«Auf Groupies bin ich ein bisschen allergisch»

Teddybären, Handschellen, Fenchelhonig: Patricia Schwendener kennt die Spezialwünsche der Bands. Zwei Jahrzehnte lang betreute sie die Künstler an den Musikfestwochen, in diesem Jahr zum letzten Mal.

«Es sind schon Bands vom Dach in den Brunnen gesprungen.» Patricia Schwendener im Backstagebereich der MFW.

«Es sind schon Bands vom Dach in den Brunnen gesprungen.» Patricia Schwendener im Backstagebereich der MFW. Bild: Madeleine Schoder

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«Ich sorge seit 20 Jahren dafür, dass sich die Künstler an den Musikfestwochen gut aufgehoben fühlen. Genauer gesagt koordiniere ich seit 11 Jahren die Bandbetreuung und das Catering. Im Vorfeld bekommen wir die ‹Catering-Riders› von den Bands, auf denen steht, was sie bei uns an Essen und Trinken bestellen. Wenn sie dann ankommen, heissen wir sie willkommen und zeigen ihnen die Band-Container, in denen sie sich einrichten können. Die Bestellungen der Künstler sind sehr unterschiedlich. Mit dabei sind sicher immer Früchte und Gemüse, Brot, Snacks und Bier. Ein Klassiker bei den Bestellungen der letzten Jahre war Fenchelhonig, wahrscheinlich ist er gut für die Stimme.

Ein Klassiker bei den Bestellungen der letzten Jahre war Fenchelhonig, wahrscheinlich ist er gut für die Stimme.

Zwischendurch gibt es immer wieder Bands, die sich einen Scherz erlauben. Einmal wollte eine Band, dass die Helfer einen vierstimmigen Chor bilden und ihnen bei ihrer Ankunft ein Lied von Bon Jovi vorsingen. Eine amerikanische Rockband hat bei uns einmal Plüschhandschellen und einen Teddybären bestellt. Wir wissen bis heute nicht wieso, aber der Teddybär ist bei uns geblieben. Als die Band ein paar Jahre später wieder zu uns kam, waren sie total gerührt, dass wir den Bären behalten haben. Allgemein haben wir die Erfahrung gemacht: Wenn sich die Bands im Backstagebereich wohlfühlen, liefern sie auch eine super Show auf der Bühne.

Grundsätzlich bekommen wir sehr viel Liebe von den Bands. Alle fühlen sich bei uns wohl und die einen oder anderen kommen auch gerne wieder zurück an die Musikfestwochen. Ab und zu gibt es Bands, deren Manager uns herausfordert. Ich musste auch schon meine Helferchen in Schutz nehmen. Ich sage sowieso immer: Wir versuchen, die Wünsche zu erfüllen, aber wir können nicht alle Extrawürste der Künstler berücksichtigen, auch wenn wir uns Mühe geben. In diesem Jahr war AnnenMayKantereit der grösste Act. Auch hier gilt: Ich behandle alle Künstler gleich, auch wenn AMK für viele etwas Spezielles sind. Sie sind mit 40 Leuten angereist, zwei Trucks und zwei Nightliner. Wir haben für sie einen feinen Zmorge vorbereitet, weil sie frühmorgens ankommen. Manchmal kommt es vor, dass wir mit den Künstlern selbst nicht viel zu tun haben. Sie verbringen dann die meiste Zeit im Hotel und werden von unserem Transportteam abgeholt, wenn ihr Konzert an der Reihe ist.

 Wenn sich die Bands im Backstagebereich wohlfühlen, liefern sie auch eine super Show auf der Bühne.

Für das Helferteam rekrutieren wir normalerweise nur Freunde von uns, so bin auch ich ursprünglich dazugekommen. Ansonsten gäbe es vermutlich viele, die sich nur beim Ressort Bandbetreuung melden würden, um ihre Lieblingsband kennen zu lernen. Ich bin ein bisschen allergisch auf Groupies und passe gut auf, ob sich jemand aus dem Team zu sehr an die Künstler ranmacht, das ist auch schon vorgekommen und dann fühlen sich auch die Bands unwohl.

Die Arbeit als Bandbetreuerin bietet einen guten Ausgleich zu meinem Job als selbstständige Polygrafin. Ich organisiere sehr gerne und die Arbeit in unserem Team macht unglaublich Spass. Dieses Jahr werde ich aber zum letzten Mal dabei sein. Ich bin 38 Jahre alt und möchte Jüngeren Platz machen. Ausserdem habe ich ein kleines Kind und habe derzeit zu Hause auch viel zu tun. Im nächsten Jahr werde ich dann wieder als ‹normale› Helferin dabei sein, darauf freue ich mich.»

Erstellt: 17.08.2019, 11:13 Uhr

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