Ellikon an der Thur

Christoph Mörgeli kritisiert Forel Klinik in der «Weltwoche»

Die Grundsätze des Gründers Auguste Forel würden ins Gegenteil verkehrt, findet Mörgeli. 

Die Forel Klinik in Ellikon an der Thur behandelt Suchtkranke.

Die Forel Klinik in Ellikon an der Thur behandelt Suchtkranke. Bild: Marc Dahinden

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«Entfremdung im Dorf», so lautet der Artikel von Ex-SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli, den er am Donnerstag in der «Weltwoche» publizierte. Darin kritisiert er den Wandel der Forel Klinik, 1888 von Psychiater Auguste Forel in Ellikon an der Thur gegründet. Mörgeli vergleicht die heutige Suchttherapie mit derjenigen des Gründers.

Dieser verlangte – im Gegensatz zu heute – eine vollständige Alkoholabstinenz. Längere Therapien, körperliche Arbeit sowie «Ordnung, Pünktlichkeit und Reinlichkeit» stellt er heutigen «Teams, die in Einzel- oder Gruppengesprächen Psychotherapie betreiben» gegenüber. Seit Staat und Krankenkassen die Klinik übernommen hätten, gehe es bergab.

Patienten kastriert

Mörgeli hat eine besondere Beziehung zu Gründer Forel, der heute als umstrittene Persönlichkeit gilt. Der Sozialist sterilisierte und kastrierte Psychiatriepatienten, um «die Entarteten an ihrer Vermehrung zu hindern», wie er schrieb. Deshalb entbrannte 2005 eine Debatte um eine Forel-Büste der Universität Zürich. Das Rektorat entschied, dass Mörgeli als damaliger Kurator am Medizinhistorischen Museum eine einordnende Inschrift verfassen soll. Bei Bauarbeiten im Jahr 2006 ist die Büste jedoch abtransportiert worden. Medizinhistoriker Mörgeli sieht sich «als einer der besten Kenner von Leben und Werk Forels».

Im kritischen Artikel zur Forel Klinik sind alle Stimmen anonymisiert. Eine Anwohnerin sagt: «Die Trinkerheilstätte ist zu einer Wohlfühloase verkommen, wo jeder macht, was er will.» Lärmbelästigungen seien «zunehmend ein Thema», für Patienten und Mitarbeitende stünden zu wenige Parkplätze zur Verfügung. Ein gewisser Unmut mache sich in der Gemeinde breit, schreibt Mörgeli.

Nicht konfrontiert

Die Klinik kann im Artikel keine Stellung zu den Vorwürfen beziehen. Mörgeli sagt auf Anfrage: «Ich habe letzten Dienstag mehrmals versucht, mit der Klinik in Kontakt zu kommen, was wegen der längeren Mittagspause und wegen der Tatsache, dass ich später nicht zu zuständigen Stellen vordringen konnte, nicht möglich war.» Beatrice Müller, für die Kommunikation der Forel Klinik verantwortlich, bestreitet das: «Wir sind in keiner Art und Weise von Herrn Mörgeli angefragt worden und wussten nichts von diesem Artikel.» Aus diesem Grund werde man zu seinen Ausführungen auch keine Stellungnahme abgeben.

Mörgeli sagt, grundsätzlich gehe es ihm um die «andere Sicht». Der Auslöser für den Artikel seien unzufriedene Elliker gewesen. Die «etlichen anonymen Quellen» gibt Mörgeli gegenüber dem «Landboten» für Rückfragen nicht preis. Ein zunehmender Unmut unter Anwohnern lässt sich in Recherchegesprächen nicht erhärten.

Keine Klagen eingegangen

Martin Bührer, parteiloser Gemeindepräsident von Ellikon an der Thur, hat keine Freude am Artikel: «Er ist demagogisch geschrieben.» Gemäss Bührer sind bei der Gemeinde keine Klagen zur Klinik eingegangen. Der Lärm sei vor rund zwei Jahren einmal Thema gewesen. «Das haben wir aber im Dialog gelöst.» So würden gewisse Therapieformen nur noch in geschlossenen Räumen stattfinden.

Etwas anders sieht es bei den Parkplätzen aus. So würden einige Patienten vor Ort einen Parkplatz mieten. «Andere parkieren hingegen wild», sagt Bührer. Diesbezüglich sei man aber in einem ständigen Austausch mit der Klinik. «Wir haben dieses Problem im Auge.» Wenn es überborde, müsste man ein Parkverbot ins Auge fassen, was aber relativ aufwändig wäre. Grundsätzlich fordere die Klinik ihre Patienten auf, mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie dem Postauto anzureisen.

Als die Klinik vor sieben Jahren den Betrieb ausbauen wollte, hatte sich die Gemeinde mit der Klinik um die Mitarbeiter-Parkplätze gestritten. Die Gemeinde setzte damals eine grössere Anzahl Parkplätze durch. «Nun zeigt sich, dass es jetzt vielleicht schon wieder zu wenige hat», sagt Bührer. Auf dem Gelände der Klinik gebe es noch Potential.

Mit der Klinik pflege man «im Grossen und Ganzen einen guten Dialog», sagt Bührer. Die Forel Klinik gehöre zu Ellikon «und dazu stehen wir auch zu hundert Prozent». Sie sei ein wichtiger Arbeitgeber, vor allem viele Ellikerinnen seien dort angestellt. «Das freut mich natürlich sehr.» Früher waren um die Klinik verschiedene Handwerksbetriebe angesiedelt: Ein Bauernhof, eine Schreinerei, eine Druckerei und eine Gärtnerei. Diese sind alle verschwunden. «Dadurch ist die Distanz zum Dorf sicher grösser als noch vor zehn Jahren», sagt Bührer. Gleichzeitig ist durch das Wachstum der Gemeinde ein neues Quartier entstanden. «Dadurch ist die Klinik heute räumlich näher beim Dorf.»

Erstellt: 06.09.2019, 17:21 Uhr

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