Turbenthal

Chropfleerete zum Thema Fluglärm

Regierungsrätin Carmen Walker Späh will sich für weniger Nachtflüge einsetzen. Zahlreiche Fluglärmkritiker konnte sie an einer Podiumsdiskussion damit nicht beruhigen.

Besonders die Überflüge am späten Abend stören viele Tösstaler.

Besonders die Überflüge am späten Abend stören viele Tösstaler. Bild: Barbara Truninger

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Ein älterer Mann aus Wila sagte beim Apéro nach dem Fluglärmpodium am Freitagabend in Turbenthal, warum ihn das Thema derzeit so beschäftigt: Früher habe er die Äpfel in seinem Garten direkt vom Baum pflücken und essen können. Heute sei das nicht mehr möglich. Er müsse sie zuerst waschen. Für ihn ist klar, woher die feine Schmutzschicht kommt: Von den Flugzeugen, die über das Tösstal Richtung Flughafen Zürich donnern.

Andere stört vor allem der Fluglärm am späten Abend, der auch nach 23 Uhr nicht aufhört, da bis 23.30 Uhr Verspätungen abgebaut werden können.

Regierungsrätin Carmen Walker Späh (FDP), sagte schon in ihrem Anfangsvotum deutlich, dass es beim Verspätungsabbau in diesem Ausmass nicht weitergehen könne: «Da haben wir Handlungsbedarf, da bin ich nicht zufrieden.»

Neu ist das nicht. Auch an der Podiumsdiskussion vor zwei Jahren hatte sie versprochen, dieses Problem anzupacken. Einfach sei das aber nicht, warnte sie damals. Man müsse daran arbeiten, den Flughafen zu Spitzenzeiten zu entlasten.

Langwierige Prozesse

Ganz grundsätzlich hatte man an der Podiumsdiskussion den Eindruck, dass sich in den vergangenen zwei Jahren im Grunde kaum etwas geändert hat. Die Debatte drehte sich um ähnliche Punkte. Dennoch ist das Interesse der Bevölkerung weiterhin relativ gross. Grob geschätzte 300 Personen verfolgten die Podiumsdiskussion in der Grosshalle. Darunter auch Fluglärmgegner aus anderen Regionen, wie sich bei der Fragerunde am Schluss zeigte. So ergriff ein verärgerter Mann aus Wallisellen als erster das Mikrofon. «Die Politik macht, was sie will», polterte er. Ein Mann aus Tagelswangen forderte, dass der Lärm anders verteilt werden sollte. Und zwar so, dass insgesamt mehr Leute betroffen wären und dafür einzelne Personen weniger stark belastet würden.

Darauf antwortete Carmen Walker Späh, dass es das Ziel sei, den Lärm zu kanalisieren und nicht, diesen auf grössere Gebiete zu verteilen. Diese Stossrichtung sei gesetzlich vorgegeben und auch sinnvoll.

Kritiker ernten Applaus

Harsche Kritik an der Flughafenpolitik äusserte Urs Dietschi vom Bürgerprotest Fluglärm Ost. «Jede Nacht wird uns bewusst, dass der Flughafen wichtiger ist als unsere Gesundheit», sagte er. Dietschi sprach vom Fluglärm als Gift und bezeichnete Messflüge in der Nacht als «riesen Schweinerei». Nur eine Himmelsrichtung werde geschont: der Süden. Für seine markigen Worte erntete er im Saal viel Applaus. Dass im Süden des Flughafens die Stadt Zürich liegt und dort daher viel mehr Leute betroffen wären, erwähnte er nicht.

Auch SP-Nationalrat Thomas Hardegger, Präsident des Schutzverbands der Bevölkerung um den Flughafen Zürich, kam mit seiner Kritik beim Publikum sehr gut an. Man solle sich einmal grundsätzlich überlegen, welche Rolle der Flughafen übernehmen soll. Heute seien viele Kosten nicht gedeckt, wodurch billige Flüge quasi subventioniert würden, etwa für 47 Franken nach Paris. «Wo ist da der volkswirtschaftliche Nutzen?»

In der Schlussrunde wünschte sich Hardegger, dass man die Privatisierung des Flughafens rückgängig machen würde, dann könnte der Regierungsrat stärker Einfluss nehmen.

Ärger über Deutschland

Der Einfluss Zürichs ist tatsächlich beschränkt. Carmen Walker Späh sitzt zwar im Verwaltungsrat der Zürich Flughafen AG, kann dort aber nicht alleine entscheiden. Zudem reden auch der Bund und Deutschland mit. Walker Späh wie auch Stefan Tschudin vom Flughafen Zürich wiesen darauf hin, dass das Betriebsreglement aus dem Jahr 2014 Verbesserungen bringen würde, auch für Turbenthal. Doch Deutschland blockiert die vollständige Umsetzung. Für Carmen Walker Späh ist das «ein Skandal». In jedem Kontakt mit Deutschland drücke sie ihr Unverständnis darüber aus.

Die Fluglärmgeplagten im Tösstal und in anderen Regionen, die noch stärker betroffen sind, dürfte das kaum beruhigen. Der ältere Mann aus Wila war nach dem Podium jedenfalls nicht zufrieden. Auf sein Problem mit den Äpfeln hat er keine Antworten erhalten.

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Erstellt: 14.04.2018, 12:54 Uhr

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