Persönlich

Auf der Bühne ist sie nicht sie selbst

Als Model hat Sina Schwéry einige Erfahrungen sammeln können. Auch Werbespots hat sie bereits verschiedene gedreht. Schauspielerin soll ihr Beruf werden, darum hat sie sich jetzt bei einer englischen Theaterschule beworben.

Sina Schwéry ist es gewohnt, vor der Kamera zu stehen. Nur spielt sie dabei lieber jemand anders.

Sina Schwéry ist es gewohnt, vor der Kamera zu stehen. Nur spielt sie dabei lieber jemand anders. Bild: Madeleine Schoder

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Grosse grünbraune Augen blicken hinter der Tür hervor. Das strahlende Lächeln sitzt, ohne aufgesetzt zu wirken. Sina Schwéry steht in der Tür ihres Elternhauses in Seuzach. Hier lebt die 19-Jährige gemeinsam mit ihren Eltern, ihrem Bruder und Shetland Hund Aslan. Mit einer Körpergrösse von 176 Zentimetern ist sie gross genug, um zu modeln. Bei der Mode Suisse, auf einem der grossen Schweizer Laufstege, lief sie schon an Modeschauen. Für ein paar Jahre war sie auch in einer Modelagentur angemeldet. «Das Modelleben war nicht so meine Welt», sagt Schwéry. Darum habe sie sich jetzt bei einer Schauspielschule in London beworben.

«Alle sagen immer, wenn du schauspielerst, kannst du auch gleich modeln», sagt die Seuzacherin. Doch dem würde sie nicht zustimmen. Es seien zwei komplett verschiedene Sachen. «Auf der Bühne oder für einen Film muss ich nicht ich selbst sein.» Bei einem Fotoshooting müsse sie keine Rolle spielen, sondern sei als sie selbst vor der Kameralinse. Das Theaterspielen fiele ihr darum leichter, weil sie so jemanden darstellen könne.

Diesen Sommer hat sie die neusprachliche Matur an der Kantonsschule im Lee in Winterthur abgelegt. Nun macht sie ein Zwischenjahr. Bei der London Academy of Music and Dramatic Art, ist sie im Rennen für einen Studienplatz. Im November fand die erste Runde des Aufnahmeverfahrens in London statt. «Darauf habe ich mich sehr lange und intensiv vorbereitet.» Sie hatte die Aufgabe, zwei Monologe vorzutragen. Dafür hat sie ein klassisches Stück von Shakespeare und ein neuzeitliches von Tom Topor, einem amerikanischen Drehbuchautor gewählt. Die erste Runde hat sie überstanden und darf nun bei den Workshops im April dabei sein. «Da werden wir dann den ganzen Tag über beobachtet.»

Natürlich sei sie sehr nervös gewesen bei ihrer Reise zur Aufnahmeprüfung nach London. Ihre Mutter hat sie zum Glück als Unterstützerin begleitet. Auch sie ist in der Schauspiel- und Modebranche tätig. «Sie steht aber lieber neben der Bühne», sagt Schwéry. Zwar habe die Mutter einmal eine Schauspielschule besucht, jedoch nur für ein Jahr. Jetzt arbeitet sie als Hair-and-Make-Up-Artist für verschiedene Produktionen.

Beide Eltern bestärken ihre Tochter in ihrem Vorhaben, Schauspielerin zu werden. «Ich bin wirklich unglaublich dankbar, dass sie so sehr hinter mir stehen.» Auch wenn sie eine Absage von der englischen Schauspielschule erhalten hätte, wäre das nicht schlimm gewesen. Die Familie lebt nach dem Motto: «Es geschieht, was geschehen muss.»

Wenn es mit der Schule in London nicht klappt, dann gibt es bestimmt einen besseren Weg für sie. Für Schwéry ist es vor allem Gott, der ihr den Weg weist. «Der Glauben ermöglicht es mir, so locker damit umzugehen.» Um den Hals trägt sie eine silberne Kette mit einem Kreuzanhänger. Auch in ihrem Zimmer hängt ein schlichtes hölzernes Kreuz an der Wand über ihrem Bett.

