FCW

Bestätigung aus der zweiten Startreihe

Der FCW geht heute gegen den FC Aarau, zuletzt in der Barrage dramatisch knapp gescheitert, in die neue Saison. Der Grundtenor ist dieser: Er sollte das Zeug haben, die gute letzte Saison mindestens zu wiederholen.

Als Stossstürmer gesetzt beim FCW ist Neuzugang Roman Buess (links, gegen den Stuttgarter Emiliano Insua).

Als Stossstürmer gesetzt beim FCW ist Neuzugang Roman Buess (links, gegen den Stuttgarter Emiliano Insua). Bild: Heinz Diener

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Saison 2018/19, das Jahr nach einem grossen Umbruch, war die beste seit mehr als einem halben Jahrzehnt. Danach startet der FCW von Platz 4, gleichsam aus der zweiten Reihe, in die neue Spielzeit, die zweite mit Ralf Loose als unaufgeregtem Trainer neben Sportchef Oliver Kaiser. Mit einer Mannschaft, der ein guter Kern erhalten blieb – mit dem Torhüter Raphael Spiegel, dem Innenverteidiger Sead Hajrovic, dem «Sechser» Ousmane Doumbia und den offensiven Altmeistern Davide Callà und Luca Radice. Eine Mannschaft, die zwar gute (Leih-)Spieler verlor wie Remo Arnold, Roberto Alves und Taulant Seferi. Die nun aber so ergänzt wurde, dass man nach der Vorbereitung mit fünf Siegen und einem Unentschieden, mit im Schnitt vier Toren pro Spiel, grundsätzlich diesen Eindruck haben darf: Das ist ein Kader mit vielen guten Fussballern und mit einer Stimmung, die durch eine gute Hierarchie geprägt wird.

Mindestens obere Hälfte

Wer von Platz 4 ausgeht und der ausstrahlt, die Substanz zumindest gehalten zu haben, für den zeichnet sich doch diese Zielsetzung ab: Die Fortsetzung auf derselben Ebene wäre schon mal ordentlich bis gut. Man darf sie auch erwarten, auf jeden Fall soll, ja müsste es wieder ein Platz in der oberen Platzhälfte sein. Was in der Rangliste besser ist, wäre gut bis sehr gut – und dünkt einem keineswegs utopisch. Vor einem Jahr war die Mannschaft im Herbst – als Zweiter mit 31 Punkten – besser als im Frühjahr, als sie noch 25 Punkte gewann und zwei Ränge verlor. Aber am Schluss war doch zu bilanzieren, sie sei der Barrage näher gewesen als man immer geglaubt habe. Gewisse Irritationen im Frühjahr werden da eine Rolle gespielt haben: Die Neuen, die im Winter für die zweite Reihe kamen, halfen – zurückhaltend formuliert – nicht. Nicht förderlich war die individuelle Entwicklung Seferis. Es muss natürlich schon manches zusammenpassen, soll der FCW nicht «nur» auf der bisherigen Ebene weiterfahren, sondern sich noch steigern – und zwar über die Vorrunde hinaus, nach der er ja schon vor einem Jahr zumindest nominell ein Aufstiegsanwärter war. Es hat, was immer zu einem Problem werden kann, in der Vorbereitung ja einige Unannehmlichkeiten gegeben, wie man die zwischendurch bedrohliche Länge der Verletztenliste nennen kann: Abwehr-Routinier Granit Lekaj verarbeitet noch immer eine Schambeinentzündung – dabei hatte man geglaubt, er gehe fit in die Vorbereitung. Marin Cavar, der als Innenverteidiger erste Wahl neben Hajrovic gewesen wäre, fällt nach einem Kreuzbandriss mindestens für die Vorrunde aus. Valon Hamdiu fehlt als Alternative in der Defensive bis in den August. Die drei Linksfüsse Radice, Tobias Schättin und Enrique Wild sind zumindest mal fürs Startspiel nicht bereit.

Fünf Neue am Start?

Von einiger Bedeutung werden also die Neuen sein; wird sein, ob Kaiser bei seinen Transfers so erfolgreich agierte wie vor einem Jahr. Vier Neue stehen heute sicher in der Startelf, vielleicht sind es gar fünf. So sind sie einzustufen: Mario Bühler muss schon debütieren, obwohl er am Donnerstag erstmals mittrainierte. Er hat an der Seite Hajrovics zu verteidigen, eine Alternative hat Loose nicht. Aber Bühler, der Luzerner vom FC Vaduz, ist dafür erfahren genug. Ebenfalls debütieren wird, als Aussenverteidiger, Nils von Niederhäusern – acht Jahre, nachdem er als U16-Junior vom FCW zum FCZ ging.

