Betrug

Betrüger zockt Pflegeheime ab

Polizei und Schleifservice-Anbieter warnen vor einer Betrugsmasche. Zuletzt hat es Alters- und Pflegeheime im Kanton Zürich getroffen.

Schlecht geschliffene Messer und überhöhte Preise: Betrüger geben sich als Schleifservice-Anbieter aus.

Schlecht geschliffene Messer und überhöhte Preise: Betrüger geben sich als Schleifservice-Anbieter aus. Bild: Beat Marti

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Die Leiterin Gastro ist noch immer fassungslos über die Dreistigkeit des Mannes, der vor ein paar Wochen plötzlich in der Küche des Pflegeheims stand und nach Messern und Schneidebrettern verlangte. Er gab vor, mit den Verantwortlichenvereinbart zu haben,die Ware zum Schleifen und Hobeln abzuholen.

«Er war bestens über unsere Abläufe und die zuständigen Personen informiert», sagt die Leiterin, die aus Angstweder ihren Namen noch denjenigen des Pflegeheims nennen will. Die ahnungslose Küchenmannschaft gab dem Mann schliesslich die Messer und Bretter mit. 

Später kehrte er zurück und verlangte von der Mitarbeiterin am Empfang mehrere hundert Franken für den Service. Sie liess sich einschüchtern und bezahlte den Betrag. Was die Frau nicht bemerkte: Die Messer waren schlecht geschliffen, die Bretter viel zu stark abgehobelt und mit Furchen versehen. 

Der Preis übertraf die üblichen Ansätze bei weitem. «Mit dem Geld hätte ich neue Messer und Bretter kaufen können», sagt die Leiterin Gastro und nimmt die Mitarbeiterin vom Empfang in Schutz. «Es ging alles sehr schnell. Der Mann ist forsch und fordernd aufgetreten. Er hat mit der Polizei gedroht, falls sie nicht sofort den Betrag bezahlt.»

Kräftig, aggressiv

Mit dem gleichen Trick versuchte er es in einem Alterszentrum im Zürcher Unterland. Der Küchenchef weilte in den Ferien, und wieder platzte der Mann in die Küche. Diesmal gab er sich als Mitarbeiter des Schleifservice-Anbieters Claude Birchler aus und verlangte nach Schneidebrettern.

Auch in diesem Fall war die Qualität der abgehobelten Bretter schlecht und der Preis viel zu hoch. Nur liess sich die Leiterin Hotellerie des Zentrums nicht vom aggressiven Auftreten des kräftigen Mannes einschüchtern. Als er mit der Polizei drohte, erwiderte sie, das sei eine gute Idee. Darauf verschwand der Betrüger. 

Den Ruf geschädigt

Unter den professionellen Schleifservice-Anbietern ist die Masche bekannt. Claude Birchler, als dessen Mitarbeiter sich der Betrüger im Alterszentrum ausgegeben hatte, ärgert sich über den neuerlichen Vorfall. Auf seiner Website warnt er vor «Personen, die behaupten, für uns zu arbeiten und mit schlechter Arbeit und überteuerten Preisen unserem Ruf schaden». 

Auch Urs Hunziker hat schon von solchen Fällen gehört. Er arbeitet für den bekannten Schleifservice Bolleter und ist vorwiegend im Kanton Zürich unterwegs. «Es kommt leider immer wieder vor», sagt er. Nicht nur Heime und Gastrobetriebe seien Ziel der Betrüger, auch Privatpersonen. «Manchmal klingeln sie bei Senioren und drängen sie dazu, Messer und Pfannen abzugeben. Viele wissen dann nicht, dass man die neuen Pfannenböden beschädigt, wenn man sie abschleift.»

 Kaum beizukommen

Was Hunziker auffällt: Die jüngsten Vorfälle geschahen kurz bevor er in der betroffenen Region mit seinem Werkstattwagen Halt machte. Wo das jeweils ist, lässt sich auf seiner Website und anhand der Plakate im Ort einfach ermitteln. Gut möglich, dass der Betrüger dies ausnutzte und die Kunden dadurch leichter täuschen konnte. 

Es sei offenbar schwierig, diesen Leuten das Handwerk zu legen, sagt Hunziker. «Teils haben sie keinen festen Wohnsitz und wechseln regelmässig ihre Telefonnummer.» Werde mal jemand erwischt, sei meistens nicht viel zu holen. «Das kostet dann nur Aufwand, Nerven und Geld.» Er beschränke sich deshalb darauf, seine Kunden vor Betrügern zu warnen. Auf seiner Website schreibt Schleifservice Bolleter: «Wir machen keine Hausbesuche. Ebenfalls lassen wir uns nicht durch andere Personen vertreten. Wir sprechen alle Schweizerdeutsch ohne fremdeAkzente». 

«Nicht einschüchtern lassen»

Von einer Anzeige hat auch die Leiterin Gastro des Pflegeheims abgesehen. «Die Polizei hat mir davon abgeraten», sagt sie. «Man sagte mir, es sei schwierig, gegen diese Personen vorzugehen.»

Auf Anfrage schreibt die Kantonspolizei Zürich indes, dass Betroffene unbedingt die Polizei informieren und Anzeige erstatten sollen. Noch besser sei es aber, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Die Kantonspolizei rät: «Lassen Sie sich nicht einschüchtern, erteilen Sie keine Aufträge unter Druck und verlangen Sie ein Ausweisdokument.»

Zu den beiden Vorfällen äussert sich die Polizei nicht. Auch zur Häufigkeit solcher Betrügereien macht sie keine Angaben. Das beschriebene Vorgehen sei aber nicht abwegig, schreibt die Kantonspolizei in ihrer Antwort. Bei diesen so genannten Haustürgeschäften komme es immer wieder zu Betrügereien. In der Vergangenheit habe die Kantonspolizei Zürich schon diverse tatverdächtige Personen ermittelt.

Erstellt: 11.09.2019, 14:44 Uhr

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