Winterthur

«Auf dem Bäumli heiraten?Das wäre schön, aber man darf nicht»

Daniel Bugeda, Chef des Zivilstandsamts, will Winterthur als Trauungsort stärken. Wird die Stadt zum Las Vegas in Europa?

«Man darf draussen nicht trauen. Das muss in einem
geschlossenen Amtsraum sein», sagt Daniel Bugeda, 
Bereichsleiter Melde- und Zivilstandswesen.

«Man darf draussen nicht trauen. Das muss in einem geschlossenen Amtsraum sein», sagt Daniel Bugeda, Bereichsleiter Melde- und Zivilstandswesen.

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Sie haben diese Woche angekündigt, dass man künftig nicht mehr nur im Lindengut und beim Superblock heiraten kann, sondern auch im Casinotheater und in der Kaserne. Warum ist das nötig?

Daniel Bugeda: Vor allem im Superblock sind wir, oder besser gesagt unsere Hochzeitspaare, bei der Anzahl der Gäste beschränkt. Seit Jahren bin ich am Überlegen, wie wir das Angebot erweitern können. Nun haben wir uns fürs Casinotheater und die Alte Kaserne entschieden.

Im Superblock können nur 10 Personen ins Trauzimmer, aber im Lindengut sind doch locker auch 30 möglich?

Ja, wir hatten auch schon mehr als 30 Leute dort drin. Dann wird es aber schnell mal zu eng, was für alle Anwesenden nicht angenehm ist. Es handelt sich ja um einen feierlichen Akt, den man gerne mit der Familie, mit Verwandten und Freunden teilen möchte. Wir möchten auch mal Gesellschaften mit 50 oder 60 Personen aufnehmen können und somit unser Angebot erweitern.

Von wie vielen Trauungen in Winterthur reden wir pro Jahr?

Wir haben etwa 850 Trauungen.

Da hats auch Auswärtige dabei?

80 bis 100 kommen von ausserhalb des Bezirks Winterthur. Vor allem aus dem Kanton, vereinzelt auch Ausserkantonale.

Ist man in der Schweiz völlig frei, wo man heiraten will?

Ja, das Ehevorbereitungsverfahren muss man am Wohnort einreichen, heiraten aber kann man in der ganzen Schweiz.

Letzte Woche schrieben Sie: Wir wollen Winterthur als Trauungsort stärken. Wollen Sie der Kirche Sitzberg und Las Vegas Konkurrenz machen?

Nein, nein, wir wollens nicht übertreiben. Wir wollen uns einfach im Raum Zürich etwas stärker positionieren neben beispielsweise dem Schloss Greifensee und der Kyburg.

Warum aber Casinotheater und Kaserne, warum nicht Bruderhaus und Bäumli?

Das wäre schön, aber das ist nicht erlaubt. Die eidgenössische Zivilstandsverordnung verlangt, dass es ein geschlossener Amtsraum sein muss. Man darf zivilrechtlich gesehen nicht draussen trauen. Wir werden schon heute oft angefragt, ob man auf der Bäumli-Terrasse heiraten könne, und müssen dann erklären, warum das nicht geht.

Ich war mal eingeladen an eine Hochzeit am Meeresstrand. Reizt es Sie nicht, diese Grenzen der Amtsstube zu überschreiten?

Persönlich habe ich Sympathien für solche Ideen, und natürlich wäre es interessant, das Portfolio noch stärker zu erweitern, aber das ist leider nicht möglich. Das Gemeindeamt als kantonale Aufsichtsbehörde kommt, muss die Trauzimmer abnehmen und gibt uns dann die Bewilligung.

Von Amtes wegen müssen Sie also Casino und Kaserne bewilligen lassen. Warum haben Sie das Casinotheater gewählt?

Das ist ein Stück weit ein Zufall. Die zuständigen Personen des Casinotheaters haben uns mit dieser Idee just in dieser Phase kontaktiert, als wir neue Möglichkeiten evaluierten. Wir fanden: Das bietet ideale Synergien. Doch wir fanden auch, es müsse noch eine öffentliche Institution dazukommen, und sind so bei der Kaserne gelandet.

Sie setzen sich dem Vorwurf aus, Sie würden das Casinotheater gegenüber anderen Gastrobetrieben bevorzugen. Das ist ein unberechtigter Vorwurf: Sowohl beim Casinotheater als auch bei der Alten Kaserne besteht kein Konsumationszwang. Man kann also dort heiraten und dann aber in einem anderen Gastrobetrieb weiterfeiern. Es handelt sich sowieso erst mal um ein einjähriges Pilotprojekt an lediglich vier Samstagen im Jahr 2020. Wir können so herausfinden, was die Bedürfnisse unserer Brautpaare sind, und schauen das dann genau an. Aber grundsätzlich denke ich, es ist eine gute Botschaft, dass es in Winterthur nun für Brautpaare, die vielleicht nicht in der Kirche heiraten, diesen Akt aber trotzdem mit ihrer Familie, Freunden und Verwandten teilen wollen, auch das entsprechende räumliche Angebot gibt.

Wo haben Sie selber geheiratet?

In Winterthur.

Und wo hätten Sie gerne geheiratet, wenns keinen Amtsstubenzwang gäbe?

Am Meer oder in den Bergen. (Der Landbote)

Erstellt: 24.05.2019, 17:24 Uhr

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