Winterthur

Das neue Büelrain: Glaspalast statt Baracken

Der Neubau der Kantonsschule Büelrain ist aussen ein Klotz, innen eine luftige Überraschung und fast 10 Millionen Franken günstiger als geplant. Er soll 50 Jahre Nomadentum beenden.

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Es ist wie Nacht und Tag: Das 1992 eingeweihte Hauptgebäude des Wirtschaftsgymnasiums Büelrain ist langgezogen, mit einem schluchtartigen Lichtschlitz, in den metallene Laufgänge geschraubt sind. «Alcatraz» ist der wenig schmeichelhafte Spitzname. Der Neubau ist dagegen ein luftiger Kubus. Wer in die Lobby eintritt, staunt: So viel Tageslicht, so viel Höhe! Der Bau des Zürcher Architekten Jonas Wüest ist ein Kranz mit verglasten Innenhof über vier Stockwerke.

Staunen durften bisher erst geladene Gäste. Die Schülerinnen und Schüler müssen noch draussen bleiben. Mit blauen Schuh-Überziehern liefen Architektenkollegen am Mittwochabend durch den fast fertigen Bau und. «Ein kompaktes Kistchen», findet einer. «Die anderen Entwürfe waren viel voluminöser.» Tatsächlich: 40 Klassenzimmer und diverse Spezialräume hat Wüests Büro untergebracht, ohne dass das Gebäude klotzig wirkt. Und auch finanziell ist es ein schlanker Wurf: Die 60 Millionen Franken Baukredit wurden nicht annähernd ausgeschöpft. Der Neubau sei mit «voraussichtlich rund 50 Millionen Franken» viel günstiger als geplant, bestätigt Markus Pfanner, Sprecher des kantonalen Hochbauamts.

Endlich ein Lehrerzimmer

Auf zwei Räume freut sich Rektor Martin Bietenhader besonders: die Mediathek und das Lehrerzimmer. Bisher gab es für Lehrkräfte gar keinen gemeinsamen Raum. «Das wird ein ganz anderes Teamgefühl», glaubt Bietenhader.

Das Büelrain war 50 Jahre lang ein Wanderzirkus: Seit den Anfängen 1968 wurde hauptsächlich in Pavillons und Containern unterrichtet, Chemie und Physik im benachbarten Technikum. Das schlanke Hauptgebäude von 1992 konnte nie den ganzen Schulbetrieb fassen. Als die Pavillons zuletzt der Baustelle wichen, zügelte der Unterricht ins Obertor-Provisorium. Damit ist bald Schluss: «Das neue Schulhaus macht richtig etwas her», sagt Rektor Bietenhader stolz. Nomaden werden die Kanti­schülerinnen und -schüler bleiben. Sie haben keine Stammzimmer, sondern wechseln für jedes Fach den Raum. Darum nehmen Gänge und Treppen auch so einen wichtigen Platz ein. Und weil jedes Gebäude ein kleines Geheimnis braucht, hat der Neubau einen versteckten unterirdischen Gang zum Altbau. Er verbindet die neue Turnhalle, die hangseitig im Untergeschoss eingebaut wurde mit den zwei bestehenden Hallen.

Kraftraum und Mini-Garage

Als Konzession an die moderne Zeit hat man den Gymnasiasten auch einen Kraftraum spendiert. Dank einer Initiative der Schüler rüstete der Kanton eine Solaranlage auf dem Dach nach. Klein ist dafür die Tiefgarage ausgefallen: Gerade mal 22 Autos passen rein. Vor elf Jahren bestellte der Kanton diverse Informatikräume. Sollten sie dereinst obsolet werden, weil die Schüler von morgen eigene Laptops haben, hat das Büelrain eine eingebaute Raumreserve.

Viel Sichtbeton und die gleichen dunkelgrauen Linoleumböden wie im Amsler-Bau hat Architekt Wüest verbaut. Dass der Bau trotzdem leichtfüssig wirkt, verdankt er dem vielen Tageslicht und dem hellen Holz, mit dem Fensterrahmen und Treppengeländer versehen wurden. Ein Blickfang ist die gigantische Kunst am Bau: «Flip Flop» von Clare Goodwin, zehn Meter lange Ellipsen aus Schiffbaublech, die im Atrium von der Decke hängen und sich ganz langsam drehen. Auf der Betonrampe zum Amsler-Bau, die vermutlich bald zum Skater-Magneten wird, wird heute Freitag ein zweites Kunstwerk installiert: ein pinkfarbener Plexiglasbrunnen von Christoph Haerle.

Erstellt: 23.05.2019, 17:59 Uhr

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