Bergwärts

Beatrice Egli in der Holzhalle statt Rock’n’Roll auf der Gasse

Was macht eigentlich Martin Kaiser, der frühere Programmchef der Musikfestwochen? Er organisiert noch immer Konzerte und Events, seit drei Jahren nun in Klosters.

Nicht mehr so Rock’n’Roll wie einst: Martin Kaiser, einst Programmchef der Musikfestwochen und einer der Strippenzieher in Winterthur, ist heute Direktor des Sport- und Eventzentrums in Klosters. Bild: Martin Gmür

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Er war der Musikmanager schlechthin in Winterthur: Martin Kaiser prägte das Programm der Musikfestwochen von 1984 bis 1994, später kam der Musikclub Albani hinzu. Er organisierte Open-Air-Kinos im Freibad Wülflingen und bald auch landesweit, er versuchte eine Firma aufzubauen, bekam dafür den Jungunternehmer-Preis.

Dann arbeitete er noch mit bei der 750-Jahr-Feier der Stadt – und war plötzlich weg. Er, der sich gerne mit der Fränseli-Jacke oder der weissen Lederjacke gezeigt hatte, Rock’n’Roll-mässig halt, Musicmanagerstyle. Die beiden Jacken gibts noch, sie hängen in Kaisers Kleiderschrank, der heute in Landquart steht.

Ein grosser Schritt für Klosters

«Als das Winterthurer Stadtjubiläum zu Ende ging, sah ich online dieses Stelleninserat, worin ein Leiter für das neue Sport- und Eventzentrum in Klosters gesucht wurde», erzählt Martin Kaiser. Er bewarb sich, konnte sich ganz oben im Prättigau vorstellen und wurde als Chef der Arena Klosters angestellt.

Klosters, das mit Serneus und mittlerweile auch mit Saas eine Gemeinde bildet, wagte 2014 einen grossen Schritt nach vorn. Die Zahl der Logiernächte war rückläufig, das viel grössere Davos, mit dem man touristisch verbunden ist, zog Gäste ab. In dieser Situation stimmte die Bevölkerung 2014 einem 13-Millionen-Kredit zu, kein Pappenstiel für einen Ort mit nicht einmal 5000 Einwohnern.

Das Freibad und die bestehende Sportanlage wurden in der Folge zu einem Sport- und Eventzentrum ausgebaut. Die zwei grossen hübschen Holzhallen, die eine für bis zu 1200, die andere für 1500 Personen, waren Ende 2016 fertig. Kaiser, der eine Wohnung in Landquart wählte, weil seine Frau damals noch im Unterland arbeitete, kam nach Klosters, als die Bauzeit zu Ende ging. Und konnte noch Retouchen vornehmen bei der technischen Infrastruktur: Licht, Ton, Video, Bühne, all das entspricht nun den Ansprüchen einer multifunktionalen professionellen Eventhalle.

«Ein bisschen vermisse ich Winterthur schon auch.»Martin Kaiser

Mit Stolz und Detailwissen führt uns Martin Kaiser durch die Anlage, die ziemlich im Zentrum von Klosters liegt, fünf Minuten Fussmarsch vom Bahnhof, direkt am Flüsschen Landquart, dort, wo die Langlaufloipe beginnt. Ein paar Schüler ziehen sich gerade für die Loipe um. Das Strandbad, wie das Freibad hier heisst, ist noch geschlossen, aber es sei ein Bijou, versichert Kaiser, «stets auf 23 Grad geheizt».

Hinter den beiden Hallen liegen Eisfeld, Curlingrink und die Outdoor-Tennisplätze, wo schon Federer als ganz junger Spieler siegte, das europäische Junioren-Turnier habe seit vielen Jahren einen guten Ruf. Die grössere der beiden Hallen ist im Normalzustand eine Tennisshalle mit Granulatbelag, «man spielt wie auf Sand», wirbt Kaiser.

Die andere ist mit grosser Bühne bereit fürs nächste Konzert. Beatrice Egli war schon da, «Schlager zugegeben, aber eine hervorragende Show», schwärmt Kaiser. Und auch Edoardo Bennato, den Kaiser einst auf die Steinberggasse geholt hatte, spielte vor kurzem in Klosters. «Er fragte an, ich ­sagte zu.»

Um die risikobehafteten Konzerte vom Arena-Betrieb zu trennen, haben Kaiser, der Gemeindepräsident und der Gemeindeschreiber eine GmbH in Gemeindebesitz gegründet. Als Nächstes sehen wir uns die riesige Küche an, «die grösste in Klosters», bis zu 1200 Personen können verpflegt werden.

Die nationale SVP tagte schon hier, Versicherungsgesellschaften, Gastro Graubünden, der Verband der Elektrizitätsunternehmen. Die Liste ist länger, als man beim Bau des Zentrums erwartet hatte: «Wir liegen deutlich über dem Budget», sagt Kaiser, dessen Visitenkarte der Titel Direktor ziert.

Bloss ein bisschen Sehnsucht

Nein, zurück nach Winterthur ziehe es ihn derzeit überhaupt nicht, sagt er. Er und seine polnische Frau seien sehr glücklich im Bündnerland. Die Vorzüge der Tourismusdestination Klosters-Davos selber zu nutzen, dazu komme er jedoch nur selten. Und auch Freunde aus dem Unterland kämen eher selten zu Besuch. Es sei schon seltsam, wie schnell man selbst als eingefleischter Städter Abschied nehmen könne, sagt der 55-Jährige und schiebt gleich nach: «Ein bisschen vermisse ich Winterthur schon auch.»

(Der Landbote)

Erstellt: 30.03.2019, 12:17 Uhr

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