Ihr Zimmer ist hell eingerichtet. Die Möbel sind mehrheitlich weiss, die Wände in zartem Grau gehalten. Bilder aus Kindertagen und motivierende Sprüche sind im Raum verteilt. Ein Plattenspieler, Bilder aus Sofortbildkameras und ein antikes Doppelbett erinnern an ein Zimmer aus früherer Zeit. «Das Bett ist ein Erbstück meiner Eltern, auch sie hatten es schon geerbt.» Auf ihrem Pult liegen Bücherstapel. Die meisten davon sind Schauspielbücher. «Als Vorbereitung auf die Prüfung habe ich mir ganz viele Bücher in der Zentralbibliothek ausgeliehen», sagt sie und blättert eines kurz durch.

Ihre Leidenschaft für Schauspielerei habe sie schon früh entwickelt. Während der Primarschule hat sie im örtlichen Jungendtheater gespielt, das ihre Mutter leitete. Später war sie in einer englischen Theatergruppe in Zürich dabei. Gerade hat sie in einem Kurzfilm von Dennis Ledergerber, einem Schweizer Regisseur und Autor mitgespielt. Über die Jahre knüpfe man Kontakte und so bekomme sie immer neue Aufträge.

Ihre erste Rolle hatte sie in einer Schweizer Produktion als Statistin. «Im Internet werden solche Castings ausgeschrieben.» Der Regisseur des Films habe sich an sie erinnert und ihr einen Job für eine Werbung bei Credit Suisse angeboten. Inzwischen hat sie schon für Mediamarkt oder aktuell für Pink Box Werbefilme gedreht.

Eine grössere Produktion war eine sechsteilige Online-Serie für Tamedia und Energie Schweiz. «Das war schon eine coole Sache.» Doch auch wenn die junge Frau nicht erfolglos auf ihrem Weg ist, möchte sie auf dem Boden bleiben. «Es ist mir wichtig, dass man nicht denkt, ich möchte mich damit profilieren.» Darum binde sie auch niemandem gleich auf die Nase, dass sie sich für Schauspielerei begeistere. Wenn jemand sie dann in Werbungen zu sehen bekomme, dann sei das aber auch kein Problem. «Ich stehe zu dem, was ich tue.»

Einen Plan B, falls London nicht klappen würde, hat sie sich noch nicht überlegt. «Ich habe jetzt alles auf eine Karte gesetzt.» Natürlich würde sie sich noch bei anderen Schulen bewerben, wahrscheinlich ebenfalls in England. «Dort ist der Markt einfach viel grösser.» In der Schweiz gebe es nur wenige, die allein von der Schauspielerei leben könnten. Für Schwéry geht es nicht darum, einen Oscar zu gewinnen, sie will vor allem ihre Leidenschaft zum Beruf machen. «Ob ich dann in einem kleinen Strassentheater spiele oder auf Kinoleinwänden zu sehen bin, ist mir egal.»

Neben dem Theater fühlt sie sich auch in der Küche sehr wohl. «Ich liebe es, Brote zu backen», sagt sie und lacht. Vor allem solche, die speziell seien und beispielsweise über Nacht ruhen müssten. Am liebsten experimentiere sie mit neuen Gewürzen und koche nach Rezept. Da steht ihr eine breite Auswahl zur Verfügung. Kochbücher aus aller Welt und für verschiedenste Ernährungstypen stehen im Regal. Aus ihrer Liebe zu Tieren verzichte sie weitestgehend auf Fleisch, doch Vegetarierin sei sie nicht. «Wenn mein Mami eine Lasagne macht, dann kann ich einfach nicht widerstehen, auch wenn da Fleisch drin ist», sagt sie und zieht die Schultern hoch. (Der Landbote)

Erstellt: 06.01.2019, 16:51 Uhr

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