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Bund plant Militär-Radar in Schmidrüti

Die Armee will in Schmidrüti eine Radaranlage installieren, um den Luftraum zu überwachen. Das Gelände diente einst als Lenkwaffenstützpunkt.

Kein Durchgang: Die Militäranlage in Schmidrüti ist für Passanten gesperrt.
Kein Durchgang: Die Militäranlage in Schmidrüti ist für Passanten gesperrt.
Marc Dahinden

Der Zugang zur Militäranlage in Schmidrüti liegt mitten im Wald. Ein Zaun versperrt Neugierigen den Zugang. Bis 1999 war streng geheim, was dahinter geschah. Inzwischen ist bekannt, dass die Schweizer Luftwaffe dort Lenkwaffen des Typs «Bloodhound» stationiert hatte. Noch heute sind auf Satellitenbildern die Abschussvorrichtungen für diese Waffen mit grosser Reichweite zu sehen (siehe Bild rechts). Diesen Sommer plant die Armee ein neues Bauwerk auf dem Gelände. Sie will eine über 20 Meter hohe Radaranlage aufbauen mit zwei sich ständig drehenden Reflektorantennen. Das Projekt ist Bestandteil des millionenteuren Militärischen Anflugleitsystems (MALS Plus), das sich aufgrund diverser Schwierigkeiten um mehrere Jahre verzögert hat.

Drei Standorte untersucht

Die Pläne für das Radargerät in Schmidrüti liegen bis 26. Februar in der Gemeindeverwaltung Turbenthal öffentlich auf. Das militärische Gesuch für das Plangenehmigungsverfahren wurde unlängst im «Tössthaler» publiziert, worauf die Lokalzeitung darüber berichtete. Die Unterlagen sind nicht im Internet zugänglich, vor Ort aber einsehbar.

Das in Schmidrüti geplante Teil heisst demnach Area Surveillance Radar, kurz ASR. Es soll leicht erhöht auf einer Krete aufgestellt werden, dort wo sich früher ein Zielsuch- und Verfolgungsradar des Lenkwaffensystems befunden hatte.

Die Armee begründet das Bauvorhaben damit, dass die heutige Radarabdeckung im Raum Nordostschweiz im unteren Luftraum Lücken aufweise. Skyguide habe drei Standorte näher untersucht, nebst Schmidrüti sind das Gubel und Wangenerberg. Messungen hätten ergeben, dass Schmidrüti am besten geeignet sei. Die Anlage war ursprünglich allerdings an einem ganz anderen Ort vorgesehen, nämlich in Locarno. Aus «politischen und operationellen Gründen» sei das dort aber nicht möglich gewesen, heisst es in den Projektunterlagen. Deshalb werde dort nun ein anderes System angewendet.

So tief wie möglich

In Schmidrüti ist bislang kein Widerstand in Sicht. Direkt betroffen sind jedenfalls nicht allzu viele Anwohner. Die nächsten Wohnhäuser liegen rund 160 Meter entfernt und rundherum wächst Wald. Einsprachen gegen das Vorhaben sind bis gestern keine eingegangen, wie es auf der Gemeinde hiess. Das Gelände gehört dem Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), Bauherrin ist Armasuisse Immobilien.

Mit rund 20 Metern Höhe hat Armasuisse gemäss Unterlagen zudem die minimalste Variante gewählt, die noch eine Rundumsicht gewährleistet. Der untere Teil des Radars werde durch Bäume verdeckt. Künftig müsse jedoch darauf geachtet werden, dass die Pflanzen nicht ins Sichtfeld wachsen.

Strahlung und Lärm getestet

Ein Ingenieurbüro hat im Auftrag von Armasuisse anhand von Richtwerten Lärmmessungen vorgenommen. Die beiden Antennen auf dem Turm werden sich 12 oder 15 Mal pro Minute um sich selber drehen. Das Büro kommt zum Schluss, dass die Lärm-Grenzwerte der Anlage deutlich unterschritten würden.

Eine Fachstelle im VBS simulierte zudem die elektromagnetische Strahlung, die durch die Radaranlage wohl entstehen könnte. Auch hier würden die Grenzwerte «überall mit grosser Reserve eingehalten», wie es in einem Gutachten weiter heisst. «Die sehr tiefe Feldstärke» sei darauf zurückzuführen, dass die Anlage auf einen relativ freistehenden Hügel gebaut werde, der alle umliegenden Geländepunkte deutlich überrage. Das sei wohl auch der Grund, weshalb schon das «Bloodhound»-Radargerät dort installiert worden sei.

Projekt dauert schon Jahre

Bestandteile für das neue Militärische Anflugleitsystem sind schweizweit nur an wenigen Orten vorgesehen: in Payerne, Emmen, Meiringen und damals noch in Locarno, wie es in einem Bericht von Bundesrat Guy Parmelin von Ende 2016 heisst. Gerechnet wurde da mit Gesamtkosten von 359 Millionen Franken. Bis 2020 sollen die älteren Systeme ersetzt sein. Denn diese genügen nicht mehr, um bei jedem Wetter sowie bei Tag und Nacht Flugeinsätze mit sicherer Rückkehr durchzuführen. Projektstart war schon 1998. Lange Lieferzeiten der einzelnen Systeme sowie «die Komplexität und Abhängigkeit der Prozesse auf Flughäfen» führten laut Projektbericht zu dieser langen Laufzeit. Hinzu kamen Verzögerungen wegen technischer Schwierigkeiten. Die topografischen Verhältnisse hierzulande waren eine grössere Herausforderungen für das System, wie die Medienstelle von Armasuisse mitteilt.

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