Neu sind auch die beiden Leihgaben Martin Liechti vom FCB und Nuno Da Silva für die Flanken in der Offensive. Nuno Da Silva fängt heute an. Er hat es sich mit guten Auftritten in den Testspielen verdient, und er profitiert auch von Radices Absenz. Liechti, ein Mann für die rechte Seite, überzeugte bisher weniger. In ihm kann man (noch) keine erste Wahl sehen.

In der Offensive sind drei neu: Buess als gesetzter Stossstürmer, die Israelis Anas Mahamid und Mido Bdarney noch in den Rollen der «Joker». Dass sie schon so weit sein können, hätte kaum einer gedacht, als sie Mitte Juni als völlig unbekannte Testspieler aus dem Nahen Osten erschienen. Aber sie entwickelten sich dann so rasch so gut, dass sie nun so zu sehen sind: Erste Wahl sind sie noch nicht. Aber sie könnten das Zeug haben, der Offensive ein «gewisses Etwas» zu geben. Man würde dann von einer «Trouvaille» sprechen. Aufgegangen ist jedenfalls mal die Rechnung, rechtzeitig aus München zurück zu sein fürs Abschlusstraining. In Bayern, auf dem Schweizer Generalkonsulat, holten die beiden das letzte erforderliche Papier, ein Einreisevisum. Um halb drei standen sie dann auf der Schützi. Mittrainiert haben sie, als sei nichts gewesen.

Der achte – und zusammen mit Bühler – letzte Neue ist Gjelbrim Taipi, im Prinzip Arnolds Nachfolger im zentralen Mittelfeld. Ob er heute, nach ebenfalls nur zwei Trainings, schon spielt? Das ist die Frage, die Loose nicht beantwortet. In der Vorbereitung spielte auf dieser Position neben Doumbia grundsätzlich Nachwuchsmann Rijad Saliji.

Ein kleines Problem haben sie beim FCW insofern, als von den vier Ausländern von der Elfenbeinküste (Doumbia), aus dem Kosovo (Taipi) und Israel nur drei zusammen auf dem Platz stehen dürfen. Eine Perspektive ist unbestritten positiv: Geschäftsführer Andreas Mösli ist sich sicher, dass mindestens 2000 Saisonkarten abgesetzt werden. Die 1900 aus dem Frühjahr werden überboten – zu einem Rekord für die FCW-Geschichte.

Erstellt: 19.07.2019, 21:05 Uhr

Loose, Callà, Buess – das erwarten Exponenten

Der Trainer. Ralf Loose ist auch vor seinem zweiten Jahr auf der Schützenwiese betont zurückhaltend. Also sagt er: «Ich habe keine grossartigen Erwartungen. Wir haben ein Team, das sich zwischenmenschlich gut versteht und eine gute Hackordnung hat. Unser Ziel muss es sein, dort anzuknüpfen, wo wir letzte Saison aufhörten. Wir müssen als Einheit auftreten, auch mit den Fans. Die sollen gerne kommen, denen wollen wir vor allem auch Kampfgeist zeigen.»
Natürlich störte ihn die Verletztenliste, vor allem die längerfristigen Ausfälle der Verteidiger Granit Lekaj und Marin Cavar: «Vor drei Tagen hatten wir noch zwölf Feldspieler im Training, jetzt ist es uns mit Gjelbrim Taipi und Mario Bühler gelungen, Lücken zu schliessen.» Das beruhigt ihn. «Es wird», denkt er, «eine enge Liga. Und hochinteressant, wenn Leute wie Murat Yakin und Ciri Sforza Trainer sind.»

