Wahl der Rechtspartei auf, sondern via den bereits 1988 verstorbenen Strauss, der bayerischer CSU-Ministerpräsident war.

«Eher geschäftsfördernd»

Vor knapp zwei Jahren sagte ­Alexander Segert gegenüber dem «Spiegel», dass er über ihm unterstellte Aktivitäten und Kunden keine Auskunft gebe. Warum tut er es nun doch? «Weil mich solch blödsinnige Unterstellungen manchmal doch nerven!!», schrieb er dem «Landboten» letzten Freitag. Vor gut einem Jahr sagte er der «NZZ am Sonntag», dass solche Anschuldigen «persönlich etwas nervend», aber «eher geschäftsfördernd» seien. Dies, weil sich Schweizer Kunden wenig von solch «wirren Anschuldigungen» beeindrucken liessen. (Der Landbote)

Erstellt: 30.07.2018, 19:23 Uhr

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