Winterthur

Das Kellerabteil der Zukunft

Das Geschäft mit kleinen Lagerräumen boomt. Das «Place B» in der früheren Erb-Garage in der Steig ist 24 Stunden am Tag zugänglich. Schlüssel gibt es nicht, alles geht übers Handy.

Auf Expansionskurs: Manuel Gerber (45), Mitgründer von «Place B». Das kleinste Abteil an der Steigstrasse kostet 39 Franken im Monat.

Auf Expansionskurs: Manuel Gerber (45), Mitgründer von «Place B». Das kleinste Abteil an der Steigstrasse kostet 39 Franken im Monat. Bild: Marc Dahinden

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Manuel Gerber steht vor der hellgrünen Metalltür. Sie hat keine Türfalle und kein Schlüsselloch. Auf dem iPhone zieht Gerber einen Schiebeknopf nach rechts und wie von Geisterhand schwingt die Tür auf.

Erst eine Woche ist es her, dass das «Place B» an der Steigstrasse eröffnet hat, doch bereits ist ein Drittel der 120 Lagerabteile vermietet. Das kleinste ist so gross wie ein Einbauschrank, das grösste so gross wie ein Wohnzimmer.

Im englischsprachigen Raum ist «Self-Storage» seit Jahrzehnten jedem Kind ein Begriff, in der Schweiz gibt es Nachholbedarf. Das Geschäft mit den flexiblen Lagerräumen wächst rasant. Töss ist bereits der siebte Standort von «Place B», weitere werden in den nächsten Monaten folgen. Dabei ist es erst gut zwei Jahre her, dass Gerber die Firma mitgegründet hat. Sie kommt mit nur neun Festangestellten aus.

«Wenn Sie möchten, könnten Sie hier und jetzt einen Vertrag abschliessen und Ihr Abteil gleich beziehen.»Manuel Gerber

Möglich ist dies durch radikale Digitalisierung. Während die meisten Lagerhäuser weltweit noch Geschäftszeiten und Angestellte vor Ort haben, läuft bei «Place B» alles übers Handy. Auch der Anmeldevorgang lässt sich komplett digital durchführen: «Wenn Sie möchten, könnten Sie hier und jetzt einen Vertrag abschliessen und Ihr Abteil gleich beziehen», sagt Gerber. Benötigt wird nur eine Kreditkarte und ein Smartphone, beides hat man für gewöhnlich in der Tasche.

Mit dem Auto in den Lift

Die Hightech-Lagerhalle befindet sich im obersten Stock des ehemaligen Erb-Autohauses. Dem Gebäude kann man seine Vergangenheit noch ansehen. Ein Autolift führt bis ins oberste Stockwerk. Theoretisch kann man mit dem eigenen Wagen also ins Gebäude und fast bis vorsLagerabteil fahren.

Der vorgesehene Zugang erfolgt aber zu Fuss oder mit Transportwägeli über einen Warenlift. Rufen kann man ihn, wie alles andere hier, mit der Handy-App. Einen Liftknopf gibt es nicht.

In Neubauten fehlt der Estrich

Gerber sieht zwei Gründe für den Boom beim Self-Storage. «Einerseits wird die Arbeitswelt flexibler. Es wird erwartet, dass die Leute für einen Job umziehen oder auch einmal ins Ausland gehen. Andererseits haben moderne Wohnungen meist keinen Estrich und nur kleine Kellerabteile. Trotzdem möchten die Leute, dass ihre Wohnung grosszügig und offen und nicht vollgestopft aussieht.»

Nicht nur Möbel werden zwischengelagert, sondern zum Beispiel auch selten gebrauchte Velos oder Wintersportausrüstungen.

Manchmal muss es schnell gehen: «Wenn die Partnerin oder der Partner Sie am Samstagabend auf die Strasse stellt, können Sie nicht bis Montag warten, Ihre Besitztümer in Sicherheit zu bringen», sagt Gerber und schmunzelt.

Das komme öfter vor, als man denke, sagt er. Dank digitaler Anmeldung könne «Place B» da eine rasche Lösung anbieten. Auch bei einem Wassereinbruch muss unter Umständen der halbe Hausrat vorübergehend eingelagert werden.

«Wenn die Partnerin oder der Partner Sie am Samstagabend auf die Strasse stellt, können Sie nicht bis Montag warten, Ihre Besitztümer in Sicherheit zu bringen.»Manuel Gerber

Auch für Geschäftskunden und Vereine seien die flexiblen Lagerräume attraktiv: «Viele lagern hier Promotions- und Messematerial ein oder ihr Archiv.» Einen Schlüssel, den man verlieren könnte, gibt es nicht. Soll ein Kollege Zugang erhalten, kann man einfach sein Handy freischalten, vorübergehend oder dauerhaft.

Kein Ort für Langfinger

Ein vollautomatisches Lagerhaus am Stadtrand, zieht das nicht auch zwielichtige Gestalten an, Hehler oder Dealer? Gerber schmunzelt. «Diese Frage wird mir jedes Mal gestellt. Wenn jemand vorhat, etwas Illegales zu machen, sind unsere Lager ein denkbar schlechter Ort dafür. Weil man sich mit dem Handy anmelden muss, wissen wir genau, wer zu welcher Zeit vor Ort war. Man hinterlässt einen digitalen Fingerabdruck.» Aus dem englischsprachigen Raum wisse man aus jahrzehntelanger Erfahrung, dass Self-Storage-Lager für Kriminelle unattraktiv seien.

Bald auch in Oberwinterthur

Weil das Lagerhaus keine An­gestellten vor Ort benötigt, sind auch kleine und dezentrale Standorte möglich. Noch in diesem Jahr will «Place B» das zweite Lager in Winterthur eröffnen, in Oberwinterthur, im Gebäude, wo vorher der Baumaschinenhersteller Meyco war.

«Unser Ziel ist es, nahe beim Kunden zu sein», sagt Gerber. «Gerne würden wir auch eine Filiale im Stadtzentrum eröffnen, aber da suchen wir noch den geeigneten Ort.»

(Der Landbote)

Erstellt: 30.09.2017, 10:23 Uhr

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