Winterthur

Böhmisches Liebesglück

Mit langem Applaus feierte das Publikum am Freitag das Comeback des Theaters Pilsen im Theater Winterthur. Die tschechische Partnerstadt präsentierte «Die verkaufte Braut» – ein Glücksfall in jeder Hinsicht.

Mühelos schlanke und griffige Stimmen: Aleš Briscein und Ivana Verberová als Liebespaar.

Mühelos schlanke und griffige Stimmen: Aleš Briscein und Ivana Verberová als Liebespaar. Bild: zvg

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Die Partnerschaft Winterthurs mit der tschechischen Stadt Pilsen ist eine alte Geschichte und regelmässige Gastspiele des J. K. Tyl Theaters gibt es seit 1994. Wer beim Namen Pilsen aber zuerst ans Bier denkt, liegt in Sachen Oper auch nicht daneben. Er befindet sich damit schon im zweiten Akt von Bedrich Smetanas Komischer Oper «Die verkaufte Braut». Wenn der Vorhang aufgeht, preist der Männerchor aus vollen Kehlen diese «Gottesgabe». Denn was wäre, wenn es das Bier nicht gäbe? «Wir sässen im Trocknen und täten uns leid.»

Polka, Furiant – die tschechischen Tänze sind eine Ohr- und Augenweide.

Aufs lokale Product Placement verzichtet die Inszenierung (Tomáš Pilaf, Jana Zborilova). Sie präsentiert die Dorfgeschichte aber keineswegs trocken, sondern flockig stilisiert. Die Bierkrüge sind unbeschriftet, das Bühnenbild markiert abstrakt die Dorfsilhouette, die neutralen Flächen dienen der Lichtregie.

Die aufgeräumte Bühne ist frei für ein lockeres Spiel mit den bäuerlichen Requisiten der Dorfgeschichte, und diese lebt vom Spiel und der Bewegungslust des Ensembles. Es präsentiert sich hübsch in sonntgälich folkloristischen Farben. Schliesslich geht es um Hochzeit, und die Musik fordert zum Tanz auf: Polka, Furiant – die tschechischen Tänze sind eine Ohr- und Augenweide.

Der Siebte Himmel

Mit der Hochzeit hapert es allerdings, das verrät schon der Titel. Wir haben es mit einer witzigen, aber auch dramatischen Geschichte zu tun, mit dem aufgeblasenen Heiratsvermitteler Kecal und mit verstockten Eltern. Und da sind Marenka und JenÍk mit dem «Dolce amoroso», das der komponierte Siebte Himmel ist, und mit der Verzweiflung der Braut, die nicht in die List des Bräutigams eingeweiht ist und sich verkauft vorkommt.

Im Guten und Bösen überraschten in der Aufführung am Freitag Aleš Briscein (JelnÍk) und Ivana Verberová (Marenka) mit ihren mühelos schlanken und griffigen Stimmen als bezauberndes Liebespaar, schmelzend im Glück, herrlich impulsiv in der temperamentvollen Auseinandersetzung samt Kissenschlacht.

Mit der Hochzeit hapert es allerdings.

Die rührend triste Gestalt im Handel ist Jelníks Halbbruder Wenzel (Tomáš KorÍnek ), köstlich in seiner Komik wie das ganze von Kecal (JevhenŠokalo) angeführte Buffa-Ensemble.

Hohe musikalische Präzision und deftiges Spiel zeichnen es aus, dies auch im rasanten, aber keineswegs mechanischen Tempo des Dirigenten JirÍ Štrunc und im Verein mit dem kleinen und bestechend agilen und klangfrischen Orchester. Zuletzt war die Pilsener Oper 2013 in Winterthur aufgetreten, mit der Oper «Das Geheimnis», die vielfach als Smetanas grösste kompositorische Leistung gilt.

Weiter so

Sie teilt das Schicksal seiner anderen Opern, die international alle im Schatten der «Verkauften Braut» stehen. Dass diese Ignoranz eigentlich schade ist, war dank der regelmässigen Gastspiele der Partnerstadt wiederholt zu konstatieren. Schön und bereichernd für die hiesige Musiklandschaft, wenn diese Beziehung sich nun erneuert.

(Der Landbote)

Erstellt: 17.12.2017, 17:08 Uhr

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