Horben

Bei den Ponys lernte sie laufen

Nadja Minder wuchs auf dem elterlichen Hof in Horben bei Illnau auf. Pferde gehören seit jeher zu ihrem Leben. Nun will sie sich international einen Namen machen – und verzichtet dafür manchmal auf Freunde und Ferien.

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Als sich Nadja Minder im Alter von etwa acht Monaten zum ersten Mal hochzog, um auf ihren Beinen zu stehen, nahm sie nicht etwa ein Tischbein zur Hilfe. Es waren der Pfosten eines Gatters und das Bein eines Ponys. «Meine Mutter setzte mich oft in den Auslauf der Shetlandponies, als ich klein war», erzählt die heute 18-jährige Illnauerin. Natürlich seien das brave Tiere gewesen. «Und sie passten sehr gut auf mich auf.»

Von dem Moment an, als Nadja Minder sitzen lernte, tat sie das immer öfter auch auf dem Rücken eines Ponys oder Pferdes. Oder dann sass sie im Heu. «Und um mich herum haben die Pferde gefressen», erinnert sie sich. Seit jeher gehören die Tiere zu ihrem Leben. Sie wuchs auf einem Hof in Horben oberhalb von Illnau auf. Dort lebt sie heute noch.

«Es sind Lebewesen, die auch mal einen schlechten Tag haben können.»
Nadja Minder

Ihre Familie führt eine landwirtschaftliche Pferdepension, der Vater baut Obst an und betreibt einen kleinen Hofladen. Was es über Pferde zu wissen gilt, lernte Nadja von ihrer Mutter: Wie man die Tiere reitet, pflegt und hält.

Die Mutter, eine Pferdefachfrau, hat ihr Leben lang mit Pferden gearbeitet. Auch die Einstellung gegenüber den Tieren hat sie von ihr übernommen. «Es sind Lebewesen, die auch mal einen schlechten Tag haben können und Vertrauen in uns Menschen fassen müssen.»

«Wenn man aus der Startbox reitet, gibt es nur noch dich und dein Pferd.»

Im Alter von elf Jahren nahm Nadja Minder mit dem Holländerpony ihrer Mutter an ihrem ersten Vielseitigkeitsturnier teil. Das ist ein Mehrkampf, der aus den drei Teilprüfungen Dressur, Geländeritt und Springen besteht. Nach diesem ersten Geländeritt war klar, dass es für sie nie mehr etwas anderes geben würde.

Noch im selben Jahr erhielt sie das ehemalige Rennpferd Kabuga geschenkt. «Wenn man aus der Startbox reitet, gibt es nur noch dich und dein Pferd. Harmonierst du als Team und verstehst dich ohne viel Aufwand, dann ist das ein unbeschreibliches Gefühl», sagt sie. «Das macht total süchtig.»

Von da an wusste sie, dass sie weitere Turniere bestreiten wollte. Das Reiten im Gelände, das Springen über Baumstämme, Hecken und Teiche gefiel ihr. «Das habe ich zuhause oft gemacht, das war mir vertraut.»

Im Sommerhalbjahr reist sie nun mit ihrer Mutter an Turniere. Letztes Jahr wurde sie Junioren-Schweizer-Meisterin im Vielseitigkeitsreiten und nahm an ihrer ersten Europameisterschaft teil. Dieses Jahr verpasste sie wegen eines Fehlers im Springen die Bronzemedaille nur knapp. Und nächstes Jahr will sie die Qualifikation für die Europameistershaft der Jungen Reiter schaffen.

«Wenn man seine Pferde kennt, spürt man ihre Grenzen.»

Dafür muss sie an einem bestimmten Turnier ein vorgegebenes Resultat erreichen und vom Schweizer Pferdesportverband selektioniert werden. Schafft sie es, kann sie weiterhin an Wettkämpfen in ganz Europa teilnehmen.

Es gab schon Momente, in denen sie zweifelte und den Reitsport hinterfragte. «Nutzen wir die Pferde aus?», sei eine der Fragen, die sie sich gestellt habe. Doch bei ihr stehe das Tier im Vordergrund. «Ich kann nichts erzwingen», sagt sie. «Wenn man seine Pferde kennt, spürt man ihre Grenzen.»

In den Wintermonaten bereitet sie sich mit intensiven Trainings auf die Outdoor-Saison vor. In der Regel nimmt sie pro Woche eine Lektion Dressur und einer Lektion Springen bei einem Profi. «Daneben trainiere ich oft auch für mich alleine», sagt Minder. Oder sie hilft im Stall mit.

Doch nicht jeder Ritt ist gleichzeitig auch ein Training. Oft reitet sie einfach nur aus. «Ich bin sehr gerne im Wald», sagt sie. Dort könne sie gut abschalten. «Und das Pferd auch mal Pferd sein lassen.»

Viele ihrer Freunde und Freundinnen reiten ebenfalls. «Sie haben Verständnis, wenn ich mich länger nicht melde oder keine Zeit habe», sagt sie. Für einen festen Freund sei es schwierig, Zeit zu finden. «Und wenn, dann müsste es jemand sein, der die Leidenschaft für Pferde mit mir teilt», sagt sie. Obwohl das auch keine Garantie dafür sei, dass man sich bei diesem Thema immer einig sei, sagt sie und lacht.

«An der Olympiade 2024 in Paris wäre ich gerne dabei.»

Derzeit besucht sie die United School of Sports, eine Berufsfachschule für Sporttalente. Den praktischen Teil ihrer kaufmännischen Ausbildung absolviert sie bei der Landi Zola in Illnau. Die 60-Prozent-Stelle ist ein Glücksfall. «Sie hat einen Bezug zur Landwirtschaft, das Team ist super und der Weg kurz.»

Ihre Zukunft wird von ihrem sportlichen Erfolg abhängen. «An der Olympiade 2024 in Paris wäre ich gerne dabei.» Vielleicht wird sie eines Tages den elterlichen Hof übernehmen. «Doch dazu bräuchte ich eine landwirtschaftliche Ausbildung», sagt sie. Etwas, das sie sich durchaus vorstellen könne. (Der Landbote)

Erstellt: 02.09.2018, 17:18 Uhr

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