Elgg

Das Space Schöttl landet wieder

Vor 30 Jahren tauchte das Appenzeller Space Schöttl aus den Weiten des Universums auf. Töbi Tobler und Ficht Tanner nennen sich bis heute «anarchistisch-widerborstige» Volksmusiker. Bald spielen sie nach langem wieder gemeinsam.

alaktische Tradition nähert sich Elgg: Das Appenzeller Duo Space Schöttl landet demnächst in der Guhwilmühle. Links im Bild: Töbi Tobler und rechts: Ficht Tanner.

alaktische Tradition nähert sich Elgg: Das Appenzeller Duo Space Schöttl landet demnächst in der Guhwilmühle. Links im Bild: Töbi Tobler und rechts: Ficht Tanner. Bild: Bruno Ross

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Es gibt ein Revival des Duos Appenzeller Space Schöttl im Restaurant Guhwilmühle in Elgg: Volksmusik trifft auf freie Improvisation. Was darf das Publikum von Ihnen, Herr Tobler, am Hackbrett, und Ficht Tanner an der Bassgeige erwarten?
Töbi Tobler: Viele werden es schon ein bisschen kennen. Wir fangen an zu spielen und schauen, was passiert. Wir improvisieren und nehmen, was kommt.

Die Formation haben Sie in den 1980er Jahren gegründet. Kann man nach so langer Zeit immer noch die gleiche Musik machen?
Man kann schon sagen, da fliesst alles mit ein, was man in der Zeit erlebt hat. Ich spiele anders als vor 40 Jahren, auch Ficht hat einen eigenen Stil entwickelt. Man hat einen anderen Umgang miteinander, ist klarer und reifer geworden. Wenn man so frei spielt, ist es wie reden miteinander. Die eigene Sprache hat sich stärker konzentriert, früher hat man mehr reagiert als agiert. Man lässt sich, aber auch dem anderen mehr Platz. Man ist nicht mehr so verwirrt.

Sie haben zwischenzeitlich sieben Jahre Pause gemacht.
Wir hatten sogar im gleichen Haus gewohnt, dann brauchten wir eine Pause voneinander.

Gehen Sie noch zu traditionellen Appenzellermusik-Konzerten oder langweilt Sie das?
Ehrlich gesagt langweilt mich die junge Volksmusik mehr, wo man unbedingt etwas Neues reinbringen will. Wenn klassische Musiker zum Beispiel auch noch Appenzellermusik vom Blatt spielen, alles sauber, aber etwas verkopft. Da gefallen mir die Traditionellen besser, ein alter Bauer, der die Musik, mit einem Rhythmus, einem rechten Swing spielt. Wir haben die Musik früher vor allem an Familienfesten zum Tanzen gemacht, da muss sie anders klingen. Ich habe aber bei Aufführungen durch klassische Musiker auch schon mitgespielt. Sie machen die Tradition dafür in gewissen Kreisen wieder populär.

Ehrlich gesagt  langweilt mich die junge Volksmusik, wo man unbedingt etwas Neues reinbringen will.

Töbi Tobler, Hackbrettspieler

Für Ihr eigenes Hackbrettspiel haben Sie einen Auftritt der Streichmusik Alder am Geburtstag Ihrer Tante Nelly als Initialzündung genannt.
Da war ich 17 und habe in dem Alter selbst Schlagzeug gespielt. Ich konnte den Hackbrettspieler Emil Zimmermann und das Instrument von nahem erleben und habe mir überlegt, was ich damit machen würde.

Dass Ihre Jugend als Sohn eines Molkereibesitzers in Eschlikon TG kein Zuckerschlecken war, haben Sie im Buch «Die neue Volksmusik» sehr deutlich gemacht. Hat die harte Erziehung einen besonderen Charakterzug bei Ihnen hinterlassen?
Es war nicht meine Absicht, meine familiären Umstände breit zu treten. Aber vielleicht gibt das einem eine Tiefe. Man hat mehr Verständnis für andere Leute.

Immerhin hat Ihnen Ihr Vater, der ein gebürtiger Appenzeller war, dann zum 20. Geburtstag ein Hackbrett geschenkt.
Zuvor war ich als Kind ein paar Stunden im Akkordeon-Unterricht. Aber ich wollte meine eigene Musik machen, ich konnte nicht Stücke auswendig lernen von dem älteren Herrn. Schlagzeug habe ich mir dann autodidaktisch beigebracht. Als ich das Hackbrett bekam, ging ich einige Male in die Stunde. Man muss die verschiedenen Tonarten, die alle anders liegen, kennen. Dann war ich anderthalb Jahre in der Jazzschule in Bern, habe Klavier und Jazztheorie gelernt. Bei der Appenzellermusik ist das harmonisch ähnlich.

Sie haben 2017 den Schweizer Musikpreis erhalten. Da waren Sie 64 Jahre alt. Haben Sie das als Auszeichnung für Ihr Lebenswerk empfunden?
Ja, so war es gemeint. Was man noch machen will, das ist sowieso die Frage, wenn man 65 gewesen ist. Für mich ist es nicht negativ, aber das Alter fährt einem schon noch ein. Man hat nicht mehr das Bedürfnis, überall zu spielen und alles mitzumachen. Man wird gelassener.

Sie sind viel gereist. Ihre Karriere begann sogar in Paris. Sie wurden in der Métro entdeckt und zu einem Folkfestival im Musiksaal Olympia eingeladen. Später haben Sie sich von der Spieltechnik indonesischer Gamelan-Orchester inspirieren lassen. Was hat Sie sonst noch international beeinflusst?
Ficht Tanner und ich, wir sind zwar beide Appenzeller, aber haben die Wurzeln im Blues und Rock, also in Amerika und England. Ficht ist ohnehin ein Urgestein, er macht alles aus sich heraus. Er ist ein spontaner Gefühlsmusiker, der nicht ab Noten spielen kann. Er macht das jeden Tag, um zu schauen, was passiert. Für die Zuhörer ist das teilweise schamanisch, wie er auch mit der Stimme dahinter geht. Man muss auch bedenken, dass das Hackbrett ein jahrtausendealtes Instrument ist, aus Persien. Ich habe auch indische und chinesische Spieler gesehen, das inspiriert einen immer. Nicht nach Noten, im Stücke nachspielen, sondern durch das Wesen des Spiels.

Appenzeller Space Schöttl:Sa., 15. Sept., Restaurant Guhwilmühle Elgg. Hofstetten, Tel. 052 364 21 63. Essen 18 –19.30 Uhr, Konzert 20 Uhr. Eintritt inkl. Dreigangmenu (ohne Getränke): Fr. 60. www.kulturinelgg.ch (Der Landbote)

Erstellt: 10.09.2018, 18:21 Uhr

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