Dättlikon

«Bosseln können wir auch»

Beim Schützenhaus in Dättlikon spielte sich gestern Ungewöhnliches ab: Männer warfen mit Kugeln um sich.

Es sieht aus wie Kegeln, heisst aber Bosseln. Turner der Männerriege Pfungen spielten das norddeutsche Spiel gestern auf der Freiensteinerstrasse. Mit dabei: Bier im Handwägeli.

Es sieht aus wie Kegeln, heisst aber Bosseln. Turner der Männerriege Pfungen spielten das norddeutsche Spiel gestern auf der Freiensteinerstrasse. Mit dabei: Bier im Handwägeli. Bild: PD

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Wer gestern Abend zufällig beim Schützenhaus in Dättlikon vorbeikam, mag sich über einen Haufen fröhlicher Männer mittleren Alters gewundert haben. Sie warfen mit voller Wucht Holzkugeln der Strasse entlang, um ihnen dann grölend und schwatzend hinterherzulaufen und das Spiel von neuem beginnen zu lassen. Die 20 Personen, die sich da zusammenfanden, gehören zur Männerriege Pfungen. Sie haben gebosselt.

Bei diesem norddeutschen Freizeitsport messen sich zwei Mannschaften darin, eine Kugel aus Holz oder Gummi von rund zwölf Zentimetern Durchmesser möglichst weit zu werfen. Wer von beiden Parteien die festgelegte Strecke mit weniger Würfen zurücklegt, hat gewonnen. Im Raum Bremen und Oldenburg, wo das Bosseln Tradition ist, gibt es dazu jeweils Schnaps sowie Grünkohl und Pinkel, eine grobkörnige Gewürzwurst.

«Die grösste Herausforderung war es, eine lange und möglichst gerade Strasse ohne Gefälle zu finden.»Andreas Kirchheim, Männerriege Pfungen

Dass Schweizer auch gut und gerne bosseln – mit Salat, Cervelat und Bier statt Grünkohl und Pinkelwurst –, hat die Männerriege Pfungen gestern zum siebten Mal unter Beweis gestellt. «Das Bosseln gehört bei uns ins Jahresprogramm», erzählt der gebürtige Oldenburger Andreas Kirchheim, der den Anlass jeweils zusammen mit Turnkollege Dietmar Stax organisiert, dessen Wurzeln ebenfalls in Norddeutschland liegen.

Beim Bosseln sollten die Kugeln weder vom Weg abkommen noch andere Teilnehmer treffen. Wem dies gestern dennoch passierte, der musste sich auch mal ein «Löli» anhören. «Am meisten zu diskutieren geben immer die Regeln», sagte Hanspeter Willi, Präsident der Männerriege. Doch allzu hitzige Gemüter konnten sich dann mit einem Bier aus dem mitgeführten Leiterwägelchen wieder abkühlen.

«Am meisten zu diskutieren geben immer die Regeln.»Hanspeter Willi, Präsident der Männerriege

Die grösste Herausforderung sei es gewesen, eine lange und möglichst gerade Strasse ohne Gefälle zu finden, sagt Kirchheim. Im Norden Deutschlands sei das topografisch kein Problem. «Aber hier mussten wir lange suchen, bis wir eine gefunden haben, die den Anforderungen des Bosselns entspricht.»

Als geeignet entpuppte sich schliesslich die landwirtschaftliche Strasse, die vom Schützenhaus in Dättlikon nach Freienstein führt und deshalb Freiensteinerstrasse heisst. Und so kam es, dass sich dort gestern auf beste schweizerische Manier ein Stück norddeutsches Kulturgut abspielte.

(Der Landbote)

Erstellt: 14.07.2018, 09:40 Uhr

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