FCW

Als erstes den Einbruch korrigieren

In Kriens beginnt der FCW heute von Platz 6 aus die Rückrunde der Challenge League. Minimalziel muss sein, am Saisonende wieder zur oberen Tabellenhälfte zu gehören.

Roberto Alves muss nach einem enttäuschenden halben Jahr in Zürich erst wieder in Form kommen.

Roberto Alves muss nach einem enttäuschenden halben Jahr in Zürich erst wieder in Form kommen. Bild: Heinz Diener

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Der SC Kriens schaffte im Herbst, was den beiden Spitzenteams Lausanne und GC nicht gelang: Den FCW zweimal zu schlagen. Mit der Heimniederlage gegen die Luzerner begann am 24. November auch die Endphase der Winterthurer mit noch einem Punkt und 3:10 Toren aus den letzten vier Spielen. Also beendete der Aussenseiter aus dem Luzernischen als Überraschung Nummer 1 die Vorrunde als Dritter – und nicht der FCW, der lange Zeit auf dem Weg dorthin gewandelt war.

Jetzt kann das dritte Duell SCK – FCW nächste Zeichen setzen – aus Sicht der Winterthurer heisst das: Sie kommen bestenfalls Platz 3 bis auf einen Punkt nahe und sind dann also wieder in der Region, die zu erreichen manche ihr Kader für gut genug halten. Oder sie werden in der zweiten Tabellenhälfte festgehalten. Sie müssten dann vor dem ersten Heimspiel, gegen den Tabellenletzten Chiasso, gar mal einen Blick nach hinten werfen. Allein die Namen der Gegner machen deutlich, wie wichtig nur schon die ersten zwei Runden sind. Das erste Ziel also: den Einbruch des Spätherbsts korrigieren.

«Anders auf den Platz»

Es war ja manches in Ordnung bis gut im FCW-Herbst. Es gab ja nicht nur den ärgerlichen späten Einbruch, es gab auch zwei Cup-Höhepunkte gegen St. Gallen und Thun aus der Super League. Der FCW lockte mehr Zuschauer an als jeder andere Klub der Challenge League, nämlich 3900 im Schnitt. Enttäuschend aber war, dass eine Mannschaft mit bewährten Charakterköpfen an der Spitze und entsprechend solider Hierarchie nach einer Phase guten Gelingens «eindeutig Grundtugenden wie Lauf- und Kampfbereitschaft, auch Solidarität vermissen», wie es Captain Davide Callà analysierte. Und Granit Lekaj, der im Schnitt verlässlichste Spieler der Vorrunde, sagt: «Alle haben ein paar Prozent nachgelassen. Warum? Das wissen wir auch nicht.» Aber klar sei: «Wir müssen von Anfang an anders auf den Platz gehen.»

An Selbstkritik fehlt es dieser Mannschaft nicht. Allein, sie konnte den Einbruch und die eine oder andere weitere schwächere Leistung wie beim 2:3 in … Kriens oder daheim beim 0:3 gegen Wil nicht vermeiden. Was überdies klar ist, wie es auch Lekaj sagt: «Wir müssen mehr Tore schiessen.» Dem grundsätzlichen Niveau der Winterthurer Offensive entspricht jedenfalls nicht, in 18 Spielen nur 21mal getroffen zu haben. Nur Schaffhausen traf seltener, selbst Chiasso zweimal öfter.

Die Basis, aus der herbstlichen Endphasen die Lehren zu ziehen, müsste vorhanden sein, wenn man die Personalien der Winterpause zusammenfasst. Es ist doch das eine oder andere passiert, aber die Gesamtbilanz könnte positiv sein: Den Abgang des allerdings bewährten Abwehrchefs Sead Hajrovic in die 3. Liga Deutschlands müssten ganzheitlich die Rückkehrer Remo Arnold fürs defensive und Roberto Alves fürs offensive Mittelfeld wettmachen; es ist – ursprünglich nur mit einem Halbjahresvertrag ausgestattet – der Verteidiger Mario Bühler weiterhin bereit; und es erhalten – ein erstes Mal in Kriens – zwei Nachwuchsverteidiger mit Jahrgang 1998 die Chance, sich zu bewähren, Julian Roth und Valon Hamdiu.

