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Asylbewerber drohte Securitas-Männern mit dem Tod

In einem Asylheim rastete ein Mann aus, als ein Freund weggewiesen ­wurde. Er habe nichts von «Aufschlitzen» ­gesagt, ­behauptete er vor dem Bezirksgericht.

Securitas-Angestellte sollen von einem Asylbewerber mit dem Tod bedroht worden sein.
Securitas-Angestellte sollen von einem Asylbewerber mit dem Tod bedroht worden sein.
Patric Spahni

«Securitas-Leute erleben so einiges, und sie zeigen gewiss nicht alles an. Hier haben wir es aber mit einem schweren Fall zu tun.» Mit diesen Worten versuchte Richterin Janine Meier (SVP), einem Asylbewerber aus Eritrea klarzumachen, dass er mit seiner Drohung zu weit gegangen war.Der junge Mann, gerade einmal 18 Jahre alt, hatte gemäss Anklage zwei Securitas-Mitarbeiter in einer Asylunterkunft in der Region Winterthur, in der er lebt, mit dem Tod bedroht. Es war in einer Wochenendnacht im Februar dieses Jahres, als ein Freund des Asylbewerbers ihn in der Unterkunft besuchte. Die Sicherheitsleute wiesen den Besuch am späten Abend weg, woraufhin dieser zurück ins Einzelzimmer des Angeklagten schlich. Als die Männer ihn nochmals fortschickten, wurde der Angeklagte wütend, trat in einen Abfalleimer und sagte, erneut gemäss Anklage: «Wenn ihr wieder kommt, schlitze ich euch die Kehle auf.» Dabei sah er den Männern in die Augen und diese bekamen es mit der Angst zu tun. Sie riefen die Polizei, die den Mann einen Tag in Haft setzte.

Vor Bezirksgericht am Montag stritt der junge Mann, der vor knapp drei Jahren via Libyen und Italien in die Schweiz gekommen war, die Tat ab. Ja, er sei laut geworden, aber die Drohung habe er nicht ausgesprochen. Er habe nur geflucht, «verdammt nochmal» habe er gesagt. Auch andere Dinge bestritt der Angeklagte. So sei der Abfalleimer von allein umgefallen, ohne dass er danach getreten hätte; seine Äusserung gegenüber der Polizei, wonach er die Securitas-Leute hasse, kommentierte er mit den Worten: «Ich weiss nicht mehr, was ich gesagt habe, das ist lange her.»

Entscheidend für die Urteilsfindung waren die Sprachkenntnisse des Angeklagten, der auf die Übersetzungen eines Tigrinya-Dolmetschers zurückgriff, teilweise aber mit einigen Brocken Deutsch antwortete. «Kennen Sie das Wort ‹aufschlitzen›?», wollte die Richterin wissen. «Das Wort ‹abstechen›?» «Nein. Wenn ich das Wort nicht kenne, wie kann ich es dann gebrauchen?», sagte der junge Mann – in Tigrinya.

«Flucht allein ist kein Milderungsgrund»

Die Einzelrichterin befand den Asylbewerber der mehrfachen Drohung schuldig (mehrfach, weil zwei Personen bedroht wurden). Wie vom Staatsanwalt beantragt, verurteilte sie ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 2700 Franken; eine Busse von 500 Franken erliess sie ihm. Er könne die Drohung durchaus ausgesprochen haben, sagte die Richterin, denn seine Deutschkenntnisse seien «sehr gut». Das habe sie bei einem Telefonat mit dem Angeklagten selbst fest­gestellt, und das zeige auch der Umstand, dass er vom Staats­anwalt ohne Übersetzer habe befragt werden können. An den bis ins Detail übereinstimmenden Aussagen der beiden Securitas-Männer zu zweifeln, habe sie keinen Anlass, und Milderungs­gründe gebe es nicht: «Aus der Flucht allein kann keine schwierige Jugend abgeleitet werden.» Allerdings liege keine hohe kriminelle Energie vor, der nicht vorbestrafte Mann sei «jung und impulsiv» und man könne ihm eine günstige Prognose stellen.

Der Angeklagte, der zeitweise etwas nervös gewirkt hatte, nahm das Urteil ruhig entgegen. Die bedingte Geldstrafe muss er nicht bezahlen, es sei denn, er wird in den nächsten zwei Jahren erneut straffällig. Allerdings bleibt er auf den Untersuchung- und Prozesskosten von 2500 bis 3000 Franken sitzen, falls er nicht erfolgreich gegen das Urteil rekurriert. Für den Asylbewerber ist das viel Geld; er lebt von 750 Franken ­Sozialhilfe monatlich. Nachdem er in der Schweiz das zehnte Schuljahr absolviert hat, möchte der arbeitslose Mann nun eine Lehre im Sanitärbereich beginnen. «Ich hoffe, wir sehen uns hier nicht mehr wieder», sagte die Richterin am Ende.

gu

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