Winterthur

Chefärztin sieht Zunahme von Sterbehilfe in Heimen kritisch

In Schweizer Pflegeheimen kommt es vermehrt zu assistierten Suiziden. Alterspsychiaterin Jacqueline Minder weist auf Probleme dieser Entwicklung hin: In Heimen entstehe dadurch eine schwierige Dynamik. Exit begrüsst die Zunahme.

Psychische Krankheiten wie Depressionen werden in Heimen nicht immer erkannt und professionell behandelt.

Psychische Krankheiten wie Depressionen werden in Heimen nicht immer erkannt und professionell behandelt. Bild: Keystone

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Die Sterbehilfeorganisation Exit begleitet in der Deutschschweiz Jahr für Jahr mehr Personen in Heimen in den Tod. Es handelt sich zwar nach wie vor um Ausnahmefälle, die Tendenz ist jedoch steigend. Im Jahr 2007 begingen zehn Personen in Heimen mit Exit assistierten Suizid, 2014 waren es 60, im vergangenen Jahr 92 Personen, dies bei 782 Freitodbegleitungen insgesamt.

«Jeden Monat kommen neue Heime hinzu, die Sterbehilfe zulassen», sagt Exit-Geschäftsleiter Bernhard Sutter. Er sieht die Entwicklung positiv: «Viele Heime sind offener geworden und respektieren die Selbstbestimmung ihrer Bewohner», sagt Sutter. Es sei nicht nur für kaum noch transportfähige Patienten ein Vorteil, wenn sie in ihrem gewohnten Umfeld sterben könnten. Die Erfahrungen in der Stadt Zürich hätten gezeigt, dass es sich trotz der Erlaubnis seit 2001 bei Sterbehilfe in Heimen nicht um ein Massenphänomen handle.

Die Befürchtungen, dass Heime in von Anfragen überrollt würden, hätten sich nicht bewahrheitet, sagt Sutter. Die Zahlen in Zürich seien über längere Zeit stabil geblieben. Auch diverse Heime in der Region Winterthur lassen Sterbehilfe zu. Sie stellen dafür aber klare Auflagen.

Statistisch steigt Gefährdung

Jaqueline Minder, Chefärztin und Bereichsleiterin Alterspsychiatrie in der Integrierten Psychiatrie Winterthur – Zürcher Unterland, spricht dennoch Probleme dieser Entwicklung an. Sie habe zwar grundsätzlich nichts dagegen, wenn Heime Sterbehilfe zulassen, sagt sie. Gleichzeitig sei die Dynamik, welche diese auslöse jedoch sehr sehr schwierig. Aus der Forschung wisse man, dass Menschen, die in ihrem Umfeld Suizide oder nur schon Suizidversuche erlebt haben, statistisch gesehen stärker gefährdet sind, ebenfalls Suizid zu begehen. «Das gilt auch für assistierte Suizide.»

Erstellt: 31.10.2016, 15:46 Uhr

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