Seuzach

Bald war er in jeder Ecke der Schweiz

Stefan Brauchli will alle Gemeinden der Schweiz abwandern. 2218 hat er schon, 69 macht er noch. Was treibt ihn an? «Das Wandern und meine Liebe zu Projekten», sagt er.

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Ins Blaue würde er nie wandern. Er hat ein grösseres Ziel vor Augen. Insofern unterscheidet sich Stefan Brauchli vom Gros der Wanderer. «Ich liebe das projektbezogene Wandern», sagt er. Kein Wunder: Der 64-jährige Wahlseuzacher, der in Neuhausen SH aufwuchs, war vor seiner Frühpensionierung Projektleiter in der Swissair-Informatik. «Ich fand es schon immer spannend, ein Projekt von A bis Z zu begleiten, Verantwortung für sein Gelingen zu übernehmen und auf ein Ziel hinzuarbeiten», sagt er.

Nicht nur bei Sonnenschein

Die Reihenfolge seiner Wanderungen, die ihn schon auf den Weg der Schweiz oder entlang des Röstigrabens führten, ist nicht festgelegt. Sie ergibt sich spontan nach Wetter, Lust und Laune. «Aber ich gehe nicht nur bei Sonne pur», stellt Brauchli klar. Das sei gerade der Clou am Projektwandern. «Man muss raus.» Was er davon habe? «Bewegung, körperliche Fitness sowie Land und Leute und die Schweiz in ihrer Vielfalt hautnah erleben zu können.»

287 Gemeinden im Jahr 2018

Vor drei Jahren setzte er sich zum Ziel, alle Politischen Gemeinden der Schweiz zu bewandern. 2016 waren dies 2287. Fusionen nach 2016 zählten der Einfachkeit halber nicht mehr. Brauchli musste jedoch nicht bei Null anfangen. Zuvor hatte er schon den Rösti­graben abgewandert, viele Schweizmobil-Routen, Flüsse und Seen sowie alle Bierwanderungen absolviert. Bei Projektanfang konnte er bereits 1500 Gemeinden abhaken. 2016 legte Brauchli dann 3011 Kilometer zurück. 2017 kamen 365 Gemeinden und 2018 nochmals 287 politische Orte hinzu. Manchmal bewanderte er drei und mehr Gemeinden an einem Tag.

2218 Gemeinden hat Brauchli seit 2011 bewandert und dabei insgesamt 19 813 Kilometer zurückgelegt. Seine selbst auferlegten Regeln sind streng: Eine Gemeinde gilt als bewandert, wenn er eine längere Strecke auf ihrem Gebiet unterwegs war. Jede Gemeindewanderung muss mindestens zehn Kilometer lang und mit dem GPS dokumentiert sein.

Alles auf Blog dokumentiert

Seine Routen und Erfahrungen dokumentiert Brauchli auf seinem Blog «projektgemeindewandernschweiz». Trotz des sperrigen Namens verzeichnet dieser mittlerweile über 24 000 Views. Das dürfe man aber nicht überbewerten. «Vor allem Bekannte und Familienmitglieder interessieren sich dafür», sagt Brauchli.

Am 12. Dezember nahm sich der Seuzacher die Gemeinde Vérossaz bei St-Maurice im Wallis vor. «Ich war aber nicht alleine unterwegs, sondern zusammen mit Rémy Kappeler», schreibt er im Blog. Kappeler ist Redaktionsleiter des Magazins «wandern.ch», das vom Verband Schweizer Wanderwege herausgegeben wird. Brauchli hatte der Redaktion einen Link zu seinem Blog geschickt. «Kappeler interessierte sich für mein Projekt.»

Und so beschlossen die beiden, gemeinsam auf Gemeindewanderung zu gehen. «Unterwegs machte Rémy immer wieder Fotos und Video-Sequenzen, um unsere Wanderung zu dokumentieren.» Brauchli hinterlässt in jeder bewanderten Gemeinde jeweils eine Visitenkarte. Auf Kappelers Film ist zu sehen, wie er sein Kärtchen in den Briefkasten beim Gemeindehaus von Vérossaz wirft.

Wanderjournalist Rémy Kappeler war mit Stefan Brauchli unterwegs. Entstanden ist dieses Video.

Thomas Widmer wanderte mit

Auch Wanderjournalist Thomas Widmer ist auf den Gemeindewanderer aus Seuzach aufmerksam geworden. Widmer war im Frühjahr 2018 mit Stefan und Gattin Marlis Brauchli in der Ajoie JU, dem Pruntruter Zipfel, unterwegs.

In seiner Reportage in der «Schweizer Illustrierte» hält Widmer dazu fest: «An diesem Tag wird Stefan wieder vier Orte abstreichen können. Wobei das nach Arbeit klingt. Dabei ist es Vergnügen. Stefan und Marlis, die ab und zu mitgeht, sind Landschaftsgeniesser.»

Für 2019 stehen noch 69 Gemeinden auf dem Programm, dann hat der Gemeindewanderer aus Seuzach sein Ziel erreicht. Das nächste Projekt sei noch nicht definiert, sagt er. Aber eines ist sicher: Auch bei diesem wird Stefan Brauchli wieder im Dienste eines übergeordneten Zieles zu Fuss unterwegs sein.
www.projektgemeindewandernschweiz.blogspot.com (Der Landbote)

Erstellt: 03.01.2019, 18:28 Uhr

Infobox

Gemeinden schwinden

Stefan Brauchli hat sich vor rund drei Jahren vorgenommen, alle Politischen Gemeinden der Schweiz abzuwandern. Im Wissen darum, dass die Anzahl Gemeinden angesichts von Fusionen zusammenschmilzt, hat der Seuzacher für sein Projekt den Stand von vor drei Jahren gewählt: 2287 Politische Gemeinden existierten damals, am 1. Januar 2016, in der Schweiz. Heute, am 1. Januar 2019, verfügt die Schweiz noch über 2212 Gemeinden. dt

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