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Bauern müssen Tiere notschlachten

Die Futtermittelknappheit spitzt sich auch in den Bezirken Winterthur und Andelfingen zu. Die Landwirte sehen sich deshalb zu Notmassnahmen gezwungen.

Da kein Gras mehr wächst, bringen immer mehr Bauern ihre Tiere ins Schlachthaus.
Da kein Gras mehr wächst, bringen immer mehr Bauern ihre Tiere ins Schlachthaus.
Seraina Boner

«Die Situation für die Bauern ist schlimmer als im Hitzesommer 2003», sagt Ferdi Hodel, Geschäftsführer des Zürcher Bau­ern­verbandes (ZBV). Er weiss, dass aufgrund der aussergewöhnlichen Trockenheit und der damit verbundenen Futterknappheit rasch gehandelt werden muss. Seit gestern bietet der Verband deshalb eine Futtermittelbörse an. «Der ZBV verwaltet die Angebote und gibt bei Anfragen die Kontaktdaten weiter», sagt Hodel. Körnermaisproduzenten könnten so beispielsweise «einen wichtigen Beitrag zur Entschärfung der Futtermittelknappheit leisten, indem sie ihren Mais als Ganzfutterpflanzen ernten und allfällige Futterüberschüsse an Berufskollegen verkaufen.»

Doch gibt es solche Überschüsse überhaupt noch irgendwo? «Die Situation sieht nicht überall in der Schweiz so drastisch aus wie im Weinland», sagt Hodel. Gerade im Kanton Bern und in der Westschweiz seien durchaus Überschüsse zu erwarten.

«Wir haben gerade noch für eine Woche Grünfutter.»

Andreas Wälle,Landwirt, Rheinau

Doch Hodel macht sich keine Illusionen. «Alle Probleme werden wir mit dieser Aktion nicht lösen können. Ich habe deshalb durchaus Verständnis dafür, wenn Bauern sich gezwungen sehen, einige ihrer Tiere schlachten zu lassen.»

Zum Handeln gezwungen

Was es heisst, die eigenen Kühe aufgrund der Dürre zur Schlachtbank zu führen, weiss Landwirt Hans-Peter Farner aus Oberstammheim. Er habe sich bereits vor ein paar Wochen von einigen seiner Kühe trennen müssen. Später würden wohl noch ein paar dazukommen, meint er traurig. Dabei ist gerade Farner ein durchaus umsichtiger Landwirt. Denn während seine Berufskollegen ihre Überschüsse in den Vorjahren teilweise verkauft haben, hat er sie in weiser Vorahnung als Vorräte ­gelagert. «Ich habe jetzt noch zwei Silos voll Mais vom vorletzten Jahr.» Dennoch geht er davon aus, dass es für den kommenden Winter nicht ganz reichen wird und er Futter zukaufen und sich von weiteren seiner 36 Kühe wird trennen müssen «Denn die Langzeitwetterprognosen sind schlecht. So, wie es aussieht, wird es noch länger trocken bleiben», meint Farner.

Auch auf dem Gut Rheinau, in der gleichnamigen Gemeinde, ist die Stimmung bei Landwirt An­dreas Wälle ähnlich gedrückt. «Nichts wächst mehr, und ich habe bis jetzt nur eine Zusage von einem Heulieferanten. Die Situation ist relativ dramatisch.» Denn die Futterknappheit nehme laufend zu. «Wir haben gerade noch für eine Woche Grünfutter», sagt Wälle. Er müsse wohl deshalb in diesem Jahr einige seiner 55 Kühe viel früher zum Schlachten bringen als in den Vorjahren. Da wäre er allerdings nicht allein. Denn die Trockenheit macht sich auf dem Schlachtkuhmarkt stark bemerkbar. Bis zu 25 Prozent mehr Kühe werden derzeit geschlachtet .

Das bringt die Schlachtpreise unter Druck. «Denn das grosse Angebot an Fleisch entspricht nicht der gegenwärtigen Nachfrage», weiss Professor Matthias Schick, Bereichsleiter Tierhaltung und Milchwirtschaft vom Strickhof in Lindau. Er geht davon aus, dass die aussergewöhnliche Dürreperiode viele Bauern in Existenznöte ­bringen wird. «Persönlich mag ich mich nicht an eine vergleichbare Situation erinnern», sagt Schick.

Futter für Tiere strecken

Jeden Tag sucht er mit Landwirten aus der Region nach einem Ausweg aus ihrer gegenwärtig misslichen Lage. «Weil auf den Weiden nichts mehr wächst, sehen sich die Landwirte genötigt, ihre Reserven anzuzapfen, sprich ihre Wintervorräte zu verfüttern», sagt Schick. Denn es lasse sich kaum mehr Futter importieren. «Der Markt liegt am Boden.» Auch in weiten Teilen Europas herrsche Futterknappheit. Selbst in Skandinavien. Immerhin lasse sich noch Stroh und Luzerne in guter Qualität aus Frankreich und Spanien einkaufen, weiss Schick. Damit könne man das Futter für die Tiere zumindest etwas strecken.

«Obschon ich zusammen mit den Landwirten eruiere, wo wir noch Futter zukaufen könnten, werden wohl doch einige Milchbauern ihre Viehbestände kurzfristig reduzieren müssen», analysiert Schick.

Ein Blick in die Zukunft

Doch der Fachmann vom Strickhof macht sich auch Überlegungen für übermorgen. «Da wir aufgrund des Klimawandels davon ausgehen müssen, dass solche Hitzeperioden in den nächsten Jahren tendenziell zunehmen werden, rede ich mit den Bauern auch über die mittel- und langfristige Zukunft.» Dabei gehe es beispielsweise um die Frage, welche Gräser und Pflanzen trockenresistenter sind als andere. «Rotklee und ­Luzerne beispielsweise wachsen auch bei der gegenwärtigen Trockenheit noch.»

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