Fussball

Der VfB kommt auf die Schützenwiese

Der VfB Stuttgart hat einen grossen Namen im deutschen Fussball. Dennoch spielt er zurzeit in der 2. Bundesliga. Am 26. Juli, nur eine Woche nach dem FCW, startet er zur Saison. Am Mittwoch bereitet er sich mit einem Match auf der Schützenwiese vor.

Der bedeutendste Spieler des VfB Stuttgart ist Mario Gomez (links), hier in der Barrage gegen Union Berlin.

Der bedeutendste Spieler des VfB Stuttgart ist Mario Gomez (links), hier in der Barrage gegen Union Berlin. Bild: Keystone

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Es kommt also «nur» ein Zweit-Bundesligist auf die Schützenwiese. Aber er hat den Ruf eines Bundesligisten – «und eigentlich müsste ein Verein wie der VfB immer in der Bundesliga spielen.» Ralf Loose sagt das, der Dortmunder Trainer des FCW mit mehr als 200 Bundesligaspielen für Borussia Dortmund und Fortuna Düsseldorf. Aber der VfB ist wieder in die Zweitklassigkeit abgestiegen, nur drei Jahre nach der letzten Relegation. Platz 16 in der Meisterschaft war schon eine grosse Enttäuschung, nachdem es ein Jahr zuvor in der Saison nach dem Wiederaufstieg nur ganz knapp nicht in die Europa League gereicht hatte. Entscheidend war dann, dass die Stuttgarter in der Barrage gegen Urs Fischers Union Berlin keinen Sieg zustande brachten, ein 0:0 auswärts war nach einem 2:2 daheim nicht genug.

Gross: «Der Sache zu sicher»

Er habe diese beiden Spiele gesehen, sagt Christian Gross, der Schweizer Trainer mit Vergangenheit in Stuttgart. «Ich hatte das Gefühl, der VfB sei sich seiner Sache etwas zu sicher gewesen.» Gross hatte den VfB mal als Abstiegskandidaten übernommen, im Winter 2009/10. Ein halbes Jahr später waren die Stuttgarter als beste Rückrundenmannschaft Sechster und für die Europa League qualifiziert. Aber nach einem Fehlstart zur neuen Saison musste Gross Mitte Oktober 2010 wieder gehen. Heute sagt er, da habe er «die Maschinerie Bundesliga kennengelernt», mit ihrer Resultatabhängigkeit. Und heute, fast ein Jahrzehnt später, sagt er: «Es ist schon erstaunlich, dass der Klub nie mehr zu Stabilität fand, um wenigstens sicher im Mittelfeld zu stehen. Von der Wirtschaftskraft im Bundesland Baden-Württemberg her wäre das eigentlich zwingend.»

Aber eben, es gab seither zwei Abstiege, manchen Trainerwechsel, zwei allein in der vergangenen Saison, und nur einen (positiven) Rekord. Auf den würde der Verein allerdings gerne verzichten: Der Schnitt von 50423 Zuschauern für die Saison 2016/17 sind ein Weltrekord für Zweitligateams. Mehr Stabilität soll jetzt – endlich – her, um nicht nur gleich wieder in die Bundesliga zurückzukehren, sondern sich auch dort festzukrallen, wo er aufgrund so mancher Voraussetzungen eigentlich hingehörte. Auf welche Unterstützung der Verein trotz aller Fehlleistungen zählen kann, zeigt dies: Bis Ende Juni wurden schon 28 500 Saisonkarten verkauft; im Zweitliga-Rekordjahr 2016/17 waren es «nur» 26 500 gewesen …

Ein Trio solls richten

Eine Troika soll das erreichen: Nummer 1 ist der ehemalige Spieler Thomas Hitzlsperger (37), der einst noch die ersten Matches unter Gross mitmachte. Er ist seit Mitte Februar Sportvorstand. Er unternahm einiges, auch nochmals einen Trainerwechsel. Allein, das Minimalziel Klassenerhalt schaffte auch er nicht. Im Mai holte er als Sportdirektor Sven Mislintat (47), der sich – auch zu Jürgen Klopps Zeiten – bei Borussia Dortmund den Ruf eines gewieften Scouts geschaffen hatte und von 2017 bis zum Wechsel nach Stuttgart Chefscout bei Arsenal war. Als Trainer holte Hitzlsperger aus dem Norden Tim Walter (44). Das ist ein wortstarker Mann aus Bruchsal im Süden, der in der Organisation Bayern Münchens bis zum «Zwei»-Trainer aufstieg und dann mit Holstein Kiel eine gute Saison in der 2. Bundesliga machte.

