FCW

Am Ende wars eine Demonstration

Der FC Rapperswil-Jona kämpfte gegen den Abstieg (und wird es weiter tun müssen). Der FCW nutzte sein letztes Auswärtsspiel zunehmend zu einer Demonstration, die mit einem 4:1 belohnt wurde.

FCW-Offensivspieler Roberto Alves (rechts) bringt Joël Schmied in Schwierigkeiten.

FCW-Offensivspieler Roberto Alves (rechts) bringt Joël Schmied in Schwierigkeiten. Bild: Silvano Umberg

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Das Spiel im Grünfeld war längst entschieden, denn der FCW führte nach drei Toren zwischen der 49. und 65. Minute 3:0. Er hatte sich nach zähem Start zu einer Leistung gesteigert, welche die Rapperswiler in der zweiten Halbzeit immer mehr dazu zwang, Ball und Gegner hinter zu laufen. Ohne die leiseste Chance, in diesem Match ihre Lage im Abstiegskampf zu verbessern – womöglich gar entscheidend. Minutenlang hatte kein Rapperswiler den Ball. Die Winterthurer Fans, die dafür in der zweiten Halbzeit hinter dem richtigen Tor standen, konnten den Anlass einfach nur geniessen.

Die absolute Rarität

Was aber noch ausstand, war der kleine emotionale Höhepunkt. Und der bahnte sich in der 79. Minute an, als Rapperswils Torhüter Diego Yanz beim Versuch, einen der vielen Winterthurer Angriffe zu stoppen, den entschlossen in den Zweikampf gegangenen Roberto Alves foulte. Es wurde, berechtigt, ein Elfmeter gepfiffen. Anfang Rückrunde war ja noch Taulant Seferi der Schütze Nummer 1 gewesen, bis er zweimal verschoss; dann traf auch Roberto Alves nicht, im Heimspiel gegen Rapperswil-Jona notabene. Dann trat Luka Sliskovic an und nutzte seine zwei Gelegenheiten. Also stand der Name Sliskovic auch gestern zuoberst auf der Tafel, wo Trainer Ralf Loose die Kandidaten bei allfälligen Elfmetern aufgeschrieben hatte. Darunter aber folgte schon Remo Arnold, der mannschaftsdienliche Fighter aus Luzern, der in seiner Saison als Leihgabe beim FCW sehr viel geleistet hatte. Nur von einem war er fern: von einem Tor.

Aber nun, da kurz vor Schluss bei einer sicheren Führung die einmalige Chance eines Penaltys gegeben war, drängte sich auf, dass Arnold sein Geschenk erhalten würde. So sah es auch Sliskovic, der das 1:0 und das 3:0 geschossen und zwischendurch das 2:0 Luca Radices zusammen mit … Arnold vorbereitet hatte. Der Surseer Sliskovic verzichtete auf den Hattrick, liess seinen Kollegen aus einem Dörfchen nahe Sursees anlaufen. Und das Ende der Geschichte: Arnold schoss in seinem zweitletzten Match für den FCW vor seiner Rückkehr nach Luzern ein Tor. Die Kollegen bejubelten ihn, als wäre eine bedeutende Entscheidung gefallen; auf der Bank wurde mitgefiebert. Auch von Taulant Seferi, dem ehemaligen Schützen Nummer 1, der an diesem Abend nur Ersatzmann war, weil er Anfang Woche krank gewesen war.

Welche Rarität dieses Tor war, lässt sich nach einem Blick in die Statistik leicht erkennen: Arnold hat nie mehr in ein gegnerisches Tor getroffen seit einem Länderspiel mit der U18-Nationalmannschaft im September 2014 gegen Ungarn. Das Raffinierte an der Sache: Die Vorarbeit leistete damals, mit einem Flankenball, Roberto Alves. Jener Linksfuss, der gestern elfmeterreif gefoult wurde. Am Sonntag gegen den FC Schaffhausen können sie nochmals zusammenspielen, dann kehrt Arnold nach Luzern und Roberto Alves zu den Grasshoppers zurück. Denn mittlerweile ist definitiv, dass der zurzeit starke Mann bei GC, Georg Heitz, Roberto Alves zurückruft. So klar wie nun auch ist, dass Seferi zu Beginn der neuen Saison bei «seinen» Young Boys anzutreten hat.

Auch wegen dieser Rückholaktionen wird der FCW in der neuen Saison ein anderes Gesicht haben. Umso schöner wäre, wenn Luka Sliskovic sich doch noch entschliessen könnte, einen neuen Vertrag zu unterschreiben. Der alte läuft ja aus. Seit zweieinhalb Jahren spielt er nun für den FCW, die letzten Monate waren die eindeutig besten. Zwei Tore und ein Assist waren gestern der jüngste Beweis.