Der Captain. Auch für Davide Callà ist es, nach seiner Rückkehr, das zweite FCW-Jahr. «Wichtig ist», sagt er, «dass wir gut aus den Startblöcken kommen – und das gegen Aarau, das für mich zu den Aufstiegsfavoriten gehört. Was unsere Mannschaft betrifft, ist mein Grundgefühl positiv. Vor einem Jahr war vieles neu, jetzt sind einige noch immer da und jene, die gingen, wurden ersetzt. Ich denke, wir haben eine Mannschaft mit viel Qualität – fussballerisch und menschlich.» Worauf er, der anerkannte Leader, nach den Erfahrungen aus der vergangenen Saison vor allem achten will: «Es gab in der letzten Saison einige Dinge, gewisse Nebenschauplätze, die nicht schön waren. Die soll es nicht mehr geben.» Dass sich da mal, in Chiasso nach gemeinsamer Auswechslung kurz vor Schluss, Luca Radice und Taulant Seferi in die Haare gerieten, war ein Beispiel. Dass die Mannschaft nach den Wintertransfers, etwa wegen der Entwicklung Seferis, nicht mehr ganz die Einheit des Herbsts war, musste auch festgestellt werden.
Dagegen will der «Chef» schon vorbeugend angehen. Dann soll der FCW «eine Mannschaft sein, die für alle Gegner unangenehm ist.» Ob es, nach Ablauf seines aktuellen Vertrags, seine letzte Saison gewesen sind wird, «werden wir entscheiden, wenn es zu entscheiden ist.»

Der Neue. Remo Buess, Stürmer mit der Erfahrung aus über 100 Super-League-Spielen, ist der «Königstransfer». Er spricht am Ende der Vorbereitung von «sehr positiven Eindrücken». Er habe «selten einen so guten Teamspirit gesehen». Aufgefallen ist ihm die klare Hierarchie. Wenns um Ziele geht, wird auch er zurückhaltend, «schliesslich haben wir noch keinen Punkt gewonnen.» Also formuliert er so: «Wir sind in der Lage, die Favoriten zu ärgern. Und nach hinten sollten wir uns keine Gedanken machen müssen.» In einer Woche soll Buess auch ganz «Winterthurer» sein: Dann zügelt er aus der Ostschweiz hierher. Dass der FCW mit ihm einen «sehr ambitionierten Stürmer» erhalten hat – das sagt er selbst. (hjs)

DER FCW 2019/20

Tor
Nummer 1 Raphael Spiegel (26). – 18 Alexis Rüegg (20). – 36 Bojan Milosavljevic (21).

Abwehr
4 Sead Hajrovic (26). – 5 Julian Roth (21/noch geraume Zeit im Aufbautraining nach schweren Knieverletzungen). – 15 Valon Hamdiu (21/im Aufbau nach Wadenbeinbruch). – 19 Enrique Wild (20). – 20 Marin Cavar (20/fällt mit Kreuzbandriss vorderhand aus). – 22 Mario Bühler (27/neu vom FC Vaduz). – 23 Granit Lekaj (29/im Aufbau nach Schambeinentzündung). – 25 Nils von Niederhäusern (23/neu vom FC Vaduz). – 27 Tobias Schättin (22). – 28 Marc Schmid (20). – 29 Gabriel Isik (20/Deutscher).

Mittelfeld zentral
6 Ousmane Doumbia (27/Ivorer). – 30 Gjelbrim Taipi (26/Kosovare/neu von den Grasshoppers). – 34 Rijad Saliji (20).

Mittelfeld aussen
8 Nuno Da Silva (25/Portugiese/neu, leihweise vom FC Thun). – 10 Martin Liechti (21/neu vom FC Aarau, ausgeliehen vom FC Basel). – 11 Luca Radice (32/Italiener). – 21 Kevin Costinha (18/neu aus der U21/portugiesischer U18-Nationalspieler). – 33 Davide Callà (35/Captain).

Sturm
7 Luka Sliskovic (24/Österreicher). – 9 Roman Buess (27/neu von Lausanne-Sport). – 14 Anas Mahamid (21/Israeli/neu von Beitar Tel Aviv Ramla). – 17 Muhammad «Mido» Bdarney (24/Israeli/neu von Hapoel Ikhsal).

Trainerteam
Cheftrainer: Ralf Loose (56/Deutscher). – Assistent: Dario Zuffi (54). – Torhütertrainer: Paolo Cesari (53/Italiener). – Konditionstrainer: Thomas Breitenmoser (41).

Abgänge
Eris Abedini (via Lugano zum FC Wil). Roberto Alves (zurück zu den Grasshoppers). Remo Arnold (zurück zum FC Luzern). Karim Gazzetta (Stade Lausanne-Ouchy). Mark Anders Lepik (zurück zu Flora Tallinn). Denis Markaj (?). Liridon Mulaj (zurück zu Neuchâtel Xamax). Taulant Seferi (via Young Boys zu Neuchâtel Xamax). Nicolas Stettler (FC Rapperswil-Jona). Patrick Sutter (Brühl St. Gallen).

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben