Schlatt

Das war nichts mit schnell, schnell

Eigentlich dachte der Schlatter Gemeinderat, dass die geringen Änderungen an der Bau- und Zonen­ord­nung schnell gemacht sind. Falsch gedacht. Der Kanton verlangte ausführliche Analysen und Begründungen.

Schlatt liegt raumplanerisch in der Kulturlandschaft. Verdichten statt Einzonen lautet hier die Devise.

Schlatt liegt raumplanerisch in der Kulturlandschaft. Verdichten statt Einzonen lautet hier die Devise. Bild: Johanna Bossart (Archivfoto)

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Es gibt Dinge im Leben, die man sich einfach vorstellt, die es dann aber in sich haben. «Nur noch schnell fertigmachen», denkt man sich. Und am Ende sitzt man, Stunden, Tage, Wochen an dem Projekt.

So erging es auch dem Gemeinderat von Schlatt bei der Revision der Bau- und Zonenordnung (BZO). «Wir wollten nur ein paar kleine Sachen ändern und die BZO den neuen Gesetzen anpassen», erklärte Gemeindepräsident Urs Schäfer am Donnerstagabend der Bevölkerung. Darum erarbeiteten die Berater zusammen mit dem Gemeinderat einen Entwurf. «Und dann gingen wir zum Kanton.»

Analysen und Berichte nötig

Bei einem sogenannten Ortsplanungsgespräch im Oktober 2017 machten die Verantwortlichen des Amts für Raumentwicklung den Schlatter Behörden einen Strich durch die Rechnung und damit durch die Vorstellung, die BZO-Revision mit wenig Aufwand abschliessen zu können. Der Kanton verlangte Quartieranalysen, Kernzonenpläne und ausführliche Begründungen.

«Wir wollten nur ein paar kleine Sachen ändern und die BZO den neuen Gesetzen anpassen.»Urs Schäfer, Gemeindepräsident Schlatt

Die Verantwortlichen der Gemeinde machten sich an die Ar­beit. Doch bevor sie wieder zum Kanton gehen, wollen sie eine Rück­meldung von der Bevöl­kerung einholen. Darum lud die Gemeinde am Donnerstag zum Info- und Diskussionsabend, der von gut 50 Personen besucht wurde.

Die Bauordnung soll mit den folgenden Zielen geändert werden: Es soll mehr gestalterischen Spielraum geben, zum Beispiel bei der Belichtung von ausge­bauten Dachstöcken, bei Dachaufbauten und bei den Firsten. Weiter sollen beheizte Wintergärten möglich sein und die Begriffe in der Bauordnung sollen mit denen anderer Kantone harmonisiert werden. Grundlegend ändert sich nichts.

Wachstum nicht im Fokus

Auch bei der Zonenordnung sind die tatsächlichen Änderungen klein. Allerdings hat sich seit 1997, als die BZO das letzte Mal revidiert wurde, in Sachen Raum­planung einiges verändert. Wachsen soll das Land nur noch in und um die Städte.

Schlatt ist jedoch ländlich geprägt­ und raumplanerisch der Kulturlandschaft zugeordnet. Das bedeutet, dass es in erster Linie darum geht, den Charakter der Dörfer zu erhalten und Naturräume zu schützen. Wachstum steht nicht im Fokus. Es wird lediglich nach innen verdichtet. Der bereits bebaute Boden soll besser genutzt werden, zum Beispiel mit Anbauten, Aufstockungen oder Zusatzbauten.

«In den ländlichen Dörfern nutzen die Menschen meist mehr Platz pro Person, als der Kanton theoretisch rechnet.»Remo Gantenbein, Berater der Ingesa AG

«Bei der Berechnung der Reser­ven liegen wir mit dem Kanton etwas im Clinch», sagte Remo Gantenbein, Berater der Ingesa AG. Denn der Kanton rechne mit einem theoretischen Wert, wie viel Platz es in der bestehenden Bauzone noch gebe. «Doch in den ländlichen Dörfern nutzen die Menschen meist mehr Platz pro Person, als der Kanton theoretisch rechnet.» Die Häuser und Gärten sind oft etwas grösser als in der Stadt. Doch das Wachstumsziel liegt in den nächsten 15 Jahren bei etwa 100 bis 150 zusätz­lichen Einwohnern. Dieses kann ohne zusätzliche Ein­zonungen von Bauland erreicht werden.

Alte Bauten legalisieren

Die Weiler Nussberg und Oberschlatt liegen zudem ausserhalb des definierten Siedlungsgebiets. Dort darf gar kein Wachstum mehr stattfinden. «Viele kleinere Nebengebäude oder Gärten liegen dort heute in der Landwirtschaftszone», erklärte Gemeindeingenieur Thomas Bischof. Mit den neuen Kernzonenplänen, die für Nussberg, Oberschlatt- Unterdorf und Waltenstein-Berg erstellt wurden, bewahrt man die bestehenden Bauten und legalisiert diese, falls sie bisher ausserhalb der Bauzone lagen. Eine Vergrösserung von Wohnfläche ist je­doch nicht mehr möglich. Neue Wohnbauten sind nur als Ersatz innerhalb festgelegter Baubegrenzungslinien möglich.

Diskutiert wurde an dem Abend wenig. Es ging mehrheitlich um Details oder Verständnisfragen. Doch Präsident Urs Schäfer rief die Bevölkerung dazu auf, ihre Anliegen, Fragen und Einwände noch bis zum 28. Februar schriftlich einzureichen. «Wir kön­nen nicht jede Situation einzeln prüfen», sagte er. «Bitte schauen Sie, wie es für Ihr Grundstück aussieht und was dort sinnvoll wäre.»

Der Entwurf der BZO wird dann nochmals überarbeitet, bevor er dem Kanton zur Vorprüfung eingereicht wird. Danach wird die Schlatter Gemeindeversammlung noch über das Werk befinden.

Erstellt: 26.01.2019, 09:06 Uhr

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