Jetzt soll Walter den VfB mit offensivem Fussball gesunden lassen. Zuvor haben die Stuttgarter unter Hitzlspergers Führung einige Personalentscheide gefällt, die zumindest teilweise «schwierig» waren: So trennte sich der Verein von seinem langjährigen Captain Christian Gentner (34), der doch 2007 Mitglied der bis heute letzten Meistermannschaft des Vereins war. Gentner wirkt künftig für Union Berlin, den Verein, der das jüngste Schicksal des VfB besiegelte. Gehen mussten aber auch Spieler wie die Aussenverteidiger Dennis Aogo und Andreas Beck; der Torhüter Ron Robert Zieler kehrte zu Hannover 96 zurück; der Wechsel des französischen Weltmeisters Benjamin Pavard mit einer Ausstiegsklausel und für rund 35 Millionen Euro zu Bayern München stand schon im Winter fest; der Winterthurer Mittelfeldspieler Kevin Zuber, für den Abstiegskampf von der TSG Hoffenheim ausgeliehen, kehrte zu seinem «Besitzer»-Klub zurück.

Von Kobel bis Gomez

Auch zu den Neuen gehört ein Schweizer. Torhüter Gregor Kobel (21), für die vergangene Saison von Hoffenheim nach Augsburg ausgeliehen, wurde nun für ein nächstes Jahr nach Stuttgart weitergereicht. Er gilt als Favorit, auch beim VfB die Nummer 1 zu werden. Allein, der ebenfalls neu verpflichtete Fabian Bredlow (24), der von Mitabsteiger Nürnberg kommt, hat Kobel den Kampf um den Platz im Tor angesagt. Dieses Torhüterduell war in den vergangenen Tagen im St. Galler Trainingslager des VfB prominentes Medienthema. In Nürnberg war Bredlow in der Abstiegssaison nur zeitweise erdte Wahl, Kobel wars in Augsburg immer.

Prominente Neue gibt es beim VfB nicht. Bedeutendster Fussballer ist noch immer Mario Gomez, der Stürmer, der 2007 ebenfalls einer der VfB-Meister war, später mit Bayern München Titel sammelte. 87mal stürmte er für Deutschland, die WM 2014 verpasste er allerdings wegen Verletzungen. Jetzt will er, in der Endphase seiner Karriere, mit dem VfB die Rückkehr in die Elite schaffen. Nicht als einer, der in seinem fortgeschrittenen Alter auf einen sicheren Stammplatz pocht. Er will, sagt er, einfach der Mannschaft helfen – allenfalls auch von der Bank. Auf der Schützenwiese feiert er heute seinen 34. Geburtstag.

Erstellt: 09.07.2019, 22:06 Uhr

Hauptprobe und Fehlplanung

Der FCW hat in seinen ersten vier Testspielen immerhin 16 Tore geschossen (und nur sechs erhalten). Das ist nicht schlecht oder wie es Trainer Ralf Loose sagt: «16 Tore sind immerhin mehr als drei.» Es deutet immerhin darauf hin, dass der «neue» FCW in der Offensive gut besetzt ist. Aber nicht nur Loose weiss, wie wenig das noch heisst.

Dem Match gegen den VfB, den Zweitletzten vor jenem gegen den SC Brühl aus der Promotion League am Freitag, kommt die Bedeutung einer Hauptprobe für den Ligastart in zehn Tagen gegen den FC Aarau zu. Loose wird also nicht experimentell aufstellen. Oder wie er sagt: «Wenn einer drei Tore geschossen hat wie Nuno Da Silva am letzten Samstag gegen YF Juventus, wird er gegen den VfB auch spielen.» Nicht verfügbar sind die verletzten Verteidiger Granit Lekaj und Tobias Schättin. Aufdrängen können sich auch die Aspiranten in der Offensive, «denn ich werde dort schon den einen oder andern Wechsel machen», erklärt Loose. Also werden auch die Israelis Anas Mahamid und Mido Badarna zeitweise zu sehen sein.

Die nächste Verschiebung

Zu melden ist aber auch schon die dritte Spielverschiebung für den FCW in der Meisterschaft, die noch gar nicht begonnen hat. Da tauchen doch einige Zweifel auf an der Planung der Liga. Es findet das Auswärtsspiel gegen Aufsteiger Stade Lausanne-Ouchy in Nyon nämlich nicht am Samstag, dem 27. Juli, statt, sondern erst am Dienstag, dem 30., um 19 Uhr. Der Grund: Das Paléo-Festival in Nyon wurde «übersehen».

Schon vorher war der FCW von diesen (leicht vermeidbaren) Änderungen betroffen: Die Spiele der 5. und 6. Runde Ende August wurden abgetauscht, weil ebenfalls übersehen worden war, dass die Zürcher Klubs FCZ und – als Gastgeber des FCW – GC nicht im Letzigrund spielen konnten – wegen des seit langen Monaten terminierten Leichtathletik-Meetings. Und dann wurde der Startmatch gegen Aarau vom Freitag auf den Samstag, den 20. Juli, verlegt. Der Grund: Der FC Basel sollte mit Rücksicht auf den Europacup schon am Freitag spielen dürfen – auch das war seit einiger Zeit absehbar … (hjs)

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