Loose: «Eine Vorführung»

Wie die Winterthurer die Rapperswiler in der zweiten Halbzeit ausspielten, liess Trainer Ralf Loose hinterher – schon fast staunend – sagen: «Das war eine Vorführung.» In der ersten Halbzeit hatte der FCW mit einem 20-m-Pfostenschuss Roberto Alves‘ begonnen. Später hatte Sliskovic eine hundertprozentige Torchance vergeben, weil er nicht selbst abschloss, sondern den Ball zu Roberto Alves schieben wollte und dies unpräzis tat. In dieser Zeit hielten die Rapperswiler nicht schlecht mit. Sie kamen dem gegnerischen Tor auch das eine oder andere Mal nahe, ihr Topskorer Aldin Turkes traf mal den Pfosten.

Es gab Phasen, in denen man befürchten musste, der FCW spielte etwas gar nonchalant, im Wissen, dass für ihn dieses Spiel nicht mehr viel mehr als eine Exhibition war. Zu den Rapperswilern aber war schon da zu sagen, sie hätten sich zwar bemüht, aber sie hätten doch nicht Körpersprache und «Biss» eines mit allen Mitteln gegen den Abstieg kämpfenden Teams gezeigt. Kurz nach der Pause drosch Sliskovic dann den Ball aus 20 Metern in die linke Ecke des Tores von Yanz – es war ein Tor, wie er in diesem Frühjahr mehr als eines geschossen hat. Es war der Beginn einer Demonstration oder, eben in Looses Worten, Vorführung.

Die Doublette zum 2:0 und 3:0 war besonders fein herausgespielt. Das 4:0 hatte einen anderen besonderen Wert. Und dass den Rapperswilern in der 85. Minute durch einen präzisen Flachschuss von Merlin Hadzi auch noch ein Tor glückte, hatte eigentlich nur eine Konsequenz: Der Nummer 2 im FCW-Tor, Bojan Milosavljevic, wurde der «Shutout» verhagelt, den er natürlich gerne genossen hätte in seinem zweiten Einsatz in dieser Saison im «Eins“. Der FCW spielte auch nach vier Wechseln weiter, als wäre nichts geschehen – die Rapperswiler waren längst am Boden. Und als ihr Präsident Rocco Dell Colli hinterher an Loose vorbeilief, liess er ihn wissen, wie gut er die Leistung des FCW gefunden hatte.

Chiasso oder Rapperswil?

Die Winterthurer haben also einen sauberen Auftritt abgeliefert, wie schon eine Woche zuvor gegen einen andern Abstiegskandidaten, der FC Chiasso. Chiasso und Rapperswil müssen bis zuletzt zittern. Dem SC Kriens kann trotz der Heimniederlage gegen Aarau nichts mehr passieren (dank der starken Tordifferenz zu den drei Punkten Vorsprung auf Chiasso); der FC Schaffhausen kommt nach seinem 2:0 am Sonntag als gesichertes sicheres Mitglied der Challenge League auf die Schützenwiese. Rapperswil muss noch nach Aarau, das gewinnen muss, um die Barrage zu erreichen. Also steigt Rapperswil ab, wenn es verliert und Chiasso in Wil gewinnt ….

Sollte der FC Rapperswil-Jona nach zwei Jahren in der Challenge League in die Promotion League zurück, hätte der FCW seinen erheblichen Anteil daran: mit vier Siegen und 13:3 Toren. Mit einer «weissen Weste» also.

Erstellt: 23.05.2019, 23:29 Uhr

Challenge League

FC Rapperswil-Jona – FC Winterthur 1:4 (0:0)

Grünfeld. – 2100 Zuschauer. – SR Schärli. – Tore: 49. Sliskovic 0:1. 63. Radice 0:2. 65. Sliskovic 0:3. 81. Arnold (Foulpenalty) 0:4. 85. Hadzi 1:4. – Rapperswil: Yanz; Thiesson, Kllokoqi, Simani, Elmer; Schmied (76. Nater); Haile-Selassie, Sarr (66. Rexhepi), Kubli (46. Rohrbach), Pedro Teixeira (76. Hadzi); Turkes. – FCW: Milosavljevic; Markaj (74. Isik), Cavar, Hajrovic, Schättin (74. Hamdiu); Arnold, Doumbia (55. Abedini); Roberto Alves, Callà (69- Saliji), Radice; Sliskovic. – Bemerkungen: Rapperswil ohne Ciccone, Frick, Zenuni (verletzt), Pasquarelli, Festic, Kabacalman und Eberle (nicht im Aufgebot). – FCW ohne Lekaj, Schmid, Mulaj (verletzt), Wild (krank), Gazzetta, Sutter (nicht im Aufgebot) und Lepik (nicht mehr im Kader); Hamdiu in der 91. Mit Fussverletzung ausgeschieden, FCW beendet das Spiel mit zehn Mann. – 5. Pfostenschuss von Roberto Alves. 33. Pfostenschuss von Turkes. – Verwarnungen: 18. Doumbia (Foul; fürs Spiel gegen Schaffhausen gesperrt), 33. Arnold (Foul). 35. Elmer (Foul). 66. Sarr (Foul). 78. Hadzi (Foul). 87. Thiesson (Foul). 91. Isik (Foul).

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