Winterthur

Das Essen für die Winterthurer Schulkinder kommt neu aus Zürich

Die Schul-Menüs liefert eine «klimaneutrale» Firma. Durch die sogenannte Kaltlieferung solls sogar besser schmecken.

Eine sättigende Portion Nachhaltigkeit für jedes Hort-Kind. Foto: mad

Eine sättigende Portion Nachhaltigkeit für jedes Hort-Kind. Foto: mad

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Viele Jahre lang war die Gastronomie in der schulergänzenden Betreuung, also bei den Mittagstischen der Winterthurer Horte, in lokaler Hand. Gekocht wurde in der SV-Küche in der Grüze, die Optimo brachte die noch warmen Speisen auf die Kindertische. Neu kommen die Menüs – es sind rund 1600 jeden Tag – aus Zürich. Der Stadtrat vergab kürzlich den Auftrag mit einem jährlichen Wert von 2,4 Millionen Franken neu.

Und es ist ein klares Zeichen der Zeit, dass der Stadtrat beim Essen für die Jüngsten nicht mehr in Eigenregie handeln konnte. Das Stadtparlament forderte letztes Jahr einen ganzen Kriterienkatalog ein, nach dem gekocht werden soll. Die erwartbaren Stichworte: Bio, saisonal, nachhaltig.

Bio gut, Palmöl schlecht

Die Sieger-Firma Menu and More AG aus Zürich, die auch dort schon die Schulen beliefert, hält diese Kriterien ein und geht noch darüber hinaus. Palmöl wurde komplett verbannt, sämtliches Fleisch stammt aus der Schweiz und jedes fünfte Produkt ist bio – es sollen stetig mehr werden. Eingeflogen wird nichts und Saisongerechtigkeit werde seit Jahren praktiziert. Die Firma mit 56 Angestellten rühmt sich zudem, sie sei klimaneutral. Das gelte auch für den Transport der Mahlzeiten nach Winterthur – die Abgase würden mit dem Einkauf von Zertifikaten kompensiert und auf den Autodächern habe es Solarzellen, heisst es bei der Geschäftsleitung.

Die Firma gehört zu 20 Prozent der Stadt Zürich, sie ging historisch aus der Stadtküche Zürich hervor, die 1879 als «Volksküche für die Armenspeisung» gegründet wurde. Die restlichen 80 Prozent der heutigen Menu and More AG hält die Westschweizer Gastrofirma Eldora AG, hinter der wiederum die Stiftung DSR aus dem Waadtland steht, die einen christlichen Hintergrund aufweist und einst vom Cevi Schweiz und dem Blauen Kreuz Romandie gegründet wurde.

Plötzliche Kritik des Stadtrats

Doch nicht nur soll jetzt wie in Zürich alles nachhaltiger und biologischer sein, sondern auch noch besser schmecken. Das versprechen zumindest die Lieferfirma und der Stadtrat. Und dies hänge vor allem mit der sogenannten Methode der Kaltlieferung zusammen. Neu werden die Mahlzeiten sofort nach Zubereitung auf fünf Grad runtergekühlt und so transportiert. Die Schulen erhalten von Menu and More Kühlschränke und sogenannte Regeneriergeräte, worin das Essen auf Servier-Temperatur gebracht wird – dies alles ohne Pasteurisation oder Konservierungsstoffe, wie die Firma beteuert.

Im Gegensatz dazu wurden die Mahlzeiten in Winterthur in den letzten Jahren stets warm geliefert. Nachträglich scheint der Stadtrat nun plötzlich ein Problem damit zu haben. Wie Schulvorsteher Jürg Altwegg (Grüne) auf Anfrage schreibt, habe diese Methode nämlich zu «Nachteilen bei Qualität, Nährstoffen und Lebensmittelsicherheit» geführt.

Fast alle Schulen in der Stadt beziehen ihr Essen vom neuen Caterer, nur einzelne kochen selber. Und wem es am Hort-Tisch nun nicht mehr schmeckt, der hat Pech gehabt: Der Catering-Auftrag hat mit fünf Jahren Laufzeit fast die Dauer der ganzen Primarstufe.

Erstellt: 01.11.2019, 16:35 Uhr

Lokale Anbieter unterliegen

Bisher war das Schulcatering eine lokale Angelegenheit. Die SV Group kochte in der Grüze und die Firma Optimo lieferte in die Schulhäuser. Für die Optimo fällt nun «ein grosser Auftrag» weg. Die SV Group muss Personal an anderen Orten einteilen und bedauert den Entscheid, wie es auf Anfrage heisst. Kinder und Schul-Verantwortliche seien mit dem Essen stets zufrieden gewesen.

Dass keine lokalen Anbieter mehr berücksichtigt werden, erklärt Schul-Stadtrat Jürg Altwegg (Grüne) mit Qualitäts-Kriterien und verweist auch auf die geltenden Submissions-Regeln: «Die öffentliche Hand kann bei einer Ausschreibung keine Einschränkung im Bezug auf den Anbieterstandort formulieren, das wäre vor Gericht leicht anzufechten.»

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