Es hat sich auch sonst noch das eine oder andere getan, wie Gerüchte um den Torhüter Raphael Spiegel, der St. Gallen interessiert haben soll, für den aber doch kein Angebot einging. Oder die gesundheitlichen Indispositionen von Bühler und Luka Sliskovic, die deshalb in der Vorbereitung nur wenig spielten. Mit Gabriel Isik ist nach seiner Schulteroperation bis weit ins Frühjahr nicht zu rechnen. Es hat sich aber auch Callà nach seiner zweiten Verletzung in dieser Saison erst wieder in Form zu spielen. Es werden auch Arnold und Roberto Alves nach einem enttäuschenden Halbjahr in Luzern oder Zürich erst wieder in die Verfassung kommen müssen, die sie hatten, als sie im vergangenen Sommer den FCW verliessen. Immerhin, Lekaj hat als ausgesprochene Stütze seinen Vertrag schon verlängert.

Drei «Neue» in der Abwehr

Umständehalber führt all dies beispielsweise dazu, dass heute in Kriens aus der Abwehr erster Wahl des Herbsts nur einer spielen wird: Tobias Schättin, mit Jahrgang 1997 noch immer einer der Jungen, wird den Linksverteidiger geben wie seit Mitte August in einer Regelmässigkeit, die er in seiner Karriere zuvor nie erreichte. Daneben steht als einer Innenverteidiger Lekaj, der im Herbst als «Sechser» mit beachtlichem Erfolg jene Lücke an der Seite Ousmane Doumbias ausfüllte, die Arnolds Abgang für ein halbes Jahr gerissen hatte. Und es wird eben das Nachwuchsduo Hamdiu/Roth spielen. Von beiden sollte man nach dieser Rückrunde wissen können, wie weit mit ihnen geplant werden darf. Innenverteidiger Roth, durch schwerste Knieprobleme immer wieder zurückgeworfen, steht erstmals seit einem Heimspiel gegen Servette am 21. August 2017 wieder in der Startelf – das ist schon mal eine schöne Sache. In der Challenge League wenigstens geschnuppert hat er im Herbst mit fünf Kurzeinsätzen.

Valon Hamdiu, der die vergangene Saison mit einem Wadenbeinbruch beendete, hat – aus dem Frühjahr 2019 – zwei Startauftritte in der Challenge League hinter sich, einen über 90 Minuten, dazu ein paar Kurzeinsätze. Er hat – so sieht es ganz aus – in dieser Vorbereitung Nils von Niederhäusern als Rechtsverteidiger fürs erste überholt.

Philippe Koch steht bereit

Die Leistungen der jungen Verteidiger werden aber auch beeinflussen, ob Sportchef Oliver Kaiser auf dem bis Mitte Februar offenen Transfermarkt noch tätig wird. Bereit steht weiterhin der Routinier Philippe Koch (29), der schon das ganze Trainingslager mitmachte. Zur Zielsetzung übrigens sagt Kaiser, nicht sehr viel deutlicher als sein Trainer: «Die Leistungen müssen stimmen, dann werden die Ziele automatisch erreicht. Zuerst müssen wir den Blick wie immer auch nach hinter richtigen. Aber klar: Unter die ersten Fünf möchten wir schon …» Keinerlei Thema übrigens ist vorderhand die Super League, die nach einer Aufstockung mittelfristig ja um zwei Plätze näher rücken würde.

Da wäre schon mal hilfreich, die Bilanz gegen Kriens aufzubessern. Nur ein Sieg, aber drei Niederlagen in sechs Spielen seit dem Wiederaufstieg der Krienser sind dürftig. Deren Kader übrigens ist völlig unverändert. Das gilt auch für die Bank, vor der weiterhin Trainer Bruno Berner steht.

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Erstellt: 24.01.2020, 21:39 Uhr

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