Artenvielfalt

Auf dem Land zwitscherts immer eintöniger

Die Vielfalt der Vögel nimmt ab. Die Naturschutzorganisation Birdlife Schweiz fordert die Bevölkerung deshalb dieses Wochenende zum Vögelzählen auf. So auch in Dinhard, das zu den artenärmsten Gemeinden im Kanton zählt.

Die Mönchsgrasmücke ist dank ihrer Anpassungsfähigkeit nicht gefährdet und häufiger in den Gärten anzutreffen.

Die Mönchsgrasmücke ist dank ihrer Anpassungsfähigkeit nicht gefährdet und häufiger in den Gärten anzutreffen. Bild: Hansjürg Sommer

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Landgemeinden und Natur, das geht für viele Hand in Hand. Doch die intensive Nutzung durch die Landwirtschaft hinterlässt Spuren: Die Artenvielfalt nimmt ab. Eine Studie der Universität Bern kam 2015 gar zum Schluss, dass eine intensive Agrarwirtschaft die Biodiversität stärker verringern kann als eine Verstädterung.

Gemäss dem Brutvogelatlas der Naturschutzorganisation Birdlife ist das auch in der Gemeinde Dinhard zu beobachten: Die Vielfalt der Brutvögel hat von den 80er- bis Ende der 00er-Jahre um insgesamt sieben Arten abgenommen. So seien etwa der Turmfalke, die Waldohreule und der Mauersegler nicht mehr in der Gemeinde gesichtet worden. Im kantonsweiten Ranking landete Dinhard so nur auf dem 150. von 171 Plätzen. In seiner Begründung schreibt Birdlife Zürich: «Die Artenbilanz ist deutlich negativ und im Vergleich zur Grösse artenarm. Das weit herum ausgeräumte, intensiv genutzte Kulturland bietet kaum mehr einer Vogelart geeignete Lebensräume.»

Die letzten Zahlen stammen von 2008, weshalb Mathias Villiger von Birdlife Zürich diese Zahlen mit aktuellen Beobachtungen einordnet: «Die allgemeine Tendenz im Kanton deutet darauf hin, dass die Anzahl Brutvögel zwar gesamthaft zunimmt, das Artenspektrum aber eintöniger wird.» Spezialisierte Vögel würden weiter an Boden verlieren, während flexiblere Arten zunehmen würden.

«Erreichen Ziele nicht»

Die Bauern als Problem? Im Kanton Zürich beträgt der Anteil der Biodiversitätsflächen in der Landwirtschaft 15 Prozent. Das sind mehr als doppelt so viele wie vom Bund vorgegeben. «Trotzdem erreichen wir unsere Ziele im Bereich der Artenvielfalt nicht. Das ist ein Problem, das uns beschäftigt», sagt Ferdi Hodel, Geschäftsführer des Zürcher Bauernverbands. Er plädiert für mehr Selbstverantwortung der Bauern bei der Biodiversität und weniger allgemein gehaltene Vorgaben der Verwaltung. Auch der grosse Preisdruck in der Landwirtschaft spiele eine Rolle: «Wenn man immer wieder günstiger produzieren muss, wird es schwieriger, dass der Biodiversität genügend Beachtung geschenkt wird.»

«Das weit herum ausgeräumte, intensiv genutzte Kulturland bietet kaum mehr einer Vogelart geeignete Lebensräume.»Der Brutvogelatlas von Birdlife über die Artenarmut in der Gemeinde Dinhard

Hodel sieht die Landwirtschaft aber nicht als alleinigen Verursacher fürs Artensterben: «Wir wollen uns nicht aus der Verantwortung stehlen, aber es ist komplett falsch, die alleinige Schuld bei den Bauern zu suchen.» Er verweist auf den gesellschaftlichen Wandel der letzten Jahrzehnte: etwa auf das starke Bevölkerungswachstum oder die Mobilität, die zugenommen hat. Auch den Mobilfunk sieht Hodel in der Verantwortung: «Ich persönlich glaube, dass die Strahlung einen Einfluss auf den Rückgang vieler Insektenarten hat.»

Vernetzungsprojekt als Ziel

Die an diesem Wochenende stattfindende Aktion der Naturschutzorganisation Birdlife Schweiz, bei der jeder die Vögel in seinem Garten beobachten, zählen und dem Verein mitteilen soll, dient auch der Sensibilisierung. Denn im eigenen Garten kann jeder etwas für den Erhalt der Artenvielfalt tun. Dagmar Sommer, Präsidentin des Dinerter Natur- und Vogelschutzvereins, empfiehlt beispielsweise, beim Mähen der Wiese Rückzugsstreifen stehen zu lassen, einen alten Obstbaum nicht gleich zu fällen oder Steine zu Haufen aufzuschichten. «So können Lebensräume für Insekten und Käfer entstehen, die wiederum den Vögeln als Nahrung dienen», sagt Sommer. Auch Schweizer Sträucher wie Holunder oder Kornelkirsche statt Thuja-Hecken oder Kirschlorbeer dienen der Artenvielfalt, weil die Beeren der Pflanzen eine Nahrungsquelle für Vögel und Insekten sind.

Sommer ist klar, dass auch das nur einzelne Verbesserungen bringt. Sie verfolgt ein ganzheitliches Ziel: «Ich arbeite darauf hin, dass Dinhard ein Vernetzungsprojekt ähnlich wie unsere Nachbarsgemeinden Hettlingen und Dägerlen umsetzt.»

«Stunde der Gartenvögel»: 3. bis 5. Mai, Teilnahme online unter www.birdlife.ch

Erstellt: 04.05.2019, 14:24 Uhr

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