Winterthur

Auf Atomstrom verzichten kostet nur wenig mehr

Stadtwerk soll nur noch Strom aus erneuerbaren Energiequellen anbieten.

Ein Postulat im Gemeinderat könnte das Stromprodukt Grau mit Strom aus Kernenergie aus der Angebotspalette von Stadtwerk streichen.

Ein Postulat im Gemeinderat könnte das Stromprodukt Grau mit Strom aus Kernenergie aus der Angebotspalette von Stadtwerk streichen. Bild: Marc Dahinden

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In Winterthur können Stromkunden aus fünf verschiedenen Produkten wählen, die Abstufung reicht von Gold bis Grau. Das Stromprodukt Grau, das noch Strom aus Kernenergie und anderen nicht erneuerbaren Energiequellen enthält, soll aus der Angebotspalette verschwinden. Der Gemeinderat hat vor Wochenfrist ein entsprechendes Postulat überwiesen. Stadtrat Stefan Fritschi (FDP) sagte, er nehme das Anliegen entgegen, man müsse aber damit rechnen, dass dies nicht wie von den Postulanten gewünscht kostenneutral möglich sei. Was heisst das für die Stromkunden?

Zuerst muss man wissen: Nur gerade 13 Prozent aller 68 000 Rechnungsempfänger in der Grundversorgung haben sich für das günstigste Stromprodukt grau entschieden. Zur Grundversorgung gehören die Privathaushalte sowie Geschäftskunden, die weniger als 100 000 KwH Strom pro Jahr verbrauchen. Die allermeisten Kunden, über die Hälfte, beziehen das Standard-Produkt Bronze, das Strom aus Schweizer Wasserkraft sowie mindestens 8 Prozent ökologisch höherwertigen Strom aus Wasser Wind oder Biomasse enthält.

Preisunterschied minim

Jene Kunden, die heute das Stromprodukte Grau beziehen, müssen also damit rechnen, dass sie künftig das Produkt Weiss bezahlen. Dieses bietet 80 Prozent Strom aus Wasserkraft sowie 20 Prozent aus Kehrichtverwertung. Der Preisunterschied zwischen Weiss und Grau beträgt 0,1 Rappen pro kWh. Im Normaltarif würden statt 7,65 Rappen pro kWh 7,75 Rappen verrechnet.

Ein paar Rechenbeispiele zeigen, was die Erhöhung im konkreten Fall ausmacht: Eine Familie mit zwei Kindern, die in einem Einfamilienhaus wohnt und einen Stromverbrauch von 700 kWh pro Monat aufweist, würde nach einem Wechsel gerade mal 70 Rappen mehr zahlen. Bei einem Paar in einer Wohnung wären es gar nur etwa 20 Rappen pro Monat. Und ein Unternehmen, mit einem Stromverbrauch von 7000 kWh pro Monat müsste mit Mehrkosten von rund 7 Franken rechnen.

Solarstrom teurer

Deutlicher wäre der Preisaufschlag, wenn sich jemand für einen Umstieg auf das das Stromprodukt Gold mit Solarstrom entscheiden würde. In diesem Fall hätte die Familie im Haus pro Monat künftig Mehrkosten von 86 Franken. Der Normaltarif für Gold-Kunden beträgt 20 Rappen pro kWh.

Dass die Preiserhöhung kaum ins Gewicht fällt, liegt auch daran, dass der Energieverbrauch auf der Stromrechnung gar nicht so viel ausmacht. Kunden zahlen zusätzlich für die Netznutzung und diese Beträge sind fix und unabhängig vom Stromprodukt.

Die Aufschläge sind also nicht gross. Das findet auch Postulant Markus Nater (GLP). Für ihn ist klar, dass Stadtwerk diese Differenz gut tragen könnte: «Das wäre verkraftbar, insbesondere weil Stadtwerk im Strombereich in den letzten Jahren einen Gewinn von über 10 Millionen Franken ausgewiesen hat.»

Erstellt: 03.03.2019, 15:37 Uhr

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