Neftenbach

Aus Mühleturm wird Wohnturm

Bald schon soll Leben in den Turm neben der Warth-Mühle einziehen. Die Knecht Immobilien AG plant dort acht Wohnungen.

Der Mühleturm, in den man einst alle Hoffnungen setzte, soll ein Mehrfamilienhaus werden.

Der Mühleturm, in den man einst alle Hoffnungen setzte, soll ein Mehrfamilienhaus werden. Bild: Visualisierung Knecht AG

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Das leerstehende Getreidesilo neben der Warth-Mühle ist für die einen schön, für andere weniger. Aber markant ist der Turm mit dem Walmdach allemal. Und schön ist seine Lage: Er steht direkt am Näfbach, neben der Mühle im Grünen.

Die Firma Knecht Immobilien aus Oberwil, die das Mühlequartier besitzt, will das ehemalige Getreidesilo, das seit den 1990er Jahren leersteht, nicht länger brach liegen lassen: Wo früher Getreide für Tierfutter gemalen und gelagert wurde, sollen bald acht 31/2-Zimmer-Wohnungen eingebaut werden. Ob zur Miete oder zum Verkauf sei noch nicht bestimmt, sagt Erwin Knecht. Das Baugesuch zur Umnutzung wurde vor kurzem bewilligt.

Denkmalpflege redet mit

Der Umbau des funktionalen Gebäudes ist nicht ohne Tücken. Die Würde des bestehenden Turmes solle in jedem Fall erhalten bleiben, waren sich Denkmalpflege und Architekt einig. Die Mühle selbst, ein Fachwerkbau aus dem Jahr 1697, steht unter Denkmalschutz:

Als Teil des Ensembles unterliegt auch die Umnutzung des erst später erbauten Mühleturms Restriktionen. «Wir mussten deshalb das Treppenhaus mit Lift von aussen ins Innere des Gebäudes verlegen, damit der vor einigen Jahres festgelegte Waldabstand eingehalten werden konnte», sagt Knecht.

Eine zweite Restriktion betrifft den Einbau von Fenstern. Sie dürfen laut Kanton lediglich auf der Stirnseite des Mühleturms, wo die Balkone stehen, angebracht werden. Dunkle Wohnungen seien deshalb aber nicht zu befürchten, sagt der Firmenmitinhaber, selbst Architekt. Die Wohnungen würden im Bereich Küche-Essen-Wohnen einen Lichtanteil von 30 bis 40 Prozent Fensterfläche aufweisen. «Das gibt helle Wohnungen.»

Selbst im hinteren Teil, dem Schlafbereich, betrage der Lichtanteil immer noch 25 Prozent. Damit würden die Vorschriften mühelos eingehalten. Dort trage der perforierte Welleternit (weisser Teil) Licht ins Dunkel. Der Umbau des Mühleturms soll laut Knecht Ende diesen Jahres oder im Frühjahr 2019 in Angriff genommen werden.

Die Familie Angst hat die Mühle hundert Jahre lang betrieben. Das Unternehmen funktionierte als Kundenmühle. Das heisst, die Bauern brachten ihr eigenes Getreide zum Mahlen. Um konkurrenzfährig zu bleiben, baut Karl Angst, der ehemalige Müller, in den 1970er Jahren ein zweites Standbein für seinen Betrieb auf: Er begann, Futtermittel zu mahlen. Um das Viehfutter zu lagern, liess er 1976 den Turm bei der Mühle errichten. Dies berichten der Historiker Eugen Ott und auch Hans Angst, Sohn des letzten Müllers in der Warth-Mühle.

Doch die Konkurrenz der Grossmühlen sei übermächtig gewesen. 1988 wurde die Warth-Mühle stillgelegt. Das Mühlenrad drehte sich noch ein paar Jahre, bis in den 1990er-Jahren ein Holzstück die Mechanik blockierte und das Räderwerk zerbrach.

Das Wasser plätschert wieder

Aus dem Mühlequartier, das die Firma Knecht in den 1990er-Jahren erworben und bebaut hat, ist mittlerweile ein Wohnquartier und aus der ehemaligen Mühle ein Wohnhaus geworden. Die Idylle des Mühlequartiers ging zeitweilig verloren, weil der Mühlekanal in den letzten Jahren wegen eines Defekts des Wehrs ausgetrocknet war. Der Schaden wurde aber behoben. Und inzwischen plätschert das Wasser wieder. (Der Landbote)

Erstellt: 11.01.2018, 18:20 Uhr

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