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Beten mit dem höchsten Schweizer

Ein hoher Politiker auf der Kanzel, die Nachricht getreu seiner Partei – ist das in Zeiten der Trennung von Staat und Kirche legitim? Ja, sagt Pfarrer Leonhard Jost, der Jürg Stahl zum morgigen Gottesdienst einlädt.

Nationalratspräsident Jürg Stahl wird am Sonntag einmal nicht im Bundeshaus sondern in der reformierten Kirche Brütten sprechen.
Nationalratspräsident Jürg Stahl wird am Sonntag einmal nicht im Bundeshaus sondern in der reformierten Kirche Brütten sprechen.

«Die Insel des Friedens Helvetia» wird Nationalratspräsident und somit höchster amtierender Schweizer Jürg Stahl sein Referat in der reformierten Kirche Brütten am Sonntag titeln. Jürg Stahl ist befreundet mit Pfarrer Leonhard Jost, wie jener sagt; er habe ihn überdies getraut und seine Tochter getauft. «Das war der Grund, einmal etwas gemeinsam zu gestalten», sagt Jost, viel mehr, als ein breites Publikum in den Gottesdienst zu locken. Der Bettag scheine ihm die ideale Gelegenheit, gemeinsame Werte der Christengemeinde und der Bürgergemeinde hochzuhalten.

«Präsident für alle»

Stahl wird am Sonntag im Rahmen des Bettagsgottesdienstes sein rund siebenminütiges Referat über «grosse und kleine Kuppeln, wobei es Letztere besonders zu schützen gilt» halten, so Stahl. Der höchste Schweizer, ein SVP-Politiker, wird sein Programm kund tun: Jost sagt, er ­habe Stahl eine «Carte blanche», eine Freikarte, gegeben, eine Einladung, darüber zu referieren, worüber er gerne wolle. Die «kleinen und die grossen Kuppeln» hat sich Stahl als Motto genommen: Genauer: «Einer für alle, alle für einen», getreu der in Eichenlaub gewickelten Botschaft inmitten des Schweizer Wappens aus der grossen Kuppel in Bundesbern. Morgen will er einen Bogen von seiner Botschaft zu den Kuppeln machen: «Ich bin der Präsident für alle», so Stahl.

Himmel und Erde

«Und Adolf Muschg im Zürcher Grossmünster?», fragt Nicolas Mori, Sprecher der reformierten Landeskirche zurück, gefragt, ob politische Persönlichkeiten in die Kirche gehören. Schmunzeln müsse er, wenn er höre, dass ein hoher SVP-Politiker im sonntäglichen Gebet Platz finde: «Die oft als allzu links verortete Kirche erlaubt sich also, am Bettag einen Jürg Stahl einzuladen», sagt er. Mori erinnert daran, dass die Trennung von Staat und Kirche mit dem Kirchengesetz von 2010 zwar weitgehend vollzogen worden sei, aber in Zürich nicht wie in vereinzelten Kantonen strikt auseinander dividiert werde. So untersteht die Kirche dem öffentlichen Recht. Schulische Räumlichkeiten dürfen genutzt werden, Steuern eingezogen werden. Gerade an einem Bettag sei ein solches Gastreferat durchaus passend und stehe in einer Tradition. Und grundsätzlich: «Die Kirche darf sich durchaus um Himmel und um Erde kümmern», sagt er.

Bettagsgottesdienst mit Jürg Stahl: Sonntag, 17. September,10 Uhr in der Kirche Brütten.

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