Wiesendangen

Bildungsdirektion stützt Schulpflege bei Mobbing-Vorwurf

Eine Schülerin soll in Wiesendangen gemobbt worden sein. Die Schule wehrt sich.

Im Schulhaus Dorf II in Wiesendangen soll ein Mädchen gemobbt worden sein. Die Schule wehrt sich gegen den Vorwurf, man habe tatenlos zugesehen: «Die möglichen und notwendigen Interventionen wurden vorgenommen.»

Im Schulhaus Dorf II in Wiesendangen soll ein Mädchen gemobbt worden sein. Die Schule wehrt sich gegen den Vorwurf, man habe tatenlos zugesehen: «Die möglichen und notwendigen Interventionen wurden vorgenommen.» Bild: Madeleine Schoder

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«Gemobbt, bis sie sich töten wollte», schrieb der «Blick» gestern in Grossbuchstaben auf seiner Titelseite. Daneben ein Foto einer ehemaligen Wiesendanger Schülerin. Im Artikel richtet ihr Vater schwere Vorwürfe an die Schule: «Meine Tochter wurde fertiggemacht, bis sie sich umbringen wollte, und die Schule sah einfach nur zu.»

Hubert Herger, Kommunikationsverantwortlicher der Schulpflege, widerspricht dieser Darstellung vehement: «Diese Vorwürfe sind haltlos. Es wurden zig Stunden Schulsozialarbeit investiert, um die Situation der Schülerin zu verbessern.»

Eine Problemklasse

Es stimme allerdings, dass der Umgang in der betroffenen Klasse ruppig gewesen sei: «Es gab überdurchschnittlich viele Interventionen seitens der Schule in dieser Klasse», sagt Herger. Dies bereits bevor die Schülerin im Sommer 2017 nach Wiesendangen zog. Das erste Mal mit der Schülerin zusammengesessen sei man im Februar 2018.

Herger sieht in diesem Fall nicht alle Kriterien von Mobbing erfüllt: «Fachsprachlich betrachtet war es kein Mobbing.» Für ihn ist das keine Wortklauberei: «Ich finde es sehr wichtig, dass wir das Wort Mobbing dann einsetzen, wenn es auch angebracht ist.» Im Alltag werde es sehr häufig eingesetzt, dadurch verliere dann die Schwere von echten Mobbingfällen an Gewicht.

«Es wurden zig Stunden Schulsozialarbeit investiert, umdie Situation der Schülerin zu verbessern.»Hubert Herger, Schulpflege Wiesendangen

Es sei aber auch sehr schwierig, Mobbing zu erkennen. So steht im «Blick», dass die Schülerin aufgrund ihrer veganen Ernährung «Rasenmäher» genannt wurde. Herger nennt ein Beispiel: «Wenn dann jemand zu ihr auf dem Pausenplatz sagt: ‹Mein Vater hat gestern den Rasen gemäht, und deiner?›, dann ist das im ganzen Kontext etwas, das in Richtung Mobbing geht.» Isoliert betrachtet sei es hingegen nur ein harmloser Satz. In einem Klassenchat schrieb der Schülerin jemand: «Bring di umm.» Laut Herger war dieser Chat aber kein Kommunikationsgefäss der Schule und deshalb auch nicht moderiert. «Das ist ausserhalb unseres Kontrollbereichs.»

«Ernst genommen»

Die Schülerin begann zu hungern. Ihr Plan: immer weniger zu essen, bis der Körper irgendwann ausgelaugt ist und das Herz nicht mehr schlägt. Doch die Schulärztin bemerkte den Gewichtsverlust der Schülerin und konfrontierte die Eltern damit. Diese nahmen sie kurz darauf von der Schule. Sie kam in eine Klinik.

Die Eltern reichten später erfolglos Aufsichtsbeschwerde bei der Bildungsdirektion ein. Im Entscheid heisst es laut Herger: «Die möglichen und notwendigen Interventionen unter Einbezug professioneller Unterstützung wurden von der Schule jeweils vorgenommen.» Eine Vielzahl von Gesprächen und Korrespondenzen sei dokumentiert.

Die Probleme des Mädchens seien «ernst genommen und mit Umsicht und Rücksicht» behandelt worden. «Durch diesen Bericht fühlen wir uns bestätigt, auf dem richtigen Weg zu sein», sagt Herger. Der Fall habe die Schulpflege aber «wirklich beschäftigt», das Schicksal der Schülerin tue ihnen sehr leid. «Wir sind aber überzeugt, dass wir gemacht haben, was wir konnten.» Denn es gebe Bereiche im Leben eines jungen Menschen, in denen die Schule keinen Einfluss habe.

Erstellt: 25.02.2019, 21:43 Uhr

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